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Kolumne-Adriaan PEOPLE

Mitten aus dem Leben von – Adriaan van Veen

Du alleine bist dafür verantwortlich, was du bist und jemals sein wirst!

Mein Lehrer mochte mich halt nicht, mein Chef hat Schuld, dass ich nie in eine höhere Position gekommen bin oder ich habe einfach kein Glück oder Talent. So denken die meisten Menschen, denen ich begegnet bin. Sie finden sich mit dem ab, was sie haben. Arbeiten von Montag bis Freitag und dann ist Wochenende. Lieber ein sicherer Job als ein Risiko eingehen. Zur Arbeit gehen, ein Haus abzahlen und mit 67 dann anfangen „zu leben“.

Seinen Lebensweg muss natürlich jeder für sich selbst definieren und beschreiten. Für mich persönlich ist es aber eine schreckliche Vorstellung. Denn ich bin der Meinung, dass in jedem Menschen unzählige Talente schlummern jeder kann mit mehr oder weniger Fleiß alles erreichen, was er oder sie will und niemand kann das ändern als du selbst. Aber es ist natürlich immer einfacher, den anderen die Schuld dafür zu geben. Damit gibst du Verantwortung ab und bist fein raus aus der Sache und fühlst dich in deiner Komfortzone sicher. So habe ich auch lange gedacht. Bis mir bewusst wurde, dass ich nicht erst am Sterbebett erkennen möchte, was für Chancen ich verpasst und Talente nicht genutzt habe!

Warum habe ich in keinem Job gearbeitet, der mich wirklich erfüllt und glücklich macht? Warum alles so machen, wie die meisten es tun? Also fing ich mit 14 Jahren an (im Schulunterricht in den Fächern, die mich nicht interessierten), programmieren zu lernen und verkaufte meine erste Webseite, als ich 16 Jahre alt war.

Nach der Schule brach ich mein Studium in Anwendungsentwicklung am b.i.b. international College ab. Mit 21 Jahren war ich selbstständiger Webdesigner, arbeitete als Freelancer ohne Ausbildung in einer großen Software-Firma. 2015 gründete ich meine erste GmbH, ein Jahr später die zweite mit 25 Mitarbeitern. Doch im Jahr 2016 war alles, was was ich mir erträumt und aufgebaut hatte von heute auf morgen weg. 650.000 Euro in den Sand gesetzt. Die Firma hatte ich mit drei weiteren Gesellschaftern gegründet. Und ich hatte das Dilemma vor Augen. Aber niemand hörte auf mich. „Du hast doch nicht mal eine Ausbildung“ und „du bist noch so jung“ waren die Antworten. Was keiner erwähnte, war, dass ich das Marketing und die Designs bis dahin übernommen hatte, wodurch wir auch teilweise erst soweit gekommen waren.

Es kam also wie es passieren sollte: Wir meldeten Insolvenz an. Und auch wenn ich weiß, dass ich alle gewarnt hatte, so fühle ich mich doch mitschuldig. Ich hatte die Zeichen kommen sehen und hätte rechtzeitig aussteigen sollen.

Am Ende blieb mir kein Cent. Viele würden jetzt vielleicht sagen: „Verlierer“ oder „war klar, dass er es nicht schafft“. Das sind oft die, die nur wenig im Leben riskieren. Meine Welt war zerstört. Alles woran ich sieben Tage die Woche gearbeitet hatte, meine Träume, meine Visionen waren einfach zerbrochen und jetzt? Du bist 28 Jahre und kannst nichts anderes. Was würdest du tun? Eine Festanstellung in einer Web-Agentur? Etwas ganz Neues lernen? Im Jammern ersticken? Tatsächlich war ich einige Zeit in ein großes Loch gefallen, ich wusste nicht mehr weiter und dann habe ich mir gesagt: Akzeptiere die Lage, die du nicht ändern kannst, denn nur du kannst dich selbst daraus befreien!

Weiter geht es im nächsten Heft.

 

Bilder: Oliver Betke