„Willkommen in der TV-Branche“

Es ist nicht immer Gold was glänzt.

Rote Teppiche, Premieren, Ruhm, viel Geld. So stellen sich viele die Welt der Schauspieler vor. Dies trifft allerdings nur auf einen kleinen Bruchteil zu. 80 Prozent der Schauspieler können nicht von der Schauspielerei leben und müssen mit Nebenjobs ihren Lebensunterhalt verdienen. Um ehrlich zu sein, ich hatte es mir auch anders vorgestellt. Tatsächlich aber ist es ein lebenslanges Lernen, sich als Mensch weiterentwickeln, mit Zurückweisung umgehen lernen. Man muss für diesen Beruf brennen und mit vollem Herzen dabei sein.

Was ich bei vielen Menschen beobachte ist, dass sie unzufrieden mit ihrem Beruf sind, weil er ihnen keinen Spaß macht oder sie mehr verdienen wollen um sich neue Dinge zu kaufen. Was machen sie also? Sie suchen sich einen neuen Arbeitgeber der etwas mehr bezahlt aber wirklich glücklicher werden sie nicht. Warum? Die Lösung ist nicht, bei anderen zu schauen, ob sie einen ein besseres Angebot bieten, sondern bei sich selbst zu schauen, was kann ich besseres anbieten? Wie kann ich meinen eigenen Wert erhöhen damit andere bereit sind deutlich mehr für mich zu bezahlen? Zum Beispiel indem ich eine neue Fähigkeit erlerne, fleißiger bin als andere, meine Freizeit zum Teil nutze um mich weiterzuentwickeln.

Dass es für mich nicht einfach werden würde ohne Schauspielausbildung war mir klar, aber das motivierte mich zusätzlich. Ich habe früher oft Zurückweisung in der Schule (Freie Waldorfschule Hannover-Bothfeld) erfahren, von der ich beinahe geflogen wäre, was zum Großteil an mir selbst lag. Danke an dieser Stelle an meine geduldigen Klassenlehrer Barbara Seehawer und Till Ungefug.

Ich wurde schon immer für Dinge die ich tat belächelt und nicht ernst genommen und dies bis heute. Ich glaube, dadurch habe ich eine ganz besondere Motivation, den Menschen und vor allem mir selbst beweisen, dass ich alles schaffen kann, was ich mir in den Kopf setze.

Ich übte also fleißig weiter und besuchte Workshops und Weiterbildungen, unter anderem auch eine Weiterbildung am Actors Space in Berlin bei André Bolouri. Der Unterricht war in 5 Fächer aufgeteilt. Das Hauptfach war die sogenannte „Meisner-Technik“ welches eine sehr bekannte Schauspieltechnik ist. Die wohl bekannteste Übung daraus ist die „Repetition“ in der es darum geht, deinem Spielpartner ganz genau zuzuhören, sein Verhalten zu beobachten und das Gesprochene zu wiederholen. Eine genauere Erklärung wäre an dieser Stelle zu viel. Weitere Fächer waren: Casting-Training bei Natalie Novag, Stimmtraining nach Linklater bei Susanne Eggert, Movement bei Robert Liethoff und Camera-Acting bei Dominik Stegmann.

Die Zeit in Berlin war für mich eine ganz besondere. Ich hatte das Glück, bei meinem lieben Freund der Berliner Ikone Günther Krabbenhöft unterzukommen. Ein ganz lieber Freund, dem ich hiermit einen Gruß sende.

Neben den Schauspielübungen, war für mich auch meditieren, visualisieren ein wichtiger Bestandteil meines Tages. Ich glaube sehr stark an den Effekt der Resonanz. Je mehr ich mich mit meinen Zielen beschäftigte, umso mehr passierte in meinem Leben. Ein einfaches Beispiel dafür ist wohl, wenn man sich ein neues Auto gekauft hat, sieht man dieses auf einmal überall fahren, weil der Fokus plötzlich ein ganz anderer ist. Zu Beginn habe ich nicht wirklich daran geglaubt, dass Dinge die man sich vorstellt tatsächlich das reale Leben beeinflussen können. Aber je mehr Dinge tatsächlich passierten, umso mehr glaubte ich meinen eigenen Glaubensätzen, was wiederrum dazu führte, dass sich die Wirkung dieser verstärkte.

Zwei konkrete Beispiele, die für mich immer noch unfassbar sind. Zwei Monate stelle ich mir täglich vor, wie ich eine große Hauptrolle in einer Serie bekomme und meinem Mentor Francisco Medina (u.a. Schauspieler bei Alles was zählt), davon berichte und wir uns vor Freude in die Arme laufen. Ist sowas möglich? Nur durch Vorstellung Dinge im realen Leben zu beeinflussen?

Es war ein heißer Sommertag, ich war zu der Zeit noch in Berlin, bekam ich einen Anruf einer Film-Produktion, bei der ich ein E-Casting gemacht hatte und bekam meine erste Hauptrolle. Verrückt wurde es aber erst durch die Dinge, die danach passierten. Am selben Tag rief mich Francisco wie aus dem nichts an und sagte, dass er gerade in Berlin wäre und ob wir uns nicht spontan treffen wollten? Er nannte mir die Straße, die lustiger weise nur fünf Minuten von mir entfernt war. Dann passierte das, was ich mir die ganze Zeit vorgestellt hatte. Francisco wusste bereits von meiner Besetzung. Wir liefen aufeinander zu und umarmten uns, ein wirklich magischer Moment. Ich konnte es einfach nicht fassen, wie war es möglich, dass genau das eintraf, was ich mir so lange vorgestellt hatte und alles an einem einzigen Tag? War das Ganze nur Zufall oder funktionierte diese Technik tatsächlich?

 

Für mich ging es zunächst nach Köln, wo ich meine Dreharbeiten aufnahm. Freizeit und Wochenende waren nun komplett von meiner Rolle beschlagnahmt. Fünf Drehtage pro Woche. Der Tag startete für mich um sechs Uhr morgens, nachdem ich mich fertig gemacht hatte ging es ans Set. Täglich wurden bis zu acht Szenen gedreht, was ein ordentliches Pensum ist. Nach Drehschluss ging es, sofern ich nicht so übermäßig viel Text für den nächsten Drehtag hatte, ins Fitnessstudio und zum Abschalten in die Sauna, danach dann nach Hause, Text lernen bis spät abends. Am Wochenende wurde sich auf die kommende Woche vorbereitet. So ging es fünf Monate. Mit den Kollegen kam ich sehr gut aus, zumindest dachte ich das. Ich war stets freundlich, gut gelaunt und verbreitete eine positive Stimmung am Set. Was ich nicht wusste, dass einige Personen, warum auch immer, Dinge über mich bei der Produktion erzählten die mich in einem sehr schlechten Licht darstellten, um dies nett auszudrücken. Außerdem wurde das Arbeitsklima zunehmen durch wirklich schlechte Produktionsbedingungen und die Stimmung am Set vergiftet. Dennoch ließ ich dies nicht an mich rankommen, war jeden Tag perfekt vorbereitet und behielt mein Lächeln und meine positive Art.

Ein Brief, den ich am letzten Drehtag von einer Person in einer hohen Funktion erhielt, hat mich sehr berührt und gefreut. Neben denen, die Lügen über mich verbreiteten, gab es Menschen, die mich sehr schätzten was ein tolles Gefühl ist.

Hier ein Auszug aus dem Brief:

„Anfangs dachte ich noch, du kannst deine positive, energiegeladene Art nicht jeden Tag am Set an den Tag legen. Aber du hast mich eines Besseren belehrt. An deiner Arbeitsmoral kann sich jeder ein Beispiel nehmen (auch wenn ich dir trotzdem weiterhin rate, es nicht zu übertreiben und auch mal runterzufahren). Ich finde, du warst eine Bereicherung und wünsche dir weiterhin viel Erfolg.“

Wer aufgepasst hat, weiß, dass ich bisher nur ein Beispiel bezüglich der Wirksamkeit von Visualisierungen gegeben habe. Hier kommt Nummer Zwei. Ein Jahr nachdem ich meinen ersten Schauspiel-Workshop bei Francisco Medina gemacht hatte, bei dem mir bei einer Szene gesagt wurde „Das ist das schlechteste, wie man Schauspielen kann“, fand wieder ein Workshop statt, genau in den selben Räumlichkeiten. Ich war extrem aufgeregt, was würde diesmal passieren? Hatte mein Schauspieltraining was gebracht? Ich stelle mir täglich vor, wie ich vor den Castern, Schauspielern, Agenten und natürlich Francisco vorspielte, positives Feedback bekommen würde und für „Alles was zählt“ oder „Unter uns“ besetzt werde. Ich wusste, das eine Casterin dort sein würde, die diese Formate besetzt. So aufgeregt wie ich an diesem Tag war, war ich glaube ich noch nie und tatsächlich, Francisco war mit meiner Leistung sehr zufrieden und ich bekam großes Lob von allen Seiten, für das, was ich in einem Jahr geschafft hatte. Außerdem erhielt ich im Anschluss ein Angebot einer Agentur, dessen Agent mich dort gesehen hatte. Doch mit der Rolle wurde zunächst nichts. Wäre auch zu schön gewesen aber dann passierte doch etwas. Drei Monate später bekam ich tatsächlich eine Rolle bei „Unter Uns“, besetzt wurde ich von Tina Rinderspacher die mich bei Francisco im Workshop gesehen hatte. Ich war einfach nur überwältigt, dankbar und glücklich. Mein Fleiß hatte sich ausgezahlt.

Jetzt wollte ich es wissen! Ich merkte, dass ich eine reale Chance hatte in der TV-Branche, also ging es für mich weiter mit Workshops, lernen, lesen und schauen. Ich hatte zwar ein Angebot einer Agentur vorliegen, allerdings sagte mir diese nicht zu. Ohne Agentur ist es allerdings nicht einfach, an Rollen zu kommen und so machte ich mich auf die Suche und landete über eine Empfehlung bei der Agentur Frehse in München bei der ich aktuell unter Vertrag bin. Nach anderthalb Jahren als kompletter Anfänger und Autodidakt hatte ich es geschafft, eine professionelle Schauspielagentur zu finden und mein Start hätte besser nicht sein können. Meine erste Rolle für die Öffentlich-Rechtlichen (ZDF) erhielt ich exakt eine Woche nachdem ich in die Agentur aufgenommen wurde. Ich drehte für „Die Chefin“, lernte zum ersten Mal ein wirklich großes Filmset kennen. Ein tolles Gefühl, Teil eines so tollen Teams zu sein. Florian Schott führte Regie. Ein großartiger Regisseur, der sich für Jeden Zeit nahm, um das beste aus der Rolle herauszuholen. Als wäre dies nicht schon großartig genug, war ich in diesem Jahr noch im Finale für eine große Hauptrolle eines TV-Mehrteilers, erhielte eine Anfrage für den Tatort sowie für Netflix-Produktionen; leider bekam ich keine dieser Rollen was mich aber nicht traurig machte, denn es bedeutet, man wurde gesehen, man ist interessant. Mein Ziel war es, nach fünf Jahren für Netflix zu drehen. Ich werde dieses Ziel sehr viel schneller erreichen, da bin ich mir sicher. Egal wie viele Menschen nicht an mich glauben, falsche Dinge über mich verbreiten oder mich belächeln, ich werde weiter machen bis nach ganz oben.

Ich würde mich freuen, wenn ihr Freude an meinem Artikel hattet auch die bisher erschienen von mir lest. Außerdem erreichen mich in letzter Zeit ganz tolle Nachrichten von Lesern, über die ich mich sehr gefreut habe.

Instagram: @adriaan.vanveen

Fotos: Adriaan van Veen 

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