Mein erster Tag am Filmset

Ich erzähle euch heute von meinem ersten Tag am Filmset für die Krimi-Serie „Die Chefin, (ZDF)“. Der Tag begann damit, dass ich mit einer großen BMW-Limousine vom Hotel in München abgeholt und ans Filmset, einem Yachthafen gefahren wurde.

Es war ein wunderschöner warmer Sommertag mit blauem, wolkenklarem Himmel. Die Sonnenstrahlen spiegelten sich auf dem Wasser und es wehte eine feine Brise.

Am Set angekommen wurde ich bereits von der Aufnahmeleitung freundlich empfangen. Sie führte mich durch eine Menge von sogenannte „Trailern“. Das sind im Prinzip Campingwagen, die speziell umgebaut wurden und als Aufenthalts- und Rückzugsräume für die Schauspieler dienen. Außerdem standen überall LKWs mit Filmtechnik herum. Es herrschte reger Betrieb, denn die meisten Crew-Mitglieder waren lange vor dem Eintreffen der Schauspieler vor Ort, um den Drehtag vorzubereiten. Nach einer Weile kamen wir an meinem Trailer, an dessen Außenseite ein Schild mit meinem Rollennamen hing, an. Drinnen hing feinsäuberlich mein Kostüm welches ich direkt anzog, denn viel Zeit blieb nicht. Weiter ging es zum Trailer in dem die Maske untergebracht war. Mein Kollege Jürgen Tonkel begrüßte mich. Ein wirklich lustiger und fröhlicher Mensch.

Nachdem wir beide „Drehfertig“ waren, begrüßte uns der Regisseur Florian Schott, den ich schon vom Vorgespräch kannte und ich lernte die zwei anderen, wirklich großartigen Schauspielerinnen, mit denen ich meine Szenen spielten sollte, kennen. Katharina Böhm und Dagny Dewath. Der erste Drehtag ist immer besonders aufregend, da man so viele neue Gesichter kennenlernt, das erste Mal zusammen vor der Kamera spielt und einfach von den vielen Eindrücken erschlagen wird. Wir gingen unsere Texte gemeinsam durch und erhielten letzte Anweisungen von der Regie, dann rief eine Stimme aus dem Hintergrund: Schauspieler bitte ans Set.

Als wir ankamen war alles vorbereitet. Wir wurden vom Tonmeister mit Micros verkabelt, die Kamera war bereit, das Licht stimmte, die Maske korrigierte letzte Glanzstellen. Im Hintergrund wurden die Komparsen instruiert. Jetzt hieß es konzentrieren, bloß den Text nicht vergessen und trotzdem locker und entspannt wirken. Mindestens 20 Leute standen um einen herum, was die Anspannung natürlich zusätzlich erhöhte. Nachdem alle Departments (Crew-Abteilungen wie z.B. Ton, Licht, Kamera) ihr „set“ (bereit zum drehen) gegeben hatten und der Regisseur „und bitte“ rief, ging es los. Ab diesem Moment war ich in meiner eigenen Welt, ich sah nur noch meine Kollegen und spielte meine Rolle die ich lange vorbereit hatte. Die Szene ging schneller vorbei als ich denken konnte. Der Regisseur rief „danke“ und die Kamera wurde umgebaut, um verschiedene Einstellungen und Perspektiven aufzunehmen. Das ist für das Schneiden im Nachgang wichtig. Nach ca. 16 Takes (Aufnahmen) war die Szene im Kasten und ich war froh und glücklich, dass alles so gut geklappt hatte. Zeit gibt es eher selten im Überfluss an einem Filmset und so ging es auch schon direkt weiter zur nächsten Szene.

Zwischendurch wurden wir Schauspieler immer wieder gefragt, ob es uns gut geht, was wir trinken möchte, uns wurden Stühle geholt, nach jedem Take standen Crew-Mitglieder mit einem Sonnenschirm neben uns, um uns vor der starken Sonne zu schützen. Am Anfang dachte ich mir, meine Güte wie übertrieben, aber da ich nun weiß wie teuer und schlimm es für eine Filmproduktion ist, wenn ein Schauspieler wegen Krankheit ausfällt, verstehe ich warum man so „betüdelt“ wird. Ein Tatort kostet zum Beispiel im Durchschnitt 1,5 Mio. Euro. Da kann man sich vorstellen, was der Ausfall eines Schauspielers für Folgen hat.

Das Leben am Filmset ist ein ganz Besonderes. Manchmal kommt es mir so vor, als würde man in einem kleinen eigenen Dorf leben. Gerade wenn man über Wochen zusammenarbeitet wird die Crew zu deiner Familie und es ist ein wunderbares Gefühl dazuzugehören. Umso komischer ist es, wenn von heute auf morgen alles vorbei ist. Man sitzt wieder zuhause, warte auf das nächste E-Casting, die nächste Rolle, trainiert täglich um bereit für das nächste Projekt zu sein.

Für mich ist manchmal schwer, wieder in den Alltag zu finden. Aber es geht weiter, immer weiter mit einem klaren Ziel vor Augen. Ich bin so dankbar und froh, dass ich mit 28 mein Leben komplett geändert und mich dem Schauspiel gewidmet habe.

Gerade habe ich übrigens meinen ersten Kinofilm gedreht.

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