Stilikone Günter Krabbenhöft

CityGlow

12. Dezember 2020

Aufrufe: 587

„Zum jung sein wirst du nie zu alt“

Geboren nach dem 2. Weltkrieg wuchs er mit mehreren Geschwistern auf dem Land nahe der Stadt Hannover auf. Sein Leben drehte sich schon immer um den Genuss des guten Lebens. Um das, was den Menschen Freude bereitet und sie inspiriert. Tatsächlich liegen die Anfänge seiner beruflichen Laufbahn nicht etwa in der Modebranche, wie man angesichts seiner stets modischen Erscheinung vermuten mag – über Jahrzehnte arbeitete er in der Gastronomie.

Es ist sein kreativer Umgang mit Farben, Formen und Materialien – der ihn von der Masse abhebt. Diesen besonderen Blick für das Detail sieht er als angeborene Gabe. Ein Geschenk, welches er seit den Tagen seiner Jugend durch experimentieren und probieren perfektioniert hat.

Schon als Jugendlicher war er auf der Suche nach dem Besonderen. Kleidung und Kombinationen abseits des Mainstreams. Sich abseits dieser Hauptströmung in der Mode und (Pop)Kultur zu bewegen ist seiner Meinung nach ein bewusster Schritt, der viel Mut erfordert.

Das Wagnis, sich nicht innerhalb von Gesellschaft „gesetzten Grenzen“ zu bewegen. Die Entwicklung eines eigenen Stils hat nichts mit einem überquellenden Kleiderschrank zu tun. Vielmehr geht es um einen stetigen Veränderungsprozess. Die Fragen: Wer bin ich? Und was will ich mit meiner Kleidung nach außen tragen?

Für Krabenhöft steht nicht ein fester Plan in Stein gemeißelt, sondern ganz im Gegenteil – er lässt sich von seiner Fantasie und seiner Intuition leiten. Inspiration holt sich der Wahl-Berliner überall. Beim Lesen von Zeitschriften. Durchforsten im Internet. Oder ganz bewusst beim Laufen durch die Innenstadt.

Ein Mann, der mit offenen Augen durch die Welt geht. Die Welt auf sich wirken lässt. Und gleichzeitig allem seinen Stempel aufdrückt. Wo auch immer er auftaucht, sind die Menschen begeistert und inspiriert durch seine offene und charismatische Erscheinung.

Seine internationale Berühmtheit verdankt er zwei zufälligen Schnappschüssen eines Berliner Fotografen. Im Herbst 2015 wurde der damals 70-jährige mit seinen persönlichen Markenzeichen Hut und Fliege in perfekter farblicher Abstimmung auf einem Blog veröffentlicht. Was daraufhin folgte, kann man nur als Hype bezeichnen. Die Modewelt inklusive der internationalen Presse wurden auf ihn aufmerksam. Die New York Times feiert ihn als „den ältesten Hipster“ Berlins. Doch gerade diesem Image widerspricht er entschieden. Für ihn persönlich, wie auch vielen anderen Menschen in unserem Land, bedeutet der Begriff Hipster eine Oberkategorie von Vollbarträgern mit uninspierten Mainstream Looks. Seine Maxime im Leben wie auch in der Mode ist das Zelebrieren der Individualität. Schön im Geist – wie auch der äußeren Erscheinung.

Kein Untergehen in der Masse, sondern eine Inspiration für jeden.

Gefeiert wird aber nicht nur sein Stil. In der Techno- und Clubszene der Hauptstadt ist Krabbenhöft, außerhalb der Coronazeiten, ein gern und häufig gesehener Gast. Vor einigen Jahren „wagte“ er den Schritt in die Szeneläden der Stadt. In Erwartung von Ablehnung oder Abweisung – wurde er gänzlich überrascht: Mit offenen Armen und dem einen oder anderen Jubel wird der Junggebliebene begrüßt. Für ihn wie ein Erwachen. Eine Offenbarung wie er retroperspektiv sagt.

In seinem gerade veröffentlichten Buch „Sei einfach du“ beschreibt er seine eigene Philosophie. Er feiert das Leben. Er genießt es in vollen Zügen. Er will anderen Menschen allen Altersgruppen diese Tür öffnen. Eine Welt der Jugend und der Inspiration, welche man nur durch innere Stärke und echten Mut erlangt. Erst wenn man die Ketten der gesellschaftlichen Erwartungen und die selbst gesteckten Grenzen überwindet, erreicht man einen Grad der Freiheit. Manch einer mag ihn mit Glückseligkeit umschreiben. In diesem Sinne: Lasst euch inspirieren und verzaubert andere. Ganz getreu dem Vorbild einer Stilikone.

Fotos: Pierre Heinemann




cityglow autor

cityglow

CITYGLOW: Beleuchte den Puls des urbanen Lebens!

Das könnte dich auch interessieren

James Arthur und das Lufthansa Orchester: Gemeinsam für den guten Zweck 

Spenden sammeln für soziale Projekte: Channel Aid geht in die nächste Runde  Die Hamburger FABS Foundation setzt ihre erfolgreiche Event-Reihe…

Weihnachten im Herzen Hamburgs: Ein Fest der Nächstenliebe in der Fischauktionshalle

In Hamburg feierten über 480 Bedürftige und Obdachlose eine besondere Weihnachtsfeier in der Fischauktionshalle, organisiert vom FRIENDS CUP Förderverein e.V.,…

Geballte Schlager-Power mit Ilka Groenewold

Hamburger Moderatorin und WELT TV Reporterin meldet sich jetzt musikalisch. Am 10. November 2023 erschien ihre 1. Single Unikat bei…

Engagement sowohl auf als auch jenseits der Bühne: Sandra Quadfliegs soziales und kulturelles Wirken

Sandra Quadflieg, geboren in Bremen, ist eine renommierte Schauspielerin, die ihre Ausbildung an der Schule für Schauspiel Hamburg absolviert hat.…

Nico Stank: Zwischen virtuellem Ruhm und echtem Talent

Von der Schulbühne zu den größten Filmsets Deutschlands   Nico Stank ist mehr als nur ein weiterer junger Entertainer in der…

Von der Schweiz bis in den hohen Norden: Brix Schaumburg radelt “Que(e)r durchs Land”

Ein Monat, über 2.000 Kilometer und unzählige Begegnungen: Brix Schaumburg zeigt, was Aktivismus auf zwei Rädern bewirken kann