Stilikone Günter Krabbenhöft

„Zum jung sein wirst du nie zu alt“

Geboren nach dem 2. Weltkrieg wuchs er mit mehreren Geschwistern auf dem Land nahe der Stadt Hannover auf. Sein Leben drehte sich schon immer um den Genuss des guten Lebens. Um das, was den Menschen Freude bereitet und sie inspiriert. Tatsächlich liegen die Anfänge seiner beruflichen Laufbahn nicht etwa in der Modebranche, wie man angesichts seiner stets modischen Erscheinung vermuten mag – über Jahrzehnte arbeitete er in der Gastronomie.

Es ist sein kreativer Umgang mit Farben, Formen und Materialien – der ihn von der Masse abhebt. Diesen besonderen Blick für das Detail sieht er als angeborene Gabe. Ein Geschenk, welches er seit den Tagen seiner Jugend durch experimentieren und probieren perfektioniert hat.

Schon als Jugendlicher war er auf der Suche nach dem Besonderen. Kleidung und Kombinationen abseits des Mainstreams. Sich abseits dieser Hauptströmung in der Mode und (Pop)Kultur zu bewegen ist seiner Meinung nach ein bewusster Schritt, der viel Mut erfordert.

Das Wagnis, sich nicht innerhalb von Gesellschaft „gesetzten Grenzen“ zu bewegen. Die Entwicklung eines eigenen Stils hat nichts mit einem überquellenden Kleiderschrank zu tun. Vielmehr geht es um einen stetigen Veränderungsprozess. Die Fragen: Wer bin ich? Und was will ich mit meiner Kleidung nach außen tragen?

Für Krabenhöft steht nicht ein fester Plan in Stein gemeißelt, sondern ganz im Gegenteil – er lässt sich von seiner Fantasie und seiner Intuition leiten. Inspiration holt sich der Wahl-Berliner überall. Beim Lesen von Zeitschriften. Durchforsten im Internet. Oder ganz bewusst beim Laufen durch die Innenstadt.

Ein Mann, der mit offenen Augen durch die Welt geht. Die Welt auf sich wirken lässt. Und gleichzeitig allem seinen Stempel aufdrückt. Wo auch immer er auftaucht, sind die Menschen begeistert und inspiriert durch seine offene und charismatische Erscheinung.

Seine internationale Berühmtheit verdankt er zwei zufälligen Schnappschüssen eines Berliner Fotografen. Im Herbst 2015 wurde der damals 70-jährige mit seinen persönlichen Markenzeichen Hut und Fliege in perfekter farblicher Abstimmung auf einem Blog veröffentlicht. Was daraufhin folgte, kann man nur als Hype bezeichnen. Die Modewelt inklusive der internationalen Presse wurden auf ihn aufmerksam. Die New York Times feiert ihn als „den ältesten Hipster“ Berlins. Doch gerade diesem Image widerspricht er entschieden. Für ihn persönlich, wie auch vielen anderen Menschen in unserem Land, bedeutet der Begriff Hipster eine Oberkategorie von Vollbarträgern mit uninspierten Mainstream Looks. Seine Maxime im Leben wie auch in der Mode ist das Zelebrieren der Individualität. Schön im Geist – wie auch der äußeren Erscheinung.

Kein Untergehen in der Masse, sondern eine Inspiration für jeden.

Gefeiert wird aber nicht nur sein Stil. In der Techno- und Clubszene der Hauptstadt ist Krabbenhöft, außerhalb der Coronazeiten, ein gern und häufig gesehener Gast. Vor einigen Jahren „wagte“ er den Schritt in die Szeneläden der Stadt. In Erwartung von Ablehnung oder Abweisung – wurde er gänzlich überrascht: Mit offenen Armen und dem einen oder anderen Jubel wird der Junggebliebene begrüßt. Für ihn wie ein Erwachen. Eine Offenbarung wie er retroperspektiv sagt.

In seinem gerade veröffentlichten Buch „Sei einfach du“ beschreibt er seine eigene Philosophie. Er feiert das Leben. Er genießt es in vollen Zügen. Er will anderen Menschen allen Altersgruppen diese Tür öffnen. Eine Welt der Jugend und der Inspiration, welche man nur durch innere Stärke und echten Mut erlangt. Erst wenn man die Ketten der gesellschaftlichen Erwartungen und die selbst gesteckten Grenzen überwindet, erreicht man einen Grad der Freiheit. Manch einer mag ihn mit Glückseligkeit umschreiben. In diesem Sinne: Lasst euch inspirieren und verzaubert andere. Ganz getreu dem Vorbild einer Stilikone.

Fotos: Pierre Heinemann

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