Jule Gölsdorf macht keine halben Sachen

Michael Panusch

13. März 2022

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Einmal quer durch die Medienlandschaft 

Die Journalistin Jule Gölsdorf ist ein echtes Naturtalent. Einem breiten Publikum dürfte die Hannoveranerin insbesondere als Moderatorin der Nachrichten im Sat1-Frühstücksfernsehen bekannt sein. Doch auch bei NDR Info oder Bingo! im norddeutschen Rundfunk ist die sympathische Allrounderin nicht mehr wegzudenken. Wie wandlungsfähig sie ist, stellte sie schon früh unter Beweis. Ihre Fernsehkarriere hat nach ihrem abgeschlossenen Politik-Studium nämlich eigentlich im Kinderfernsehen begonnen. Bei der Sendung „logo!“ präsentierte sie die ZDF Kindernachrichten und wurde dafür sogar mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Sie moderiert diverse TV- und Radiosendungen, Diskussionsrunden, Veranstaltungen und Sportevents. Zudem vermittelt sie Führungskräften mit ihren Coachings und Vorträgen, auf was es im Business wirklich ankommt. Selbst als Autorin ist Jule Gölsdorf erfolgreich. Sie veröffentlichte zwei Kriminalromane, diverse Sachbücher und arbeitet bei unterschiedlichen renommierten Magazinen als freie Autorin. Zudem betreibt sie erfolgreich einen Podcast über Haustiere. Wir haben uns mit Jule Gölsdorf unterhalten und schnell gemerkt, dass diese Frau mit ihren Ideen noch lange nicht am Ende ist.

 

Frage: Nachrichten bei Sat1 und NDR Info, ein Quiz bei Bingo!, ein Podcast über Haustiere und ihre Promis, Krimis, die in Monaco spielen – Sie lassen sich schwer in eine Schublade stecken?

Jule Gölsdorf: Das stimmt, aber das Leben ist ja auch nicht schwarz-weiß, auch das der Zuschauer nicht! Wir alle haben unterschiedliche Interessen, die mal hochtrabend und mal seicht sind. Ich liebe Sendungen wie das „Heute Journal“ oder „Maischbergers Woche“, lese „Spiegel“, „Die Zeit“ und viele Sachbücher. Aber ich mag auch die „Bunte“, Quizshows oder auch mal ein Reality-Format. Ich denke, dem Zuschauer geht es genauso und er kann das auch unterscheiden. Natürlich sollten die Dinge, die man tut nicht komplett gegensätzlich sein. Bei mir geht es immer um die Inhalte. Ob das Politik und Wirtschaft in den Nachrichten sind, Umweltthemen bei Bingo, gesellschaftspolitische Themen in den Krimis oder leichtere Themen, die viele Menschen beschäftigen, zum Beispiel Haustiere. Im Kern bin ich eine Journalistin, die vielfältig interessiert ist!

Frage: Und eine Journalistin, die viel vor der Kamera steht?!

JG: Zur Zeit schon, das stimmt. Es gibt einfach viel zu moderieren! (lacht) Aber die Moderation ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Dahinter steckt viel redaktionelle Vorbereitung. Ich sage immer: Ich bin erst Journalistin und dann Moderatorin – und ich mag auch die Bezeichnung Nachrichtensprecherin nicht. Ich bin ja keine Vorleserin, ich arbeite in jedem meiner Jobs redaktionell, habe Einfluss auf Inhalte, schreibe Moderationen und Interviews selbst und weiß daher, wovon ich spreche. Aber klar: Ich liebe den Part vor der Kamera und mag mich auch nicht dafür entschuldigen.

Frage: Mussten Sie das schon?

JG: Naja – manchmal schwingt in den journalistischen Redaktionen ein Hauch von „Moderation ist ein notwendiges Übel“ mit. Und dann sollte man als Journalistin natürlich auf keinen Fall zu gut aussehen oder sich gar zu sehr mit der Optik beschäftigen. Weil: man sollte  ja die Nacht hart recherchiert haben und sich mit Augenringen vor die Kamera schleppen. (schmunzelt) Das ist manchmal schon etwas schräg. Ich habe Politik studiert, mein journalistisches Handwerkszeug hinter der Kamera gelernt, Beiträge und Erklärstücke produziert, habe mein ganzes Berufsleben lang politische Magazine moderiert, war als Reporter im Flüchtlingcamp in Jordanien, im Katastrophengebiet in Fukushima oder auf der NGO Peaceboat und dann reden die Leute über meine Schuhe oder zu schöne Fotos auf Instagram.

Frage: Wie wichtig sind die sozialen Medien für Nachrichtenjournalistinnen?

JG: Wichtig, weil es einfach dem Zeitgeist entspricht. Dort zeigen sich Trends und Themen, die die Menschen beschäftigen. Und sie sind eine Möglichkeit, mit den Zuschauern direkt zu kommunizieren.  Das eröffnet Möglichkeiten, die es früher nicht gab. Aber klar, es ist auch eine oberflächliche Welt – und auch eine, die durch den Algorithmus zum Teil ungünstig zugespitzt wird. Das muss man einordnen können. Und die vielen Filter erschaffen ein neues Bild von Schönheit und erzeugen Druck. Das ist nicht gut! In Norwegen müssen retuschierte Bilder gekennzeichnet werden, das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Frage: Wie wichtig ist Schönheit denn für Sie?

JG: Im Kern geht es mir eher um Gesundheit. Ich ernähre mich hauptsächlich vegetarisch, mache Sport und gehe regelmäßig auf Ayurveda-Kuren. Ich mag das Konzept des Ayurveda, weil es den Mensch ganzheitlich betrachtet und eher Gesundheit erhalten und Krankheiten verhindern will, als sich erst mit ihnen zu beschäftigen, wenn sie da sind. Aber die Optik spielt in meinem Beruf natürlich eine Rolle, da müssen wir uns nichts vormachen. Männer sind nach wie vor nicht nur häufiger im TV zu sehen, sondern auch länger. Graue Haare sieht man bei Männern häufig, bei Frauen kaum – da muss sich noch einiges verändern. Ich hoffe, dass ich es noch erlebe, dass Frauen so wie Männer im Fernsehen altern dürfen. Aber grundsätzlich mache ich mir natürlich darüber Gedanken, wie ich aussehe. Ich mag Mode und habe Spaß an Fotoshootings – auch gerne zusammen mit meinem Hund, der mich bei all dem stressigen Alltag auch super wieder runterholt.

Frage: Ihr Hund Fred hat ja sogar einen eigenen Instagram-Account…

JG: Ja – unter @poodlelittlefred. Ich nutze den Account aber eher als ein Fotoalbum, das ich anschaue, wenn ich zum Beispiel beruflich unterwegs bin und meinen Hund vermisse. Aber mittlerweile spielt Fred ja sogar ein berufliche Rolle – in unserem Podcast „Auf die Schnauze! Haustiere und ihre Promis!“, den ich mit meiner Freundin Christine Langner zusammen mache. Ich nehme Fred manchmal mit zu den Aufnahmen. Allerdings bellt er dabei auch manchmal ins Gespräch! Zuletzt waren wir bei Moderatorin Andrea Ballschuh zu Gast und als Andreas Hündin Shia das Wohnzimmer betreten wollte, hat Fred sie gleich in ihre Schranken gewiesen, er hat die Wohnung gleich als seine übernommen! (lacht)

Frage: Was ist das Besondere an dem Podcast?

JG: Wir sprechen in jeder Folge mit einem Promi über sein Haustier – da waren schon viele tolle Gäste dabei, zum Beispiel Guido Maria Kretschmer, Janine Kunze, Bärbel Schäfer, Thomas Anders, Leon Löwentraut, Nele Neuhaus, Regina Halmich, Roman Weidenfeller, Cornelia Poletto, Cathy Hummels. Die Gespräche sind persönlicher als andere Interviews, die Prominenten verraten mehr, weil ihnen das Thema so am Herzen liegt.

Frage: Was hat sie besonders überrascht?

JG: Zum Beispiel wie emotional auch Männer bei dem Thema werden und dass fast alle Hundebesitzer ihren Liebling ins Bett lassen. Wir übrigens auch! Und wieviel für die Vierbeiner getan wird: Regina Halmich backt Kekse, Guido Maria Kretschmer macht Erdbeereis, Thomas Anders hat in jedem Zimmer ein Körbchen für den Hund. Generell sagt es ja auch viel über einen Menschen aus, wie er mit einem Tier umgeht.

Titelbild:  Marius Rittmeyer

weitere Fotos: Sabine Radtke








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Michael Panusch

Als leidenschaftlicher Storyteller und urbaner Enthusiast hat Michael Panusch schon immer den Finger am Puls der Stadt gehabt. Als treibende Kraft hinter dem Cityglow Magazine versucht er, die ungesehenen Ecken, die unerzählten Geschichten und die dynamische Atmosphäre von unseren Metropolen zu beleuchten. Mit seinem scharfen Blick für Details und seiner Vorliebe für die Avantgarde spiegeln Michaels Artikel nicht nur seine Liebe zu urbanen Landschaften wieder, sondern bieten auch eine neue Perspektive auf das Stadtleben.

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