Interview mit dem Model Maggie Menges

Zeitlose Schönheit

Role Models werden nach dem amerikanischen Soziologien Robert K. Merton als Personen definiert, die als Beispiel dienen und als Muster für spezifische Rollen nachgeahmt werden können. Diese Personen müssen keine berühmten Stars oder perfekte Vorbilder sein, sondern sind ebenso gut im eigenen sozialen alltäglichen Umfeld zu finden. Also auch Lehrer, Eltern, Sporttrainer, Gleichaltrige oder politisch engagierte Menschen können einen Eindruck davon vermitteln, was im Beruf und im Leben möglich ist.

In den letzten Jahren hat sich der Begriff Role Model aus dem Englischen als Musterbeispiel für Personen, welche eine spezifische Rolle übernehmen, in den deutschen Sprachgebrauch geschlichen.Hierbei handelt es sich um eine Vorbildfunktion, die anderen Menschen bewusst oder unbewusst übernehmen.

Ein hervorstechendes Beispiel für ein Role model ist Maggie Menges. Seniormodel. Seit mehr als vier Jahrzehnten steht sie als Model professionell vor der Kamera. Nach einer „öden Lehre als Versicherungskauffrau“ folgte noch ein Studium für das höhere Lehramt. Nebenbei begann ihr Einstieg in ihren Lebenstraum. Der Anfang einer erfolgreichen Karriere im harten Modellbusiness.

Zur Finanzierung ihres Studiums und gefördert durch die NDR-Moderatorin Alida Fischer begann sie mit dem Modeln. Aufgrund der damaligen „Lehrerschwemme“ folgte auf das Studium nie eine Lehrtätigkeit – sondern direkt die Selbstständigkeit als Model. Aus einer Idee wurde eine Passion. Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut.

Zunächst würde uns natürlich brennend interessieren, wie man sich als Model mit langjähriger Erfahrung fit hält?

„Ich habe mein Leben lang Sport getrieben, ich war sogar eine Zeit leistungsmäßig in der Leichtathletik (800m) unterwegs. Zudem habe ich Sport studiert. Da mein Zeitfenster, durch den Job, sehr eingeschränkt ist, muss mein Training sehr schnell gehen und effizient sein. Ich führe deshalb, einmal die Woche, ein spezielles Ausdauertraining (EMS) durch und gehe zusätzlich zum Bootcamp- und Mobilitätstraining. Im Sommer skate ich gern und im Winter fahre ich Ski.“

Gibt es so etwas wie ein Rezept für anhaltende Jugend?

„Mein Schönheitsgeheimnis? Da muss ich ein bisschen Schmunzeln und nachdenken. Ich bin kein Mensch, der teure Cremes verwendet. Allerdings lasse ich mich einmal im Monat in einem Beautycenter verwöhnen, gehe regelmäßig zur Hand- und Fußpflege, zum Friseur, esse halbwegs gesund und das Wichtigste: ich versuche mir eine positive Einstellung zum Leben zu erhalten. Aber ich bin ehrlich, die ein oder andere Botox- oder Hyaluronspritze habe ich mir auch schon geben lassen. Alles in Maßen, es muss „natürlich“ aussehen, die Mimik muss erhalten bleiben. „In Würde altern“ heißt für mich, nicht aufgegeben zu haben, sondern zu zeigen, dass ich mein Leben, mein Charisma und meine Ausstrahlung liebe – auch mit kleinen Fältchen.“

Wer inspiriert dich und deine Arbeit?

„Ich muss ehrlich sagen, dass ich keinen Promi als Vorbild habe oder Instagram und Facebook als Inspiration benötige. Natürlich sind das Plattformen, auf denen man als Model vertreten sein muss und inzwischen hat sich eine Schar von Followern angesammelt. Wichtiger für mich als Inspiration ist jedoch der Spaßfaktor und die Leidenschaft, mit der ich diesen Job ausübe. Das inspiriert mich immer wieder aufs Neue und hilft mir auch in Krisenzeiten, wie momentan, durchzuhalten. Ich zitiere gern eine Kollegin und ehemalige Inhaberin einer Münchener Modelagentur, Christa Höhs, die in Ihrem Buch geschrieben hat, „Achtung, die jungen Grauhaarigen kommen“, ich finde dieses Zitat sehr aussagekräftig und es benennt die Generation der „Silver Ager“, die im Mittelpunkt unserer Gesellschaft angekommen sind und die ich gern mit meiner Person und Persönlichkeit vertrete.“

Was war eine der schönsten Momente in deinem Werdegang?

„Geschichten, Augenblicke oder Ereignisse gibt es aus meinem Leben als Model viel zu berichten, aber einer der schönsten Augenblicke und wo ich noch lange von erzählt habe, war „Die Verleihung des Deutschen Alterspreises“ der Robert-Koch-Stiftung in Berlin, mit geladenen hochrangigen Gästen aus Politik, Kultur und Sozialem. Ich bin dort eine Fashionshow mitgelaufen und war beeindruckt von den Nominierten, die sich teilweise schon in einem hohen Alter befanden, aber noch gewaltige Leistungen im Sport, im Berufsleben und in ehrenamtlichen Ämtern erbrachten.“

Du führst ein bewegtes Leben und kommst herum. Gibt es witzige Anekdoten?

„Witzige Anekdoten gibt es natürlich auch reichlich, die ich mit den vielen Kollegen erleben durfte, die mich durch diese 40 Jahre begleitet haben. Diese Stories sind allerdings auch mit viel Insiderwissen behaftet. Aber eine gibt es doch, die aus reinem Übermut entstanden ist: ich habe jahrelang für ein großes Outdoor-Ausrüstungsunternehmen die Kataloge als Model mitgeshootet. An einem geselligen Abend auf einer unserer Reisen, meinte ich übermütig, dass ich am nächsten Tag mit in den Klettersteig gehe. Gesagt, getan; am nächsten Tag hing ich angeseilt 1.000 Meter über dem Meeresspiegel in der Felswand und meisterte alles bravourös, den einwöchigen Muskelkater danach, möchte ich allerdings nicht noch einemal erleben, meine Kollegen haben sich jedoch köstlich amüsiert.“

Wie würdest du dich als Mensch beschreiben?

Meine Devise und Erfahrung ist: Bloß nicht verzweifeln! Wenn eine Tür zugeht, öffnet sich woanders eine Neue! Geprägt durch eine strenge Erziehung, alleinerziehend und den frühen Tod meiner Mutter, versuche ich nach der obigen Devise zu leben, ich versuche mit meiner positiven, fröhlichen (wird mir nachgesagt) Art und mit viel Energie durchs Leben zu gehen. Ich bin im letzten Drittel meines Lebens und hoffe es noch lange genießen zu können.“

Fotos: Chiara Meyer-Nordhorn

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