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Vorurteile – von Inga Sophia Nau-Gietz

Michael Panusch

26. August 2021

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In den letzten Wochen haben uns die Bilder aus den Hochwassergebieten sehr schockiert. Viele Menschen haben alles verloren. Eingestürzte Häuser, zerstörte Infrastrukturen und zerrüttete Existenzen- Bilder, die unter die Haut gehen.  Die Anzahl der freiwilligen Helfer und Helferinnen ist groß, genau wie die Anteilnahme. Menschen der ganzen Bundesrepublik wollen helfen- und tun es auch. Doch auch wird über die Hintergründe der Hilfsaktionen diskutiert und diese Katastrophe zur Stimmungsmache genutzt. Auf Facebook zeigen sich Beiträge mit Aufschriften wie: „So Angela Merkel, jetzt bist du gefragt!!! Vielleicht bittest du jetzt mal deine Gäste um Hilfe. Die haben ja viel Zeit und es sind junge, kräftige Männer. Jetzt können sie mal zeigen, wie dankbar sie wirklich sind.“ Offenkundliche Hetze gegen einzelne Bevölkerungsgruppen- wie so oft gegen die Minderheiten unserer Gesellschaft. Nichts Neues, wenn man sich die Geschichte ansieht. Trotz der maßgeblichen Erfahrungen in der Vergangenheit, scheint sich der Ablauf bei Katastrophen immer zu wiederholen. Diese offene und primitive Hetze sehe ich als sehr problematisch an. Doch wie entsteht eigentlich eine Ablehnung anderer Bevölkerungsgruppen? Darauf möchte ich im folgenden Artikel genauer eingehen.

Im Zusammenhang mit dem Thema Fremdenfeindlichkeit fällt oft der Begriff Stereotype. Der Definition nach beschreibt dieser Begriff die Generalisierung einer Gruppe von Menschen, indem man allen Mitgliedern der Gruppe identische Eigenschaften zuschreibt. Dieses Phänomen kennt wohl jeder von uns. So werden z.B. der Berufsgruppe der Anwälte andere Attribute zugeschrieben, als den Künstlern. Diese Attributionen können negative sowie positive Aspekte umfassen. So gelten Anwälte in der Regel als sehr strukturiert und durchsetzungsstark. Künstler vielleicht als kreativ und offen. Der Anwalt kann im gleichen Zug aber auch als spießig und kontrolliert, und der Künstler als rebellisch und chaotisch betitelt werden. Ob eine Attribution als negativ oder positiv empfunden wird, liegt im Auge des Betrachters. Jedoch schätze ich, dass sich kein Mensch gerne als Schmarotzer, faul, arbeitsunwillig und asozial betiteln lässt. Attribute, die aktuell mal wieder offen in den sozialen Medien gerade in Bezug auf Menschen mit Migrationshintergrund genannt werden. Die Hemmschwelle ist gefallen. Und was ich daran sehr problematisch finde ist, dass die spezifischen Informationen und individuellen Unterschiede zwischen den „Mitgliedern der Gruppe“ völlig unbeachtet bleiben. Es ist ein menschliches Phänomen, dass wir der „Eigengruppe“ generell bessere Attribute zuschreiben als der „Fremdgruppe“. Als Eigengruppe wird die Gruppe bezeichnet, der wir uns zugehörig fühlen (z.B. Deutsche, Sportler, Künstler, Abiturienten, Studenten, etc.). Natürlich gibt es auch „die Anderen“- dementsprechend die Fremdgruppe. Diese wird generell kritischer beurteilt. Das hat damit zu tun, dass der Mensch darauf bedacht ist, sein positives Selbstbild aufrechtzuerhalten. Der Nährboden dieses Selbstbildes ist individuell unterschiedlich. Es kann auf Erfahrungen basieren, es kann jedoch auch Verzerrungen beinhalten. Wir brauchen ein positives Selbstbild, um zu funktionieren und uns selbst zu akzeptieren. Oft kommt es jedoch auch vor, dass wir unser Selbstbild durch die Abwertung „anderer“ stärken. Sich über andere zu stellen, ist eine sehr effektive Vorgehensweise, um z.B. eigene Schwächen und Niederlagen zu kaschieren.  Natürlich will ich niemanden eine Meinung vorschreiben. Dennoch finde ich etwas immer sehr wichtig: Eine negative Generalisation ist für die Betroffen immer problematisch. Werden einem Menschen erstmal bestimmte Eigenschaften zugesprochen, so kommt dieser nur schwer aus der Schublade heraus. Und meist entsprechen die Vorurteile gar nicht der Realität. Anderen Menschen offen und positiv gegenüberzutreten sind meiner Meinung nach die wichtigsten Aspekte eines friedlichen und respektvollen Miteinanders. Und wer das nicht kann, sollte sich vermehrt über seine eigenen Persönlichkeitseigenschaften Gedanken machen, anstatt die von anderen Personengruppen zu definieren.

Ihre, Inga Sophia Nau-Gietz

Bildcredit: ©Adobe Stock/oneinchpunch

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Michael Panusch

Als leidenschaftlicher Storyteller und urbaner Enthusiast hat Michael Panusch schon immer den Finger am Puls der Stadt gehabt. Als treibende Kraft hinter dem Cityglow Magazine versucht er, die ungesehenen Ecken, die unerzählten Geschichten und die dynamische Atmosphäre von unseren Metropolen zu beleuchten. Mit seinem scharfen Blick für Details und seiner Vorliebe für die Avantgarde spiegeln Michaels Artikel nicht nur seine Liebe zu urbanen Landschaften wieder, sondern bieten auch eine neue Perspektive auf das Stadtleben.

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