Inga Nau-Gietz

Über Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung der Narzissten.

Michael Panusch

12. Oktober 2021

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„Ich, ich, ich, ich, ich…“ Jeder von uns kennt diese Menschen, die einen sehr großen Geltungsdrang an den Tag legen. Sie reden viel von sich und ihren Erfolgen, erzählen von ihren großartigen Leistungen und brauchen vor allem eins: Anerkennung und Bestätigung. Diese Menschen setzen sich gerne in Szene und brauchen das Gefühl außergewöhnlich zu sein. Seien es Berichte über ihre guten und berühmten Kontakte, oder der eigene harte Weg zum Erfolg… Hauptsache die Person steht im Mittelpunkt. Was daran auffällig ist: Der Erfolg von anderen Menschen wird nicht anerkannt. Andere bekommen eh alles nur geschenkt, hatten Glück und eigentlich, ist ihr Erfolg ja auch gar nicht so groß. Die einzige Person, die wirklich etwas leistet, ist der Erzähler selbst. Warum sind manche Menschen so? Warum brauchen sie so viel Bestätigung? Und warum fällt es ihnen so schwer, die Leistungen anderer anzuerkennen? Ein bekanntes Konstrukt aus der Psychologie ist der Narzissmus. Narzissmus steht im weitesten Sinne für Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung. In der Umgangssprache werden Menschen als Narzissten bezeichnet, die stark auf sich selbst bezogen sind und anderen eine geringere Bedeutung zusprechen als sich selbst. Oft überschätzt der Narzisst seine eigene Bedeutsamkeit. Während andere genervt die Augen verdrehen, erzählt der Narzisst munter weiter von seinen unglaublichen Leistungen. Die Präsentation nach Außen ist für den Narzissten von sehr hoher Bedeutung. Ein stil- und statusbewusstes Auftreten ist ein Muss. Auch die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten ist typisch für den Narzissten. Oft stellen sie sich selbst gerne besser dar, als sie eigentlich sind. Die ein oder andere Lüge ist dabei keine Seltenheit- Hauptsache die Außenwirkung stimmt.

Abgeleitet wurde die Bezeichnung Narzissmus von der Mythe des Narziss. Die aus der griechischen Mythologie stammende Geschichte beschreibt die Erlebnisse des Jünglings Narziss, der all seine Verehrerinnen und Verehrer zurückweist. Narziss wird aufgrund seines Verhaltens von den Göttern mit unstillbarer Selbstliebe bestraft. Ende vom Lied: Der Jüngling verliebt sich in sein eigenes Spiegelbild im Wasser und ertrinkt. Hochmut kommt halt oft vor dem Fall… Narzissten sind demnach egoistisch, selbstsüchtig und arrogant. Vor allem aber verhalten sie sich anderen Menschen gegenüber rücksichtslos. Andere Menschen werden nicht ihrer Selbstwillen toleriert, geliebt und akzeptiert. Nein, nein, sie erfüllen für den Narzissten immer einen Zweck. So kann die Bekanntschaft mit anderen bespielweise den Status des Narzissten erhöhen. Logisch, wer mit Barack Obama Selfies postet, der scheint ein gewisses Standing in der Gesellschaft zu haben und über offensichtlich gute Kontakte zu verfügen. Menschen erfüllen also für den Narzissten einen bestimmten Zweck. Entweder sie erhöhen sein Ansehen oder sie sind halt einfach praktisch. Eine Partnerin, die wenige meckert, den Narzissten bewundert, keine großen Ansprüche stellt und bestenfalls noch finanziell für sich selbst aufkommen kann, wird eine Zeit lang in seinem Leben einen Platz einnehmen können- falls sich nicht irgendwann was Besseres findet. Denn für den Narzissten sind Menschen austauschbar.  Oft behandeln sie andere genauso, wie sie selbst nicht behandelt werden wollen. Sie beuten andere aus. Sie nutzen die Gutmütigkeit anderer oder zerstören aus Neid. Anderen etwas gönnen und dessen Leistungen anerkennen- schwierig, schwierig, schwierig. Doch warum ist das so? Hinter der großartigen Fassade steht ein sehr kleines Selbstwertgefühl. Dieses zeigt sich besonders, wen man einen Narzissten kritisiert. Denn Kritik ist für den Narzissten nur schwer auszuhalten. Sein glorifiziertes Selbstbild schützt ihn und kompensiert das geringe Selbstwertgefühl. Nachvollziehbar, denn wer keine Fehler bei sich sieht, muss sich auch nicht damit auseinandersetzen.

Immer wieder wird mir die Frage gestellt, wie man mit diesen Menschen umgehen soll. Bleiben Sie sich selbst treu. Lassen Sie sich ihre eigenen Leistungen nicht kleinreden. Und stehen Sie zu sich und ihren Bedürfnissen. Denn Manipulation hat viele Gesichter- häufig auch auf den ersten Blick sehr freundliche…

 

cityglow autor

Michael Panusch

Als leidenschaftlicher Storyteller und urbaner Enthusiast hat Michael Panusch schon immer den Finger am Puls der Stadt gehabt. Als treibende Kraft hinter dem Cityglow Magazine versucht er, die ungesehenen Ecken, die unerzählten Geschichten und die dynamische Atmosphäre von unseren Metropolen zu beleuchten. Mit seinem scharfen Blick für Details und seiner Vorliebe für die Avantgarde spiegeln Michaels Artikel nicht nur seine Liebe zu urbanen Landschaften wieder, sondern bieten auch eine neue Perspektive auf das Stadtleben.

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