Die Sache mit dem Frühling!

Michael Panusch

29. Februar 2024

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Wenn wir ganz ehrlich sind, können wir es ja kaum noch erwarten. Endlich wieder wärmere Tage, endlich wieder Aperol Spritz in der Sonne! Aber ich kann Sie beruhigen, es wird ja bald auch wieder Herbst.

Ich liebe Tulpen. Und ich kann den Moment kaum erwarten, wenn auf dem Wochenmarkt die ersten Sträuße in den schönsten Farben angeboten werden. Wie viele Jahre ich jedes Mal sehnsüchtig darauf warte! Und mit jedem Jahr wird mir auch leider immer bewusster, dass es wieder ein Lenz mehr ist, der da kommt.

Spätestens wenn die Tulpen-Saison vorbei ist, die Spargelsaison beginnt und die Sommersonnenwende gefeiert wird, ist die nahende Katastrophe abzusehen – es wird wieder einen Winter geben, diese (für mich zumindest) schreckliche Jahreszeit voller Kälte und Dunkelheit. Es soll wohl Menschen geben, die den Winter mögen. Und ja, er hat ja auch zugegebenermaßen ein paar schöne Seiten. Aber das reicht mir natürlich nicht.

Der Frühling ist das pure Leben. Die Natur erwacht, die Vöglein zwitschern, die Knospen springen förmlich auf – überall liegt Liebe in der Luft! Das macht munter und glücklich. Das lässt einen lebendig fühlen. Und es hat etwas von Neuanfang.

Nehmen sich mal ganz bewusst Zeit, das zu beobachten! Das hat etwas sehr Magisches. Vor ein paar Jahren war ich mutig und kündigte meine Festanstellung Ende Februar. Und das erste Mal seit Jahren hatte ich frei. Urlaub! Oder arbeitslos. Wie man möchte. Ich saß jedenfalls auf dem Balkon, den ich mit Frühlingsblühern tatsächlich regelrecht vollgestopft hatte – und konnte jeden Tag sehen, wie die Blüten größer wurden. Ich fühlte den Frühling.

Und es gibt ja noch was Schönes zu berichten. Denn ja, es gibt sie: Die Frühlingsgefühle. Auch wenn das natürlich nicht gleich bedeutet, dass sich jeder von uns in jemanden verliebt – aber wir können durchaus eine Veränderung in uns wahrnehmen. Denn sobald die Temperaturen wieder steigen und die Tage wieder länger werden, wird das Hormon Melatonin im Körper unterdrückt. Melatonin ist quasi das „Schlafhormon“, das im Winter besonders hoch konzentriert ist.

Und jetzt passiert etwas ganz Natürliches: Der sinkende Melatonin-Spiegel setzt den Stoffwechsel in Gang, wir fühlen uns wacher und sind aktiver. Außerdem wird durch das intensivere Tageslicht der Neurotransmitter Serotonin wieder mehr ausgeschüttet und der sorgt für gute Laune!

Trifft das Sonnenlicht auf unsere Haut, werden zusätzlich Endorphine ausgeschüttet. Dieser Botenstoff wird in der Hirnanhangdrüse gebildet und wirkt schmerzstillend – da kann mit der frischen und fröhlichen Stimmung eigentlich gar nichts mehr schief gehen.

Ja und dann ist da natürlich noch die Sache mit den Sexualhormonen: Bei Männern steigt im Frühling der Testosteron-Spiegel an. Aber Testosteron sorgt nicht nur für mehr Lust auf Sex sondern ist auch wichtig für die männliche Psyche und sorgt dafür, dass sich Männer generell in ihrer Haut wohler fühlen. Bei Frauen ist der Frühlingseffekt nicht so stark von Hormonen beeinflusst, aber auch da beobachten Forscher eine generelle Steigerung der Libido und des Wohlbefindens. Logisch: im Tierreich klappt das ja auch – oder wo kommen denn bitte die ganzen Nester und süßen Tierbabys her??? Aha!

Was uns wahrscheinlich auch beeinflusst, sind die luftigere und kürzere Kleidung und nackte Haut. Und damit erledigt das Optische wohl den übrigen Reiz.

Und ich denke Sie merken jetzt, weshalb ich den Frühling mag. In einer repräsentativen Umfrage gaben 45 Prozent der Befragten an, im Frühling mehr Lust auf Sex zu haben, viele wollen auch verreisen, rausgehen, etwas erleben.

Um allerdings auf dem Boden der Realität zu bleiben: Die meisten gaben nicht an, generell daran zu glauben, sich im Frühling häufiger zu verlieben. Aber hey: gemeinsam könnten wir das ändern! Legen wir los!

Lachse wandern im Frühjahr den Fluss hoch, um sich fortzupflanzen, Amseln bauen ihr Nest und legen Eier; sogar Pandabären haben ein genaues Zeitfenster für die Fortflanzung.

Eine menschliche „Paarungszeit“, die uns ins genetische Gehirn gepflanzt hat, es im Frühling wie die Kaninchen zu treiben und für Nachwuchs zu sorgen, gibt es aber nicht. Wer wann Kinder will, ist von Paar zu Paar unterschiedlich. Frauen haben jeden Monat einen Eisprung und rein statistisch gesehen werden die meisten Kinder im Juli und September geboren. Nix mit Kaninchen-Sex! Den meisten Sex haben Menschen nämlich zum Winterbeginn! Da ist man quasi gefangen Inder Wohnung und hockt aufeinander. Tja! Was liegt da näher als zu kuscheln und sich miteinander die Zeit zu vertreiben.

Egal wie – der Frühling gefällt mir trotzdem. Aber halt! Kritiker werden nämlich grad den Kopf schütteln! Denn eine Sache fehlt noch: Was ist denn bitte mit der Frühjahrsmüdigkeit?

Ja, die gibt es auch noch und sie befällt viele Menschen; in den meisten Fällen wahrscheinlich, wenn es um den ebenfalls anstehenden Frühjahrsputz der Wohnung geht. Das ist natürlich ein Scherz. Ursprünglich erklärten sich die Forscher die Frühjahrsmüdigkeit durch leere Vitamin- und Mineralstoffspeicher nach den Wintermonaten. Dadurch fühle man sich häufig müde und abgeschlagen. Aber durch unsere heutige Ernährung ist dieser Grund wohl nicht mehr anzunehmen. Vielmehr erklären sich die klugen Köpfe heute die Müdigkeit durch die Temperaturschwankungen vom Tag zur Nacht in den Frühlingsmonaten. Die Gefäße müssen sich ständig erweitern und wieder verengen, der Blutdruck sackt ab und das führt wiederum zu Müdigkeit und Schwindelgefühlen. Und dazu kommt der bereits vorhin erwähnte Melatoninmangel und Serotinanstieg – wir schlafen weniger und diese Umstellung, die etwas vier bis sechs Wochen dauert, bringt eben eine gewisse Müdigkeit mit sich. Wie bei einem Jetlag, nur eben langsam.

Wenn Sie jetzt alles über den Frühling wissen, dann können Sie ja beim ersten Aperol Spritz mit den ganzen Fakten ein bisschen angeben. Und wenn Sie Single sind, lässt sich die Energie sogar doppelt nutzen. Bis es bald ja sowieso schon wieder Sommer ist und so weiter. Der Lauf der Dinge eben. Und na klar, diese Vergänglichkeit macht natürlich wehmütig. Aber Sie haben ja immerhin Aperol Spritz. Und können den Augenblick aufgrund seiner Vergänglichkeit dadurch noch mehr genießen.

Ach du schöner Frühling! Was freue ich mich auf dich! Vielleicht putze ich sogar heute noch die Fenster, damit die Sonne durch sie durch scheinen kann. Aber nur vielleicht. Tulpen kaufe ich auf jeden Fall. Sollten Sie auch tun. Es lohnt sich.

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Michael Panusch

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