©Ralf Franzen

Heiß, heißer, Juli! 

CityGlow

1. Juli 2024

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Der Juli ist mit großer Wahrscheinlichkeit einer der zwei freizügigsten Monate des Jahres – nur leider werden die Tage ja schon wieder kürzer. Aber bevor Weihnachten vor der Tür steht, holen wir einfach zusammen das Beste aus dem Sommer.  

Die meisten von Ihnen haben den Urlaub bestimmt noch vor sich. Denn statistisch gesehen verreisen die meisten Deutschen erst im Juli und August. Logisch, da sind ja auch „große“ Ferien für ganz viele! 

Ich kann mich noch erinnern, dass meine Eltern gerade zu dieser Zeit NICHT in den Urlaub fahren wollten. Wir fuhren nicht ans Mittelmeer, Spanien oder Italien – denn diese Ziele waren meinem Vater im Hochsommer zu voll. Deswegen verbrachte ich meine Sommerferien bei meinen Großeltern auf dem Land. Und es war rückblickend wohl die schönste und entspannteste Zeit meiner Kindheit.  

Opa war in unseren Kinderaugen sowas wie ein Erfinder. In seiner Garage schraubte er an hunderten Gerätschaften rum, reparierte, schweißte, klopfte… und am Ende kam irgendwas Nützliches dabei raus. Mit Oma fütterte ich die Kaninchen, durfte ihnen Namen geben (und ahnte damals natürlich nicht, dass diese kleinen Fellnasen irgendwann auf dem Tisch lagen); ich lernte, Hühner einzufangen, die ausgebüchst waren, sammelte morgens die Eier ein. Oma brachte mir kochen bei und rührte im großen Suppentopf und gab Weisheiten preis.  

Ich durfte mit dem großen Hund Gassi gehen, spielte mit meiner Cousine mit den Puppne und mit meinem Cousin verstecken und verliebte mich immer wieder in den putzigen Nachbarsjungen.  

Ist es ok, wenn ich Ihnen einige Anekdoten erzähle? Sie können natürlich auch weiterblättern! 

Mein Opa versuchte, mir das Rad fahren beizubringen. Er lief wie ein Verrückter mir und meinem kleinen Radel hinterher, immer wieder und immer wieder um den alten Walnussbaum; er fuchtelte mit den Armen, fing mich auf, setzte mich wieder drauf. Ich hasste Rad fahren. Dann kam mein Cousin und erzählte mir, dass alle großen Kinder Rad fahren könnten, das gehöre eben einfach dazu. Ich schmollte und mir war zum Heulen zu mute. Und dann versuchte ich es noch einmal. Und fand den Halt und radelte quer durch den Garten. Opa war stolz auf mich und Oma brachte Eis. 

Dieser Walnussbaum – das war auch witzig. Oder auch nicht. Mein kleiner Bruder wollte Nüsse knabbern – allerdings vom Baum. Oma warnte ihn, die seien noch längst nicht reif! Grüne Walnüsse vor der Ernte – ganz klar, das musste schief gehen. Er stopfte sich aber einfach heimlich zwischen den Ästen sitzend die unreifen Dinger rein und als er runterkletterte, übergab er sich neben der Kaffeetafel. Dieser kleine Trottel!  

Oder – letzte Geschichte – versprochen: Mein Lieblingsonkel, der mich im Freibad verteidigte und die frechen Jungs aus der Nachbarschaft einfing und untertauchte. Wie stolz ich neben ihm lief mit meinem rosafarbenen Badeanzug und den Schwimmflügeln. 

Alles lange her. Der Walnussbaum steht nicht mehr. Das Freibad ist geschlossen. Und mein Opa ist leider schon tot.  

Zurück zum Thema Urlaub. Ähnlich wie ich als Kind verbringen etwas mehr als ein Drittel der Deutschen ihren Urlaub tatsächlich im Inland. Die Zahlen steigen. Ist ja auch schön! Nord- und Ostseeküste, Bayerische Alpen, Harz, Schwarzwald, Eifel… was es nicht alle zu entdecken gibt! Grad auf Instagram scheint die Entdeckung deutscher Landstriche gerade Trend zu sein. Wie viele solcher Posts habe ich mir schon abgespeichert – muss ich unbedingt sehen! Aber erst später. 

Na, warten Sie mal nicht zu lange. Dieses: „Das mache ich, wenn ich in Rente bin” oder „ja, vielleicht im nächsten Jahr“ ist nicht zu empfehlen. Denn traurig aber wahr: 15 Prozent der Männer und fast 10 Prozent der Frauen werden das 67. Lebensjahr gar nicht erreichen! Der Vater eines Bekannten ist sogar an seinem sehnlichst erwarteten Renteneintrittstag tot umgefallen.  

Ich plädiere für „sich mehr gönnen“, für „jetzt leben“ und alles nicht ganz so ernst nehmen. 

Verstehen Sie mich nicht falsch: ich habe trotzdem einen Bauspar-Vertrag und Rücklagen. Denn man weiß ja nie, wie alt man wird. Sie werden es nicht glauben, aber ein sehr reicher Bekannter von mir hat mit 60 gesagt: „jetzt ist Zeit, alles zu verprassen“ – keine Kinder, keine Erben, wem solle er auch was vermachen? Also reiste er um die Welt, kaufte sich das ein oder andere schöne Auto. Und war mit 80 pleite. Er wurde aber noch sieben Jahre älter und verbrachte genau diese letzten sieben Jahre sehr ärmlich und bemitleidenswert. Na gut – weil er viele Freunde und Bekannte von früher hatte, gaben die ihm auch mal einen Kaffee aus. Trotzdem: Viel hatte er nicht mehr vom Leben.  

Ist es persönliche Genusssucht? Gibt es Menschen, die einfach nicht genug vom Leben bekommen können? Ist das löblich oder verwerflich?  

Und das andere – alles auf später verschieben – ist das irgendwie eine Form der Prokrastination? Nur andersherum? Ist es einfacher, im Trott und ohne Gönnung (oder wie eine sehr nervige Bekannte von mir es nennt: „Gönnjamin“) durchs Leben zu hamsterradeln und erst später am Ende die Erfüllung zu finden?  

Aber nochmal: Was ist, wenn es dann zu spät ist? 

Eine Sache noch. Während wir uns hier den Kopf zerbrechen, ob das Leben und unser Tun tatsächlich eine Sinn machen, sei gesagt, dass das Universum fast 14 Milliarden Jahre alt ist. Dass unser Leben nicht mal ein Wimpernschlag lang ist. Und die Milchstraße 52.000 Lichtjahre lang und 3500 Lichtjahre dick und 16000 Lichtjahre breit ist. Einheiten, die wir nicht im entferntesten erahnen können und für die wir als kleine Menschlein wohl keine Rolle spielen. 

Und das ist zwar irgendwie traurig, aber andererseits auch wirklich erleichternd. Es spielt gar nämlich keine Rolle, für wen wir irgendwas machen, ob wir Thailand gesehen haben, unser Job uns Spaß gemacht hat, ob wir uns mit unseren Eltern streiten oder schon im neuen Fischrestaurant waren. Ob wir uns Dinge jetzt gönnen oder auf die Rente warten. Das ist dem Universum vollkommen egal. Nur einem selbst sollte es unendlich wichtig sein. Machen Sie was draus.  

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