Vivien Kunte Kraftlinien – Was sich nicht glätten lässt
Vivien Kunte verbindet abstrakte Malerei, Zeichnung und Naturmaterialien zu einer persönlichen Bildsprache. Raue Oberflächen, verdichtete Farbspuren und sensible Linien erzählen von Erfahrungen, ohne sie unmittelbar offenzulegen. In der Ausstellung „Kraftlinien“ zeigt die GlowArt Gallery Laatzen Arbeiten einer Künstlerin, die Spannungen nicht auflöst, sondern sichtbar bestehen lässt.
Vivien Kunte Kraftlinien steht für eine Kunst zwischen Bewegung und Ruhe, Verletzlichkeit und Widerstand. Die 1968 in Düsseldorf geborene Künstlerin arbeitet mit Acrylfarben, Spachtel, Ölkreide und Materialien aus der Natur. Zeichnerische Spuren treffen dabei auf offene Bildflächen, gegenständliche Andeutungen auf abstrakte Strukturen.
Ihre Werke sind vom 15. August bis 26. September 2026 in der Gruppenausstellung „Kraftlinien“ in der GlowArt Gallery im Leine-Center Laatzen zu sehen. Die Vernissage findet am 15. August, die Midissage am 5. September statt.
Vom frühen Zeichnen zur abstrakten Malerei
Zeichnen und Aquarellmalerei begleiteten Vivien Kunte bereits in ihrer Kindheit. Schon früh fielen ihre Arbeiten durch eine eigenständige Wahrnehmung und Gestaltung auf. Später wandte sie sich zunehmend der abstrakten Malerei zu, ohne die Zeichnung aufzugeben.
Bis heute bilden Linien ein wichtiges Element ihrer Arbeiten. Sie schaffen Verbindungen zwischen erkennbaren Formen und Flächen, die bewusst offen und mehrdeutig bleiben. Eine Zeichnung kann Orientierung geben, während Farbe, Struktur und Material diese Ordnung erneut infrage stellen.
Kuntes beruflicher Weg führte zunächst in den medizinischen Bereich und anschließend in die sozialpädagogische Arbeit. Heute ist sie in der privaten Kinderbetreuung tätig und unterrichtet Kunst an einer Volkshochschule. In ihrem Atelier begleitet sie Kinder und Erwachsene beim Zeichnen, Drucken sowie beim Arbeiten mit Aquarell, Acryl und ungewöhnlichen Materialien.
Künstlerische Impulse erhielt sie durch die Zusammenarbeit mit Kunstschaffenden aus Düsseldorf und der umliegenden Region, durch Zeichenkurse und ein Arbeitswochenende mit Andrea Focks. Auch ihr Onkel Tomas Ritter beeinflusste ihre Entwicklung. Entscheidender als ein einzelnes Vorbild wurde jedoch das eigene Experimentieren mit Material, Bewegung und Wirkung.
Zwischen Spachtel, Ölkreide und Naturmaterialien
Vivien Kunte arbeitet überwiegend mit Acrylfarben. Das Material lässt sich gut mit anderen Stoffen verbinden und besitzt für sie den praktischen Vorteil eines vergleichsweise neutralen Geruchs. In die Bildflächen integriert sie unter anderem Blüten, Rinde, Blätter und Erde.
Dadurch entstehen Oberflächen, die nicht vollkommen kontrollierbar sind. Naturmaterialien verändern ihre Form, erzeugen Widerstände und hinterlassen Spuren. Farbe wird nicht nur aufgetragen, sondern geschoben, verdichtet, aufgebrochen und mit vorhandenen Strukturen verbunden.
Der Spachtel kommt besonders dann zum Einsatz, wenn Kunte Wut, Ängsten oder innerer Unruhe eine Form geben möchte. Mit ihm zieht und drückt sie die Farbe über den Untergrund. Die dabei entstehenden Kanten und Verdichtungen bleiben als sichtbare Bewegungen erhalten.
Anders erlebt sie die Arbeit mit Ölkreide. Hier ist die Hand unmittelbar am Bild beteiligt. Diese Nähe empfindet sie als sensibel und beruhigend. Während der Spachtel Druck und Unruhe aufnehmen kann, ermöglichen Ölkreide und direkte Berührung ein langsameres Ankommen bei sich selbst.
Beide Arbeitsweisen gehören zusammen. In den Bildern begegnen sich Kraft und Behutsamkeit, Widerstand und Sammlung. Gerade aus diesen Gegensätzen entwickelt sich die Spannung ihrer Arbeiten.
Eine persönliche Geschichte ohne festgelegte Deutung
Die Jahre 2019 und 2020 waren nach Vivien Kuntes eigener Darstellung von erheblichen emotionalen Belastungen geprägt. Nach der Trennung von ihrem damaligen Ehemann wurde ihr der Kontakt zu ihrem Kind verwehrt. Im Sommer 2020 starb außerdem ihr Vater, den sie zuvor intensiv betreut hatte.
Kunte überträgt diese Erfahrungen nicht in unmittelbar lesbare Szenen. Ihre Bilder sind weder Chronik noch Illustration persönlicher Ereignisse. Gefühle, Gedanken, Ängste und Erinnerungen erscheinen indirekt – als raue Fläche, verdichtete Farbe, Kontrast oder unterbrochene Linie.
„Malerei ist mein Weg, meine Geschichte zu erzählen – ohne Worte, ohne Wertung“, beschreibt sie ihre Haltung. Die persönliche Geschichte wird sichtbar, ohne vollständig offengelegt zu werden. Das Werk bewahrt damit auch das Recht auf Mehrdeutigkeit.
Betrachtende sollen in den Bildern eigene Details entdecken können. Eine Form kann an eine Figur, eine Landschaft oder eine Bewegung erinnern, ohne sich auf diese Lesart festlegen zu lassen. Kuntes Arbeiten bewegen sich bewusst zwischen Abstraktion und gegenständlicher Andeutung.
Auch ihr Stil entstand nicht durch einen plötzlichen Wechsel. Er entwickelte sich aus fortlaufender Arbeit, aus Begegnungen, Experimenten und öffentlichen Präsentationen. Kunte war an Gemeinschaftsarbeiten mit Kunstschaffenden aus der Düsseldorfer Region beteiligt und nahm unter anderem an den „Offenen Ateliers“ der Schaumburger Landschaft sowie mehrfach an der Kunstspur Wennigsen teil.
Vivien Kunte Kraftlinien: Spuren von Druck und Berührung
Die Verbindung zwischen Vivien Kunte und „Kraftlinien“ liegt bereits in der sichtbaren Struktur ihrer Bilder. Linien entstehen als Zeichnung, als Kante einer Farbfläche oder als Spur eines Spachtels. Andere werden durch Pflanzen, Erde und unregelmäßige Materialoberflächen gebildet.
Eine Kraftlinie muss bei Kunte nicht gerade, sauber oder abgeschlossen verlaufen. Sie kann abbrechen, sich verdichten oder unter einer weiteren Farbschicht verschwinden. Gerade das, was sich nicht vollständig glätten lässt, bewahrt die Erinnerung an den Entstehungsprozess.
Auch der körperliche Umgang mit dem Material gehört zu dieser Bewegung. Der Spachtel überträgt Druck, die Hand vermittelt Nähe. Zwischen beiden Gesten entsteht ein Bildraum, in dem Wut und Ruhe, Angst und Konzentration sowie Verletzlichkeit und Widerstand nebeneinander bestehen können.
Diese Deutung ist eine redaktionelle Annäherung an die Werke. Sie macht jedoch nachvollziehbar, weshalb Kuntes Kunst in die Ausstellung „Kraftlinien“ gehört: Ihre Arbeiten zeigen keine bereinigten Geschichten. Sie bewahren Spuren dessen, was erfahren, bewegt und ausgehalten wurde.
Vivien Kunte in der GlowArt Gallery Laatzen
Die Arbeiten von Vivien Kunte sind vom 15. August bis 26. September 2026 in der Ausstellung „Kraftlinien“ zu sehen. Die kuratierte Gruppenausstellung vereint in der GlowArt Gallery im Leine-Center Laatzen sechs Künstlerinnen mit unterschiedlichen Lebenswegen, Techniken und Bildsprachen.
Die Vernissage beginnt am Samstag, 15. August 2026, um 16:00 Uhr. Eine weitere Gelegenheit zur Begegnung mit der Ausstellung bietet die Midissage am Samstag, 5. September 2026, ebenfalls von 16:00 bis 19:00 Uhr.
Weitere Informationen veröffentlicht die GlowArt Gallery auf ihrer Website. Die Ausstellung endet am 26. September 2026.
Kraftlinien in der GlowArt Gallery
- Künstlerin: Vivien Kunte
- Ausstellung: Kraftlinien
- Ort: GlowArt Gallery im Leine-Center Laatzen
- Vernissage: 15. August 2026, 16:00–19:00 Uhr
- Midissage: 5. September 2026, 16:00–19:00 Uhr
- Ausstellungszeitraum: 15. August bis 26. September 2026
Häufige Fragen zu Vivien Kunte und Kraftlinien
Wer ist Vivien Kunte?
Vivien Kunte ist eine 1968 in Düsseldorf geborene Künstlerin. Sie verbindet abstrakte Malerei und Zeichnung mit Acrylfarben, Ölkreide, Spachteltechniken und Naturmaterialien. Darüber hinaus vermittelt sie Kunst an Kinder und Erwachsene.
Was kennzeichnet die Kunst von Vivien Kunte?
Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Abstraktion und gegenständlicher Andeutung. Raue Acrylflächen, zeichnerische Linien, Naturmaterialien und sichtbare Bearbeitungsspuren erzeugen Bildräume, in denen persönliche Erfahrungen anklingen, ohne eindeutig erklärt zu werden.
Wo sind die Arbeiten von Vivien Kunte zu sehen?
Ihre Werke werden in der Ausstellung „Kraftlinien“ in der GlowArt Gallery im Leine-Center Laatzen präsentiert. Der Ausstellungsort liegt in Laatzen bei Hannover.
Wann findet die Ausstellung Kraftlinien statt?
„Kraftlinien“ läuft vom 15. August bis 26. September 2026. Die Vernissage findet am 15. August und die Midissage am 5. September 2026 jeweils von 16:00 bis 19:00 Uhr statt.





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Sechs Künstlerinnen, sechs Lebenswege und sechs eigenständige Bildsprachen: CityGlow stellt die Teilnehmerinnen der Ausstellung „Kraftlinien“ ausführlich vor. Entdecke Anita Franz und ihre OCEAN-Serie, Kordula Bodes Aquarelle in Bewegung, Regina Reichenbachs Weg vom Schwarz zur Farbe, Sonja Pelkowskis vielschichtige Materialwelten, Tatjana Hartmann alias Thana zwischen Mensch, Natur und Symbol sowie Vivien Kuntes Kunst zwischen rauen Oberflächen und feinen Zeichenspuren.
Gemeinsam zeigen die Porträts, wie unterschiedlich persönliche Erfahrungen, Veränderung und innere Stärke in der zeitgenössischen Kunst sichtbar werden.





