Die Sache mit der Doppelmoral…

Michael Panusch

20. Dezember 2021

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Viele Menschen haben klare Wertvorstellungen. Das ist gut, denn Werte und Normen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft.  Unter Werten versteht man Eigenschaften, die der individuelle Mensch für erstrebenswert hält. Es handelt sich also um bewertende Gedanken, die eine Art Maßstab für „gut“ und „schlecht“ darstellen. Werte sind für uns Menschen wichtig. Sie dienen uns zur Orientierung in der Gesellschaft und haben einen maßgeblichen Einfluss auf das menschliche Miteinander. Daher bin ich immer wieder überrascht, wie oft Menschen gegen ihre eigenen Prinzipien verstoßen. Sei es eine kleine Lüge hier, oder der Regelverstoß da. Jeder von uns übertritt Tag für Tag Grenzen. Und der gerade entsetzt mit dem Kopf schüttelt, sollte einen kurzen Moment in sich gehen und mal ganz ehrlich zu sich selbst sein. Besonders fallen Wertverstöße bei Menschen in der Öffentlichkeit auf. Während wir selbst meist unbehelligt bleiben, sind insbesondere Politiker bei moralischen Verstößen oft lange Zeit in den Medien. Ist klar, denn wer oft in seinen Reden die „Moralkeule“ rausholt, der braucht sich bei Fehltritten nicht über Kritik zu wundern. In vielen Reden der Politik wird über die Wichtigkeit der Menschen unseres Landes philosophiert. Gerade zu Zeiten des Wahlkampfs wird immer wieder betont, dass nun endlich „Gerechtigkeit geschaffen werden soll“. Problematisch an solchen Aussagen ist natürlich, dass man Gerechtigkeit nicht einfach erschaffen kann. Gerechtigkeit ist ein subjektives Gefühl. Die totale Gerechtigkeit werden wir nie erreichen. Denn verschiedene Menschen in verschiedenen Lebenslagen werden immer einen anderen Bezug zu Gerechtigkeit haben. Schon aus diesem Grund sind solche Aussagen oft mehr als problematisch. Denn Gerechtigkeit zu versprechen, ist unterm Strich schon schier unmöglich. Was ich noch problematischer finde, ist das perfekt moralische Bild vieler Menschen in der Öffentlichkeit- welches meist nur kurz aufrechtgehalten werden kann. Denn in Zeiten einer digitalen Welt, bleibt nichts lange geheim. Ich erinnere nur an eine Flugstrecke von 50km im Privatjet- nach der eindringlichen Forderung nach mehr Umweltbewusstsein. Je mehr wir unsere eigenen Werte hervorheben, desto unglaubwürdiger werden wir, wenn wir sie brechen. Wer immer wieder predigt, dass Liebe, Vertrauen und Ehrlichkeit die wichtigsten Bestandteile einer Beziehung sind und im Anschluss mit einem Profil auf „Tinder“ erwischt wird, der arbeitet stark an seiner Unglaubwürdigkeit. Doch wozu dieses ganze Theater? Wir alle, sind Menschen mit Bedürfnissen. Und diese Bedürfnisse stehen manchmal mit den moralischen Werten anderer Menschen im Konflikt. Anstatt zu lügen und ein „Scheinselbst“ aufzubauen, wäre es doch viel einfacher, zu diesen Bedürfnissen zu stehen. Natürlich dürfen gewisse Grenzen nicht überschritten werden und anderen Menschen kein Schaden entstehen. Doch, wer zu sich und seinen Bedürfnissen steht, der wirkt auf andere Menschen authentisch. Und das ist es, was uns immer mehr fehlt: Authentizität.

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Michael Panusch

Als leidenschaftlicher Storyteller und urbaner Enthusiast hat Michael Panusch schon immer den Finger am Puls der Stadt gehabt. Als treibende Kraft hinter dem Cityglow Magazine versucht er, die ungesehenen Ecken, die unerzählten Geschichten und die dynamische Atmosphäre von unseren Metropolen zu beleuchten. Mit seinem scharfen Blick für Details und seiner Vorliebe für die Avantgarde spiegeln Michaels Artikel nicht nur seine Liebe zu urbanen Landschaften wieder, sondern bieten auch eine neue Perspektive auf das Stadtleben.

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