Mit epap die Papier-Flut eindämmen

Das nachhaltige Wirtschaften, vor allem auch mithilfe von digitalen Möglichkeiten, ist für viele Unternehmen zunehmend von Bedeutung. Dabei geht es manchmal nicht nur um betriebsinterne Abläufe, sondern auch um Themen, die die gesamte Gesellschaft betreffen, wie etwa Abfallvermeidung. Dieser Problematik will sich ein Hannoveraner Startup annehmen, das sich die Vermeidung von gedruckten Kassenbons zum Ziel gesetzt hat.

Im Zuge der Einführung der Bonpflicht Anfang 2020, um Steuerhinterziehung zu verhindern, ist die Problematik des hohen Papieraufkommens verstärkt in den Fokus gerückt. Schon im Vorfeld der neuen Bestimmungen gründete sich in Hannover das Unternehmen “epap GmbH”, das dafür an einer Lösung arbeitet: Das Startup möchte dabei neben dem positiven Umwelt-Aspekt auch “zeigen, dass Finanzen einfach und auch cool sein können”, wie Gründer Fabian Gruß erklärt. Gedruckte Belege seien einfach nicht mehr zeitgemäß, meint der 27-jährige. Nachdem Studium der Fahrzeug-Informatik in München schrieb er seine Master-Arbeit im Fach Human Factors Engineering bei VW.

Gemeinsam mit dem Mathe-Studenten Sebastian Berger rief er das Projekt an der Leibniz Universität Hannover Ende 2019 ins Leben. Die beiden arbeiteten parallel an einer Idee für eine App und wurden durch “starting business”, den Gründungsservice der Leibniz Universität, der GründerInnen und Gründungsinteressierte an der Uni unterstützt und vernetzt. “Teamgründungen haben unserer Erfahrung nach höhere Erfolgsaussichten als Einzelgründungen”, erläutert Janina Segatz vom Gründungsservice der Leibniz Universität.

Erfolgreicher als Team

Die App-Entwickler bekamen im Dezember 2019 die Gelegenheit, ihre Idee im Rahmen vom “leanlab”, einer von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft „hannoverimpuls“, dem Gründungsservice der Leibniz Universität „starting business“ und dem Entrepreneurship-Center „NEXSTER“ der Hochschule Hannover ausgerichteten Veranstaltung für Startups, zu präsentieren. Hier bekommen Gründer eine Plattform geboten, ihre Ideen an einem Wochenende weiterzuentwickeln. Bei diesem Anlass lernten Fabian Gruß und Sebastian Berger Gerd Trang und Jannis Dust kennen, mit denen sie sich zum Gründungsteam zusammenfanden und im Februar letzten Jahres “epap GmbH” gründeten. Das Konzept fand großen Anklang: Die Initiatoren erhielten das Gründungs-Stipendium des Landes Niedersachsen und wurden vergangenes Jahr mit dem Durchstarterpreis der NBank in der Kategorie Newcomer ausgezeichnet. Zudem konnten Sie mit ihrem Projekt in die VentureVilla in der Walderseestraße einziehen, wo Startups im Anfangsstadium im Bereich der Web- und Softwaretechnologie ein 100-tägiges “Accelerator-Programm” mit einem kostenlosen individuellen Coaching durchlaufen und Kontakte zu Investoren aufbauen können. So fanden sie dort die Bedingungen vor, um ihre Idee weiter zu entwickeln und sich ein erstes Netzwerk aus Investoren aufzubauen. “Im letzten April konnten wir zwei Business Angel gewinnen, die eine sechsstellige Summe in epap investiert haben”, erzählt Ruth Rottwitt, die Marketing- und Kommunikationsmanagerin des Startups. Die “Business Angel “ genannten Investoren unterstützen die Gründer in der Regel nicht nur finanziell, sondern auch mit ihren Erfahrungen in der Wirtschaft.

Vernetzung mit Unternehmen als nächster Schritt

Mittlerweile besteht “epap” aus 12 Mitarbeitenden und arbeitet verstärkt daran, sich mit anderen Unternehmen zu vernetzten. Dafür nahmen sie Kontakt zu Supermärkten und lokalen Betrieben auf, etwa dem 2006 eröffneten Vintage Mode- und Kunsthandwerkladen “Elfie & Ignaz” in der Nordstadt.  Inhaberin Sonay Hardt nutzt seit etwa einem Jahr das digitale System iZettle, das nach ihrer Schätzung zurzeit ca. die Hälfte ihrer Kunden nutzen. Ansonsten gibt sie handgeschriebene Belege heraus. “Thermopapier wollte ich immer vermeiden”, erklärt die Geschäftsfrau.

Auch in anderen Ländern werden ähnliche digitale Belegsysteme entwickelt, etwa die britische Datenplattform “Flux” oder “Receipthero”, das von der finnischen Regierung unterstützt wird. Die Corona-Pandemie sorgt zusätzlich für eine erhöhte Nachfrage bei kontaktlosen Bezahlmöglichkeiten. Herausforderungen stellen aus Sicht von Fabian Gruß zum einen die Skepsis der Kunden gegenüber den Lösungen der Startups und zum anderen ein fehlendes Bewusstsein für die Vorteile digitaler Belege dar. „Viele potentielle User warten auf eine höhere Verfügbarkeit digitaler Belege, potentielle Partner wiederum auf vermehrte Nachfrage ihrer Kunden.“, erläutert der Gründer. Entscheidend für die Akzeptanz sei nach seiner Einschätzung durch Rückmeldungen von Nutzern der Datenschutz sowie eine einfache Bedienung und eine möglichst hohe Abdeckung von teilnehmenden Geschäften. Aktuell hat “epap” nach eigenen Angaben seit dem Start im Herbst 2019 fast 26 000 User, die an rund 5000 angeschlossenen Kassensystemen insgesamt etwa 250 000 gescannte Papierbons und digitale, zum Beispiel durch QR-Code erstellte, Belege erhalten haben. Zusätzlich zum Erstellen der digitalen Belege lässt sich “epap” auch als Haushaltsbuch nutzen. Für dieses Jahr ist die Integration einer Banking-Funktion geplant, mit der digitale Belege an das persönliche Bankkonto gekoppelt werden können. Hiervon verspricht sich das Unternehmen einen deutlichen Mehrwert für die Kunden.

Bildmaterial von

Paula Keen

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