Welche Macht haben wir als Konsumenten?

Michael Panusch

1. April 2024

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Du musst dich vegan ernähren, darfst nicht fliegen, sollst kein Plastik verwenden: Als Konsumenten sind wir mit ständigen Forderungen konfrontiert. Diese Erwartungen halten uns permanent auf Trab. Und kaufen wir doch mal einen Kaffee to-go, plagt uns ein derart schlechtes Gewissen, dass wir fieberhaft nach einer Möglichkeit suchen, diesen eklatanten Fauxpas sogleich wieder gut zu machen. Passenderweise gibt es modernen Ablasshandel wie das Pflanzen von Bäumen im Amazonas. Die permanenten Forderungen nach einem umweltverträglichen Lebensstil, machen uns zudem zu Schuldigen, wenn sich das Klima trotz aller Bemühungen nicht ändern.

Fakt ist: mit jedem Kauf entscheiden wir, welches Unternehmen Profite macht und wir unterstützen die Praktiken, die in der Lieferkette des Unternehmens durchgeführt werden. Wenn nicht befürworten, so tolerieren wir zumindest, wie mit den Ressourcen Mensch und Umwelt umgegangen wird.

Warum kaufen wir überhaupt? Weil die Werbung uns unaufhörlich mit dem Versprechen bombardiert, bestimmte Produkte zu benötigen, um glücklich, gesund und erfolgreich zu sein. Dieser Konsumismus führt dazu, dass Unternehmen massenhaft Produkte verkaufen, auch wenn sie unwirksam oder gar schädlich sind.

Beispiel: So nehmen mit der Anzahl der Rasierklingen Hautirritationen zu, da jede einzelne Klinge die Haut beansprucht. Rasierer mit vielen Klingen sind aber gerade wegen ihrer vermeintlichen Wirksamkeit teurer. Passend dazu der Rasierschaum, dessen Wirkstoffe die Haut anfälliger für Hautirritationen machen und die Bodylotion für die anschließende Rasurpflege, die der Haut Feuchtigkeit entzieht, statt sie zu spenden. So wird möglichst viel Lotion verwendet und es muss bald eine neue Packung gekauft werden.

Ob wir mal einen Kaffee to-go trinken oder mal in den Urlaub fliegen, ist für den Klimawandel nicht kriegsentscheidend. Aber ob wir Obst aus Spanien kaufen, das dort auf gigantischen Flächen unter Plastikplanen angepflanzt wird, das macht einen Unterschied. 10.000 Hektar Plastik müssen davon jedes Jahr ausgetauscht werden, bei 70 Prozent absichtlich in der Umwelt entsorgt werden, wo sie sich über Wind und Regen verbreiten, weil es billiger ist, als das Plastik zu recyceln.

Die Frage ist also weniger Vegan-oder-Fleisch, Auto-oder-Fahrrad, die Frage lautet: Möchte ich mit meinem Kauf Unternehmen unterstützen, die sich keinen Deut um ihre Mitarbeiter und die Natur schweren und obendrein noch meiner Gesundheit schaden und deren einziges Interesse darin besteht, Profit zu machen? So wirbt gerade ein großer Supermarktkonzern damit, jederzeit 300 Obst- und Gemüsesorten vorrätig zu haben. Ist das die Welt, in der wir leben wollen? Wollen wir all die Konsequenzen, die sich aus dieser Verfügbarkeit ergeben, mit unserem Kauf fördern?

Die tatsächliche Macht als Konsument liegt darin, diese Fragen für sich zu beantworten. Sich nicht wie eine Marionette großer Konzerne führen zu lassen und Werbung widerstandslos Glauben zu schenken, sondern sich selbst zu informieren. Heutzutage sind sämtliche Informationen für jeden frei verfügbar. Sie zu nutzen und danach zu handeln, das macht ein ganzheitlich nachhaltiges Leben aus.

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Michael Panusch

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