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Damien Hirst Kunstkolumne – Zwischen Atelier, Auktionshaus und Kathedrale
Damien Hirst, britischer Konzeptkünstler und Mitglied der Young British Artists. Foto: Luke Stephenson, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
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Damien Hirst Kunstkolumne – Zwischen Atelier, Auktionshaus und Kathedrale

von CityGlow

von Caren Cunst

Liebe Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhaber, liebe Kunstfreunde,

die Kunstwelt liebt ihn – (Damien Hirst Kunstkolumne) oder lehnt ihn ab. Doch kaum ein Name steht so sehr für die Provokation zeitgenössischer Kunst wie Damien Hirst. In meiner neuen Kolumne widme ich mich einem Künstler, der mit Konzept, Spektakel und gesellschaftlicher Irritation die Kunstszene nachhaltig geprägt hat.

Falls ihr meine bisherigen Kolumnen verpasst habt, findet ihr hier zwei Einstiege in meine CityGlow-Kolumnenwelt:

👉 Caren Cunst schreibt über Georgia O’Keeffe

👉 Caren Cunst schreibt über Kunst (Kolumnenübersicht)

Und nun zu einem Künstler, der polarisiert wie kaum ein anderer:


Damien Hirst (*1965) – Enfant terrible und Visionär der zeitgenössischen Kunst

Damien Hirst wurde 1965 in Bristol in Großbritannien geboren und wuchs im Norden Englands auf. Bereits während seines Kunststudiums in London absolvierte er ein Praktikum in einer Leichenhalle – eine Erfahrung, die seine späteren Themen und Materialien stark beeinflusste.

Er ist Konzeptkünstler, Bildhauer, Maler und Kurator zugleich. International bekannt wurde Hirst in den 1990er-Jahrenals Mitglied der Bewegung der Young British Artists (YBAs), die mit provokanten und konzeptuellen Arbeiten die Kunstszene revolutionierten.


Sterblichkeit, Vergänglichkeit und die großen Fragen

Ein zentrales Motiv in Hirsts Kunst ist die Auseinandersetzung mit Sterblichkeit und Vergänglichkeit. Seine Werke verbinden Fragen nach Schönheit, Religion, Wissenschaft sowie nach Leben und Tod – häufig großformatig, kostspielig und spektakulär inszeniert.

Besonders berühmt ist seine Serie der in Glasbehältern konservierten Tierkörper – darunter ein Schaf, eine Kuh und ein Hai. Diese Arbeiten gehören zur Reihe Natural History und thematisieren das Spannungsfeld zwischen Natur, Wissenschaft und Kunst.

Stilistisch kombiniert Hirst starke Pinselstriche mit Elementen statischer Malerei. Seine Arbeiten zeigen Einflüsse des Impressionismus, des Pointillismus sowie des Action Paintings.


Die bekanntesten Werkserien im Überblick

Zu Damien Hirsts ikonischsten Werkserien zählen:

Natural History – Tierkörper in Glasbehältern, konserviert in Formaldehyd. Diese Werke machten Hirst weltberühmt und stellen die vielleicht radikalste Auseinandersetzung mit dem Tod in der zeitgenössischen Kunst dar.

Spot Paintings – Hunderte farbige Punkte auf weißen Leinwänden, systematisch und zugleich spielerisch. Eine Verbindung von Wissenschaft und Pop-Ästhetik.

Spin Paintings – Durch Rotation erzeugte abstrakte Farbmuster, die Zufall und Kontrolle miteinander verschmelzen lassen.


For the Love of God – Diamanten und Vergänglichkeit

Eine seiner berühmtesten Arbeiten ist die Skulptur „For the Love of God” – ein Platinabguss eines menschlichen Schädels, besetzt mit 8.601 Diamanten. Das Werk symbolisiert Hirsts Faszination für die Frage nach kulturellem und materiellem Wert – und dafür, wie nah sich Luxus und Tod kommen können.

Für mich ist dieses Werk ein Schlüssel zu seinem gesamten Schaffen: Selbst die Vergänglichkeit darf noch funkeln.


Kunstmarkt-Revolutionär und Kontroverse

Hirst ist außergewöhnlich aktiv im Kunstmarkt. Er arbeitete unter anderem mit der Saatchi Gallery zusammen und führte später eigene Verkaufsaktionen durch, bei denen Werke direkt versteigert wurden – ohne den klassischen Galeriebetrieb.

Er gilt als selbstbewusst und kontrovers. Kritiker werfen ihm vor, Kunst wie ein Industrieprodukt zu produzieren, während Unterstützer ihn als Revolutionär des modernen Kunstsystems sehen. Sein Vermögen wird auf etwa 700 Millionen Euro geschätzt.


In den bedeutendsten Sammlungen der Welt

Seine Werke befinden sich heute in bedeutenden internationalen Sammlungen, darunter im Museum of Modern Art in New York, im British Museum, in der Tate, im Stedelijk Museum Amsterdam, in der Fondazione Prada sowie im Museo Jumex.


Fazit: Damien Hirst – Chronist unserer Gegenwart

Damien Hirst ist weniger nur Künstler als vielmehr ein Phänomen. Er bewegt sich zwischen Atelier, Labor, Auktionshaus und Kathedrale. Seine Arbeiten sind nicht immer subtil – aber sie sind kongruent.

Er zwingt uns, über das nachzudenken, was wir am liebsten verdrängen: Sterblichkeit, Wert, Glauben und die Zerbrechlichkeit menschlicher Existenz. Vielleicht ist Hirst gerade deshalb so erfolgreich, weil er uns schonungslos vorführt, wie eng Kunst, Kapital und Vergänglichkeit miteinander verflochten sind – und wie bereitwillig wir diesem Spektakel zusehen.

Für mich ist Damien Hirst weniger Provokateur als präziser Chronist unserer Gegenwart. Einer Zeit, in der selbst die Vergänglichkeit noch funkeln darf.

Mit künstlerischer Leidenschaft und herzlichen Grüßen Caren Cunst

CityGlow Hinweis: In der GlowArt Gallery im Leine Center Hannover-Laatzen finden regelmäßig Kunstausstellungen und Events statt. Am 17.03 fängt die Veranstaltungsreihe „Neurographik & Networking” mit Albina Dvortsis.

Titelbild:Damien Hirst, britischer Konzeptkünstler und Mitglied der Young British Artists. Foto: Luke Stephenson, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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