Jetzt online lesen: Ausgabe 04.2026

ENTZAUBERT. Über den Zauber des Nicht-Wissens – und warum das Schönste stirbt, wenn wir es begreifen wollen
Zwei Kinder vor einer Wand mit der Botschaft „There is always hope“ – eine visuelle Metapher für Hoffnung, Staunen und den Zauber des Nicht-Wissens, passend zur CityGlow Kolumne „ENTZAUBERT“ über Banksy, Magie und die Kraft des Unerklärlichen. Foto: KI-generiert / CityGlow
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ENTZAUBERT. Über den Zauber des Nicht-Wissens – und warum das Schönste stirbt, wenn wir es begreifen wollen

von CityGlow

Banksy enttarnt – und plötzlich ist da dieses Gefühl: Als hätte jemand etwas zerbrochen, das man nie anfassen konnte.
Ein Mythos bekommt ein Gesicht, ein Name taucht auf – und mit ihm verschwindet ein Stück Magie, das jahrzehntelang Menschen auf der ganzen Welt berührt hat.

Doch warum trifft uns das so?

Banksy enttarnt – Warum uns verlorener Zauber schmerzt

Irgendwann im März (nicht zu verwechseln mit Merz!), irgendwo auf meinem Sofa – und im Internet. Eine Schlagzeile. Dann noch eine. Dann der Sturm.

BANKSY IST ENTTARNT.

BÄM! 

Oder war es doch nicht er? Oder doch? Und wie sieht er aus? 

Während auf dem restlichen Erdball Kriege toben, Menschen unfassbar leiden und das widerlichste Elend aus so manchen ‚Akten‘ quillt, explodieren… die Banksy-Berichte. Und die dazugehörenden Kommentarspalten und Meinungen gleich mit. Jeder hat eine. Vor allem jene, die an der Enthüllung beteiligt waren. Und die (wenigen), die voller Schadenfreude erstmal ausrechnen, in wie vielen Ländern Banksy nun Einreiseverbot und Strafgelder kassieren könnte.

Ich scrolle. Lese. Und spüre dabei einen Gefühlsmix, der mich wie das kreischende Quietschen von Kreide auf einer Tafel (ja, sowas gibt’s auch noch) trifft: 

Verlust. Trauer. Und Wut! Wie KONNTEN sie uns nur diesen Zauber wegnehmen…?!

Das Geschenk des Nicht-Wissens

Dabei ist doch eigentlich nichts passiert. Keins der berühmten Kunstwerke zerstört. Keine Mauer abgerissen. Nur ein Name mehr. Ein Gesicht. Eine Person hinter dem Mythos.

Warum also schmerzt mich diese Enthüllung regelrecht? Und auch viele, viele andere Menschen, wenn ich auf jene Kommentarspalten schaue? 

Irgendetwas ist weg, das in dieser Magie, diesem intensiven Zauber (vermutlich) nie wieder kommen wird.

Vielleicht ist das Problem nicht die Enttarnung an sich. Vielleicht ist das Problem, dass es diesen Drang nach „wissen wollen“ gab. 

Banksy hat jahrzehntelang funktioniert – nicht trotz seiner Anonymität, sondern wegen ihr. Die Frage „Wer steckt dahinter?“ war kein Mangel. Im Gegenteil.

Sie war das machtvolle GESCHENK eines Menschen, dem es nie um Berühmtheit oder Geld, sondern um die Botschaft seiner Kunst an sich ging. Und uns… verzauberte genau das. Die Spannung. Das Staunen. Der künstlerische Feenstaub, der nun mit ein paar Schlagzeilen zu einem kleinen Aschehaufen herabrieselt. 

Wir wussten weder, wer er ist, noch wo sein nächstes Werk auftauchen würde. Und genau deshalb konnten wir staunen. Über die Präzision seiner Botschaften. Die Chuzpe. Den Mut. Dieses Nicht-Wissen hat etwas lebendig gehalten. Eine kindliche Spannung. Ein bisschen wie Weihnachten. 

Wenn wir beginnen, den Zauber zu sezieren

Und DANN haben wir getan, was wir Menschen viel zu oft tun: 

Wir haben gesucht. Gegraben. Analysiert. Seziert. Den Zauber so lange befragt, bis er einmal tief seufzte – um sich dann mit einem leisen Puff! in Rauchwölkchen aufzulösen…

Und so leidenschaftlich ich auf Social Media nun auch jene Spottkommentare über die möglicherweise auf Banksy wartenden Geldstrafen mit einem „Dann starten wir halt ein GoFundMe für ihn!“ zu kontern versuchte… ganz tief drinnen war auch in mir ein Anteil, der eben doch „irgendwie gern wissen wollte, wer dieser Künstler denn ist“. 

Und dieser Anteil… zerkrümelt gerade schamvoll. Die schmerzliche Erkenntnis: genau dieses Wissen-Wollen hat sabotiert, was nur im unverstandenen Zustand seine Magie entfalten konnte.

Manchmal suchen wir das Ganze, das große Glück, die Liebe – und zerstören es genau in dem Moment, in dem wir vom Herz in den Kopf wandern.

Und anfangen, es dort zu analysieren, um es besser zu begreifen.

Wie jemand, der den Laib Brot sucht, der direkt vor ihm liegt – und anfängt, ihn bei seiner Suche immer weiter zu zerlegen. Scheibe für Scheibe. Krümel für Krümel. Nur um sich dann zu fragen, wo denn der Laib Brot ist – und warum er nur Brösel in der Hand hält.

Ich kenne dieses Greifen-und-Sezieren-Wollen auch, aus meiner Geschichte und persönlichen Entwicklung. Manchmal macht Analysieren absolut Sinn – wenn der Körper funkt, dass etwas nicht stimmt. Oder Zahlen zeigen, dass etwas schiefläuft. Aber Zauber? Feenstaub-Feeling? Bleibt außen vor, wenn der innere Analytiker seinen Red Bull-Moment hat. 

Vielleicht aber zeigt sich darin eine Art Glücksformel mit Gefühlen als Botschaftern: 

Schwere, laute Gefühle wie Frust, Wut oder Angst sagen uns: schau genauer hin, versteh, was da los ist – und mach es besser. In meinen Coachings oft genau der Schlüssel zu echter Veränderung.

Und leichte, stillere Gefühle wie Freude, ZuFRIEDENheit, Staunen…Liebe? Auch Botschafter. Aber für das Gegenteil: „Fühl und genieß es einfach, wie es ist! Kein Wieso-Weshalb-Woher nötig.“

Wer dann trotzdem zu analysieren beginnt, killt neben dem kleinen Mysterium auch gleich jeden Freudehauch ziemlich zuverlässig mit. Kommt leider vor. Wie man sieht.

Was mich zum roten Faden dieser Kolumne bringt: 

Liebe ist vermutlich das größte Mysterium von allen. Unerklärlich – aber fühlbar. Oft leise – und doch von einer Macht, die Welten verändert. Sie zeigt sich nicht im Begreifen – sondern im fühlenden ErLEBEN ihrer zig Facetten. 

Wer Liebe sezieren will, sucht den Laib Brot in seinen eigenen Krümeln.

Wer alles wissen und verstehen muss, verliert das Staunen. Und das Staunen – dieser Zauber, der nach Hermann Hesse jedem Anfang innewohnt – ist auch der Anfang von echtem Glück, von Verbindung, von L(i)eben können.

Denn das Unerklärte im Schönen ist keine Lücke. 

Es ist eine Einladung. 

Zum Innehalten und Spüren, dass da etwas ist, das uns berührt – ohne dass wir wissen müssten, warum. 

Und vielleicht ist genau das die höchste Form von Liebe: 

Etwas einfach (da) SEIN zu lassen, so wie es ist. 

Ohne Klammergriff. 

Ohne Seziermesser. 

Um es genau deshalb wirklich bestaunen und vollkommen genießen zu können.

Also, wo zerlegen wir noch Zauberhaftes in unserem Leben, das eigentlich nur angeschaut, bestaunt und genossen werden will?

Und Banksy?

Ich tippe auf: er macht weiter. Irgendwie. Irgendwo. Vielleicht als jemand ganz anderes. Vielleicht taucht morgen früh an einer Wand in London etwas auf, das uns wieder sprachlos macht. Oder ein neuer Künstler schenkt uns die Ehre eines neuen Zaubers.

Was bleibt, ist nicht der Name. Was bleibt, ist das Gefühl vor der Wand. Das Innehalten. Das leise Ohhh. Das kann uns niemand nehmen, auch keine Schlagzeile. Wenn wir es uns nicht nehmen lassen.

Und wie auch immer es weitergeht – eins ist sicher: 

Das L(I)EBEN findet immer einen Weg…

… THERE IS ALWAYS HOPE.

Herzlich,

TaBea von LICHTAUF 

TaBea Rienas, Coach, Autorin und Gründerin von LICHTAUF, ist die Stimme der CityGlow Kolumne „MEHR L(I)EBEN“ – in dieser Ausgabe „ENTZAUBERT“ schreibt sie über Banksy, das Nicht-Wissen und die Kraft von Liebe, Staunen und echtem Erleben.
Foto: TaBea Rienas / CityGlow
TaBea Rienas, Coach, Autorin und Gründerin von LICHTAUF, ist die Stimme der CityGlow Kolumne „MEHR L(I)EBEN“ – in dieser Ausgabe „ENTZAUBERT“ schreibt sie über Banksy, das Nicht-Wissen und die Kraft von Liebe, Staunen und echtem Erleben.
Foto: TaBea Rienas / CityGlow

FAQs – MEHR L(I)EBEN, Ausgabe 2: ENTZAUBERT.


Worum geht es in dieser Ausgabe der Kolumne „MEHR L(I)EBEN”? Im Mittelpunkt steht die Frage, warum wir das Unbegreifliche selten aushalten – und was wir zerstören, wenn wir es erzwingen. Am Beispiel der Banksy-Enttarnung zeigt Tabea Rienas, wie der Zwang zu wissen den Zauber des Lebens sabotiert. Und was das mit Liebe zu tun hat.


Was hat Banksy mit Liebe zu tun? Banksys Anonymität war kein Mangel – sie war das Geschenk. Sie hat Staunen ermöglicht, Spannung, kindliche Neugier. Genau das, was auch Liebe braucht: Raum für das Unerklärliche. Wer beides zu sehr begreifen will, verliert es.


Was ist die zentrale Botschaft dieser Ausgabe? Nicht alles Schöne will verstanden werden – manches will nur erlebt sein. Wer Staunen, Freude oder Liebe seziert, sucht den Laib Brot in seinen eigenen Krümeln. Die höchste Form von Liebe ist manchmal: etwas einfach SEIN lassen und genießen können, wie es ist.


Was ist die „Glücksformel”, die in der Kolumne beschrieben wird? Schwere Gefühle wie Wut oder Angst sind Botschafter – sie fordern Analyse und Veränderung. Leichte Gefühle wie Freude, Staunen oder Zufriedenheit sind ebenfalls Botschafter – aber für das Gegenteil: einfach genießen, kein Verstehen nötig. 


Für wen ist diese Kolumne besonders relevant? Für alle, die sich dabei ertappen, das Schöne in ihrem Leben zu hinterfragen, statt es zu genießen. Für Menschen, die in Beziehungen, im Job oder mit sich selbst zu viel analysieren – und dabei riskieren, das Lebendige zu verlieren. Und für alle Banksy-Fans, die gerade auch ein bisschen trauern.


Wer schreibt die Kolumne? Tabea Rienas ist Coach, Trainerin, Autorin und Gründerin von LICHTAUF go.learn.grow. Sie begleitet Menschen und Unternehmen in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung, Resilienz, emotionale Stärke und bewusste (Selbst-)Führung – mit Liebe als rotem Faden und präzisestem Lebenskompass. Ihr Antrieb: das Echte sichtbar machen – in Gesprächen, in Organisationen und in starken Geschichten.


Welche Themen behandelt die Kolumne „MEHR L(I)EBEN” insgesamt? Jede Ausgabe beleuchtet eine andere Facette von Liebe – jenseits von Romantik und Kitsch. Bisher erschienen: Erschöpfung als Zeichen für Mangel an Liebe und Verbundenheit, und nun Entzauberung als Folge des Zwangs zu wissen. Kommende Ausgaben widmen sich weiteren Facetten – und dem enormen Glückspotenzial, das im Lieben-Können steckt.


Wo erscheint die Kolumne? „MEHR L(I)EBEN” erscheint monatlich im CityGlow Magazin – print und online – und richtet sich an Menschen in Hannover, Niedersachsen und deutschlandweit, die mehr Tiefe, Bewusstheit und echte Lebensfreude suchen.

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