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Wurzel der Hoffnung
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Wurzel der Hoffnung

von CityGlow

Sara Schubert und die leise Dringlichkeit der Natur

Manche Ausstellungen schreien nach Aufmerksamkeit. Andere sprechen leise – und bleiben genau deshalb länger im Kopf. Mit „Wurzel der Hoffnung“ zeigt Sara Schubert ab dem 10. Januar im Leine Center Hannover/Laatzen eine Werkserie, die nicht auf Effekte setzt, sondern auf Wirkung. Ihre Bilder fordern kein schnelles Gefallen ein. Sie verlangen Zeit. Und sie stellen eine Frage, die sich kaum umgehen lässt: Wie gehen wir mit einer Natur um, deren Zerbrechlichkeit längst offensichtlich ist – und die wir dennoch täglich übersehen?

Kunst als Spiegel unserer Verantwortung

Sara Schuberts Arbeiten bewegen sich seit Jahren an der Schnittstelle zwischen Ästhetik und Haltung. Die Künstlerin verbindet abstrakte Malerei mit figurativen Naturmotiven, oft Tiere, Pflanzen oder organische Strukturen. Was auf den ersten Blick harmonisch wirkt, offenbart bei genauerem Hinsehen eine Spannung: zwischen Schönheit und Verlust, zwischen Kraft und Verletzlichkeit. „Wurzel der Hoffnung“ treibt diese Auseinandersetzung weiter – konzentrierter, klarer, konsequenter.

Im Zentrum der neuen Serie steht die tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Natur. Doch Schubert idealisiert diese Beziehung nicht. Stattdessen macht sie sichtbar, wie fragil dieses Gleichgewicht geworden ist. Ihre Bilder sind keine romantischen Naturdarstellungen, sondern visuelle Zustandsbeschreibungen einer Welt, in der Artenvielfalt schwindet und Lebensräume zerfallen.

Fragmentierung als künstlerisches Prinzip

Ein prägendes Merkmal der Ausstellung ist die Fragmentierung. Mehrere kleinformatige Leinwände fügen sich zu einem größeren Gesamtbild zusammen – nicht nahtlos, sondern bewusst unterbrochen. Diese Brüche sind kein Zufall, sondern Teil der Aussage. Sie stehen für die Zersplitterung natürlicher Lebensräume, für unterbrochene Kreisläufe und für ein Ökosystem, das aus dem Takt geraten ist.

Besonders eindrucksvoll wirkt dabei ein einzelnes Fragment, das konsequent in Schwarz-Weiß gehalten ist. Es entzieht sich der farblichen Harmonie der übrigen Bildteile und fungiert als stilles Mahnmal. Dieses Element steht für das, was bereits verloren ist – oder kurz davorsteht zu verschwinden. Ohne Pathos, ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit klarer Aussage: Nicht alles lässt sich reparieren, wenn wir zu lange warten.

Zwischen Abstraktion und Präzision

Sara Schuberts Bildsprache lebt von Kontrasten. Wilde, oft mit den Händen geschaffene abstrakte Hintergründe treffen auf hochpräzise ausgearbeitete Tier- und Naturmotive. Diese Kombination erzeugt Spannung – visuell wie emotional. Die abstrakten Flächen wirken wie emotionale Landschaften, während die figurativen Elemente Halt geben und Orientierung schaffen.

Die Tiere in Schuberts Arbeiten erscheinen dabei nie dekorativ. Sie blicken den Betrachter häufig direkt an, fast konfrontativ. Ihre Präsenz ist ruhig, aber bestimmt. Es sind keine Motive zum schnellen Weiterblättern, sondern Bilder, die einen innehalten lassen. Genau darin liegt ihre Stärke.

Haptik als Teil der Aussage

Ein weiteres zentrales Element ihrer Arbeiten ist die Haptik. Durch den gezielten Einsatz von Strukturpaste entstehen Oberflächen, die Tiefe erzeugen und beinahe zum Berühren einladen. Diese körperliche Dimension der Malerei ist kein Selbstzweck. Sie macht die Werke greifbarer – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Schubert arbeitet häufig intuitiv, insbesondere bei den abstrakten Hintergründen. Hände ersetzen den Pinsel, Bewegung ersetzt Kontrolle. Dieser direkte Dialog mit dem Material spiegelt ihre enge Verbindung zur Natur wider. Die Bilder entstehen nicht nur aus einem Konzept heraus, sondern aus einem Prozess, der Nähe zulässt und Zufall akzeptiert.

Hoffnung ohne Naivität

Der Titel „Wurzel der Hoffnung“ ist bewusst gewählt. Hoffnung, so Schubert, sei kein naiver Optimismus, sondern eine Entscheidung. Eine Haltung. Die Wurzel steht dabei für Ursprung, Stabilität und Wachstum – aber auch für das Unsichtbare, das unter der Oberfläche liegt. Ihre Kunst fragt nicht, ob Hoffnung möglich ist, sondern worauf sie gründen kann.

Diese Perspektive zieht sich durch die gesamte Serie. Trotz der thematisierten Verluste sind die Arbeiten nicht düster. Farben bleiben präsent, Formen lebendig. Hoffnung entsteht hier nicht durch Verdrängung, sondern durch Bewusstsein. Wer erkennt, was auf dem Spiel steht, kann Verantwortung übernehmen.

Kunst als öffentlicher Raum

Parallel zu ihrer künstlerischen Arbeit sucht Sara Schubert gezielt den Weg in öffentliche und halböffentliche Räume. Kooperationen mit Immobilienprojekten, Hotels und Galerien gehören zu ihren aktuellen Vorhaben. Kunst, so ihre Überzeugung, müsse dort stattfinden, wo Menschen leben, arbeiten und sich begegnen – nicht ausschließlich in klassischen Ausstellungsräumen.

Die GlowArt Gallery im Leine Center Laatzen bietet dafür den idealen Rahmen. Eingebettet in einen lebendigen Alltagsort erreicht die Ausstellung ein Publikum, das nicht zwingend gezielt eine Galerie besucht. Genau darin liegt eine große Chance: Kunst wird Teil des täglichen Weges, nicht nur Ziel eines geplanten Besuchs.

Rückblick: Ein konsequenter Weg

„Wurzel der Hoffnung“ ist kein isoliertes Projekt, sondern ein weiterer Schritt in einer klaren künstlerischen Entwicklung. Bereits in den vergangenen Jahren zeigte Sara Schubert ihre Arbeiten in unterschiedlichen Ausstellungsräumen, unter anderem im Haus Jupiter in Hamburg, in Nissis Kunstkantine in der HafenCity und im Reepschläger Haus in Wedel. Auch das Theater an der Marschnerstraße bot 2023 Raum für ihre Werke.

Die Resonanz war durchweg positiv – nicht nur wegen der handwerklichen Qualität, sondern vor allem wegen der inhaltlichen Klarheit. Schuberts Arbeiten polarisieren nicht, aber sie bleiben hängen. Sie liefern keine einfachen Antworten, sondern öffnen Denk- und Gefühlsräume.

Die Vernissage am 10. Januar

Die Ausstellung „Wurzel der Hoffnung“ eröffnet am 10. Januar in der GlowArt Gallery im Leine Center Laatzen. Die Vernissage bietet die Gelegenheit, die Künstlerin persönlich kennenzulernen, Einblicke in ihre Arbeitsweise zu erhalten und die Werke im direkten Austausch zu erleben.

Gerade bei Schuberts Bildern lohnt sich der Blick im Original. Strukturen, Farbtiefen und Details entfalten ihre volle Wirkung erst im Raum. Die Ausstellung lädt dazu ein, langsamer zu werden – und genauer hinzusehen.

Fazit

„Wurzel der Hoffnung“ ist keine gefällige Ausstellung. Sie ist klar, ruhig und konsequent. Sara Schubert nutzt ihre Kunst nicht, um zu beruhigen, sondern um zu sensibilisieren. Ihre Bilder erinnern daran, dass Natur nicht Kulisse ist, sondern Grundlage unseres Lebens. Und dass Hoffnung dort beginnt, wo wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Wer Kunst sucht, die berührt, ohne zu belehren, und die Haltung zeigt, ohne laut zu sein, sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen.

Vernissage: 10. Januar – 16:00 Uhr
Ort: GlowArt Gallery, Leine Center Laatzen, Albert-Schweitzer-Str. 10, 30880 Laatzen
Ausstellung: „Wurzel der Hoffnung“ – Sara Schubert

Anmeldung unter: michael@glowart-gallery.com

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