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Auf den Spuren von Tamara de Lempicka 
Kunstkolumnistin Sylvia SObbek begibt sich auf die Spuren von Tamara de Lempicka
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Auf den Spuren von Tamara de Lempicka 

von CityGlow

Ich liebe es, in die Welt besonderer Menschen, Künstlerinnen und Künstler einzutauchen und ihren Spuren zu folgen. Es ist immer ein besonderes Gefühl für mich, ihre Wohnorte zu besuchen und dieselben Wege zu gehen. Dort fühle ich mich ihnen ganz nah. Heute lade ich euch ein, mit mir in die Welt von Tamara de Lempicka einzutauchen. 

Baroness with a Brush 

Sie war der Star des Art Déco 

Wenn man an die schillernden 1920er Jahre denkt, kommt man an der Kunstikone jener Zeit nicht vorbei! 

Tamara de Lempicka wurde 1898 in Warschau geboren. Sie war nicht nur eine Künstlerin, sondern auch eine ebenso faszinierende Persönlichkeit, deren Leben und Werk die Ära des Art Déco prägten und die kreative Freiheit der damaligen Zeit widerspiegelten. Sie war eine Meisterin der Verführung und Verunsicherung. Sogar ihr Geburtsdatum und Geburtsort waren nicht jedem klar. Damit wollte sie möglicherweise die Verbindung zu ihrem Vater und seiner Herkunft ausblenden, dieser verschwand ziemlich früh aus ihrem Leben. Sie widersprach sich bewusst und erzählte immer wieder andere Geschichten. 

Sie verstand es, zu kokettieren und mit ihrem charismatischen Wesen zu verführen. 

Ihre Familie gehörte zur wohlhabenden Bourgeoisie, was ihr Zugang zu Bildung und kulturellen Ereignissen ermöglichte. Besonders ihre Großmutter Klementyna Dekler, eine starke und selbstbewusste Frau, spielte eine zentrale Rolle in Tamaras Leben. Die Schule langweilte sie. Tamara bevorzugte es, sich mit ihrer Großmutter zu unterhalten, die sie auf gemeinsame Reisen an die Côte d’Azur und nach Italien vorbereitete. 

Wer hat im Casino das meiste Geld verloren? Was hatte die eine oder andere Dame an? Die Großmutter liebte das Casino nicht weniger als die italienischen Museen. 

Bereits mit 12 Jahren entdeckte Tamara ihr Talent. Ihre Großmutter ließ ein Porträt von ihr anfertigen. Nachdem die Malerin ihr Werk der jungen Tamara vorstellte, sagte sie: „DAS KANN ICH BESSER“. Um es allen zu beweisen, malte sie ein Porträt ihrer jüngeren Schwester Adrienne. Tamaras Werke sind wie der Geschmack eines gut gemixten Cocktails. Sie kombinieren die Eleganz des Klassizismus mit der Frische der Moderne. Ihre Passion war die Linie, die Anatomie, geprägt durch die großen Meister, wie das Spiel mit Licht und Schatten von Caravaggio und Leonardo da Vinci. Mit ihren intensiven, leuchtenden Farben und klaren Linien schuf sie faszinierende Porträts und Stillleben, die eine Mischung aus Sinnlichkeit und Stärke ausstrahlen. Ihre berühmtesten Werke, wie „Das grüne Bugatti“ und „Porträt einer Dame in Grün“, ziehen den Betrachter in ihren Bann. De Lempickas Stil vereint geometrische Formen, die alten Meister der Renaissance und Erotik – 

“My goal is never to copy, but to create a new style.” – Tamara de Lempicka 

Mit nur 20 Jahren heiratete sie Tadeusz de Lempicki. Doch die Ehe war alles andere als perfekt. Während des Ersten Weltkriegs flüchteten sie nach Paris, wo auch ihre Tochter Kizette das Licht der Welt erblickte. Für den Lebensunterhalt musste sie alleine sorgen, was für Geflüchtete nicht einfach war. 

Paris – Die Hauptstadt der Welt 

Die Stadt der Lichter, die aufregende Bohème-Szene der Stadt faszinierte sie. 

“For my inspiration, I liked to go out in the evenings and have a good-looking man tell me how beautiful I am or how great an artist I am.” – Tamara de Lempicka 

Tamara de Lempickas Leben war von zahlreichen Liebesgeschichten geprägt, mit Männern ebenso wie mit Frauen – überwiegend mit ihren Modellen und Mäzenen. In dieser Zeit galt Bisexualität als skandalös. Trotzdem wussten die meisten in ihren Kreisen von ihren Vorlieben. 1934 heiratete sie einen ungarischen Baron aus der Kuffner-Familie. 

Ihr Gemälde „Porträt der Marjorie Ferry“ wurde bei Christie’s für 19,2 Millionen Euro versteigert. Wolfgang Joop verkaufte es zuvor für vier Millionen Euro. Barbara Streisand und Madonna sind Sammlerinnen ihrer Werke. Ihre Gemälde wurden in Madonnas Musikvideos zu „Open Your Heart“ und „Express Yourself“ gezeigt. Madonna verleiht ihre Sammlung weltweit an Museen, die das Werk von Tamara de Lempicka zeigen. 

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