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Ein Moment der Aufmerksamkeit im Alltag: An der Kasse eines Supermarktes entsteht durch kleine Gesten und freundliche Blicke echte Verbundenheit – ein Sinnbild für Menschlichkeit und Nähe im modernen Leben. Foto: Freepik
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von CityGlow

Zu müde, um glücklich zu sein?

Was Liebe mit unserer Erschöpfung zu tun hat

Kolumne von Tabea Rienas | LICHTAUF go.learn.grow


Morgens, acht Uhr irgendwas, in der Warteschlange an der Supermarktkasse. Zwei Menschen vor und drei hinter mir, alle sichtbar müde und subtil gereizt. Ich auch. Niemand ist unfreundlich, aber auch niemand wirklich da. Präsent. Alles läuft automatisch: ohne Drängeln nachrücken, Einkäufe aufs Band, das Einkäufetrenndings ordentlich platzieren, weiterrücken. So wie man (und es) halt funktioniert.

Und genau das ist das Problem. Es funktioniert nur.

Die gesamte Warteschlangen-Szenerie läuft ohne ein einziges Lächeln, Blickkontakt oder freundlichen Smalltalk ab. Ohne irgendetwas, das uns von Robotern unterscheiden würde, die – so hört man – bald die Weltherrschaft übernehmen.

Vielleicht sind wir längst die Roboter geworden und merken es nur nicht, weil wir so furchtbar gestresst und müde sind? Erschöpft vom Weltgeschehen, Dauer-Input von überall und der ganzheitlichen Nonstop-Jonglage derselbigen. Hauptsache, alles … funktioniert.

Diese Erschöpfung ist allerorts spürbar. In Blicken, Stimmen, Gesprächen, die Tiefe verlieren und Geschwindigkeit gewinnen.

Wir scheinen kollektiv an einem ZUVIEL zu leiden – und gleichzeitig in einer Zeit zu leben, die immer noch rasanter, künstlicher und voller wird. Und wir versuchen mitzuhalten. Konsumieren Videos und Podcasts über besseren Schlaf, Achtsamkeit und Selbstoptimierung. Reden über Stress, Burnout, neue Arbeitsmodelle und darüber, wie wir glücklicher werden. Na, wenigstens entspannter. Und manchmal hilft das – bis die nächste Input-Welle über uns hinwegschwappt und wir direkt noch müder werden.

Doch was, wenn wir nicht von diesem ZUVIEL erschöpft sind … sondern von einem ZUWENIG? ZU WENIG echter, wohlwollender Verbundenheit – mit uns selbst, mit anderen, mit dem Leben.

Was, wenn wir in all unserem Bemühen das Entscheidende übersehen haben, weil es so offensichtlich und gleichzeitig so missverstanden ist?

Die Liebe.

Was würde sich verändern, wenn wir sie aus der eher romantisch-verklärten Ecke holen und viel größer, weiter und: praktischer betrachten würden?

Hermann Hesse schrieb:
„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“

Interessant. Nicht: wer geliebt wird.
Sondern: wer lieben kann.

Das verschiebt die Verantwortung kolossal! Denn plötzlich geht es nicht mehr darum, was der andere UNS gibt. Sondern, was WIR bereit sind zu geben: an Wertschätzung, Freundlichkeit, Verständnis, um nur ein paar Facetten zu nennen.

Liebe wird damit von etwas Passivem zu einer hochaktiven Fähigkeit. Einer inneren Arbeit. Einer bewussten Entscheidung, die man immer wieder neu trifft – sich selbst und anderen gegenüber.

So verstanden ist sie alles andere als schwach, romantisch oder weichgespült. Im Gegenteil! Liebe fordert Präsenz, Klarheit und Haltung. Und, dass wir uns selbst ernst nehmen, ohne andere kleinzumachen.

Zu lieben heißt beispielsweise nicht, alles jederzeit super zu finden. Sondern manchmal: NEIN zu sagen – nicht gegen jemanden, sondern für uns.

Sie bedeutet auch Loslassen dessen, was nicht mehr trägt. Und zeigt sich in Wärme, Geborgenheit und Sicherheit; menschlichen Urbedürfnissen, deren Erfüllung – selbst für kurze Momente – ein Leben verändern kann.

Was ich eindrucksvoll in meinem Ehrenamt für DIE!!! Weihnachtsfeier für Wohnungslose und Bedürftige erlebe.

Und jedes Mal frage ich mich, wo wir als Menschheit falsch abgebogen sind, dass wir einen LIEBE-vollen Umgang miteinander verlernt haben, der solch eine Veranstaltung unnötig machen würde …

KEIN Wunder, dass wir kollektiv erschöpft sind! Es ist offensichtlich:
Wo Liebe fehlt, steigt der Verschleiß.
Emotional, mental, gesellschaftlich.

Ich nehme mich da nicht aus. Keineswegs bin ich ganztags milde lächelnd unterwegs.

Selbst manche Verkehrssituation würde sich vor Schreck wohl direkt selbst auflösen, würde sie meine Kraftausdrücke hören können.

In meiner Anfangszeit als Coach und Beraterin neigte ich zudem zum sofortigen hochprofessionellen Zücken diverser Tools aus dem Instrumentenkoffer. Anstatt mit meinen Klienten in ihren Krisen einfach präsent zu sein.

Heute steigen mir bei manch harten Geschichten ab und an Tränen in die Augen und ich weine einfach mit. Weil es manchmal nicht um professionelle Distanz, sondern ums pure Mensch-Sein geht.

Und als solche sind wir nun mal perfekt unperfekt und darin einzigartig. Geben täglich – meist – unser Bestes und sind vereint im Wunsch, einfach glücklich zu leben. ZuFRIEDEN.

Wenn wir das in all unserer momentanen Erschöpfung also nicht können, und Hermann Hesse recht hat, bleibt nur eine Schlussfolgerung:

Wir dürfen (wieder) lernen, was es bedeutet und bewirkt, mehr lieben zu können. Uns, andere, das Leben.

Zurück an die Supermarktkasse.

Der Mann vor mir ist dran. Er zahlt in abgezählten Münzen. Doch drei Cent fehlen ihm, nach denen er zunehmend verzweifelt in seiner zerschlissenen Kleidung kramt.

Die Kassiererin sieht sowohl Dilemma als auch steigende Scham ihres Kunden. Dezent greift sie in ihre Schublade, legt drei Cent dazu und sagt ihm mit einem Lächeln leise:
„Ist ok.“

Und plötzlich ist da etwas anderes im Raum.

Kein Glück.
Keine Erleuchtung.
Aber ein Aufatmen.
Ein bisschen mehr Wärme.

Wie Wellen breitet sich das Lächeln auch auf anderen Gesichtern aus und die ganze Warteschlange scheint sich zu erinnern, dass sie menschlich ist.

Diese Welt mag sich gerade schwer anfühlen. Doch die Liebe als unsere mächtigste Fähigkeit und Kraftquelle ist immer noch da.

Ein TU-Wort und eine Herausforderung für das Maß unserer Eigenverantwortung.

Wir können sie außen suchen. Doch ihre wahre Macht erleben wir nur, wenn wir ihr in uns selbst mehr Raum und Entwicklung schenken. Denn sie ist wie das Leben – es wächst immer von innen nach außen.

Und so bedeutet mehr lieben zu können gleichzeitig auch: mehr zu leben.

Es beginnt mit kleinen Schritten.
Manchmal reichen schon 3 Cent dafür.

Was wäre wohl anders, wenn Liebe – in diesem Sinn – unser Leitfaden wäre?

Herzlich
TaBea von LICHTAUF

Tabea Rienas
LICHTAUF go.learn.grow
Coaching & Training | Inspiration & Storytelling

inspiration@lichtauf.com / Linkedin


Häufige Fragen zur Kolumne „Mehr l(i)eben“

Worum geht es in der Kolumne „Mehr l(i)eben“?

Der rote Faden der Kolumne „MEHR L(I)EBEN“ lautet: Wer (mehr) lieben kann, ist und lebt glücklicher. In der Kolumne betrachtet Tabea Rienas die Liebe, deren Facetten und ihre Wirkung aus unterschiedlichen Blickwinkeln und entstaubt das vielerorts noch stark romantisierte Bild von der Liebe. In der Pilotausgabe „MEHR L(I)EBEN – Zu müde, um glücklich zu sein?“ beobachtet die Autorin die zunehmende Erschöpfung in unserer modernen Gesellschaft. Sie zeigt, wie Stress, Dauer-Input und Leistungsdruck unser Leben prägen und warum echte Verbundenheit und Menschlichkeit immer wichtiger werden.


Wer ist die Autorin der Kolumne?

Die Kolumne wird von Tabea Rienas geschrieben. Sie ist Coach, Trainerin, Autorin und Gründerin von LICHTAUF go.learn.grow. Sie begleitet Menschen und Unternehmen unter anderem in den Bereichen Potenzial- und Persönlichkeitsentfaltung, Resilienz- und Mentaltraining, Achtsamkeit und emotionale Stärke.


Für wen ist die Kolumne besonders geeignet?

Die Kolumne richtet sich an Menschen, die mehr Bewusstheit, Tiefe und einen Schlüssel zu mehr echter Lebensfreude suchen. Besonders angesprochen werden Leserinnen und Leser aus Hannover, Niedersachsen und ganz Deutschland, die sich für persönliche Entwicklung, mentale Gesundheit und bewusste Lebensführung interessieren – und was sie selbst für ihr Glücklichsein tun können.


Welche zentrale Botschaft vermittelt der Text?

Die zentrale Botschaft der Pilotausgabe dieser Kolumne lautet: Erschöpfung entsteht nicht nur durch ein ZUVIEL an Anforderungen, sondern oft durch ein ZUWENIG an echter Nähe, Wertschätzung und Liebe im Alltag. Kleine Gesten können dabei große Wirkung entfalten.


Warum spielt die Szene an der Supermarktkasse eine wichtige Rolle?

Die Szene an der Supermarktkasse steht symbolisch für viele Alltagssituationen, in denen Menschen nebeneinander existieren, ohne sich wirklich zu begegnen. Eine unscheinbare, warmherzige Geste zeigt  wie Menschlichkeit und Mitgefühl eine Atmosphäre positiv verändern können.


Welche Rolle spielt Liebe in der Kolumne?

Liebe wird nicht als romantisches Ideal verstanden, sondern als aktive Haltung gegenüber sich selbst und anderen. Sie zeigt sich in unzähligen Facetten wie Aufmerksamkeit, Respekt, Mitgefühl und bewusster Präsenz im täglichen Leben.


Wie verbindet Tabea Rienas persönliche Erfahrungen mit dem Thema?

Die Autorin greift auf ihre Arbeit als Coach, ihr ehrenamtliches Engagement und eigene Lebenserfahrungen zurück. Dadurch entsteht eine authentische Verbindung zwischen gesellschaftlicher Beobachtung und persönlicher Reflexion.


Wo ist Tabea Rienas tätig?

Tabea Rienas arbeitet deutschlandweit als Coach und Trainerin und Autorin. Sie ist auch in Hannover und der Region Niedersachsen aktiv und begleitet dort Einzelpersonen, Teams und Unternehmen.


Welche Themen behandelt die Kolumne noch?

Neben dem Kernthema Liebe geht es um Achtsamkeit, Selbstverantwortung, innere Balance, mentale Gesundheit, zwischenmenschliche Beziehungen und den bewussten Umgang mit Stress, mentale Gesundheit, zwischenmenschliche Beziehungen sowie die Liebe zum Mensch und zum Leben – auch in den kleinen Dingen. 


Warum sind Kolumnen wie „Mehr l(i)eben“ heute besonders relevant?

In einer Zeit von Digitalisierung, Leistungsdruck und gesellschaftlichem Wandel bieten solche Texte Orientierung, Reflexion und emotionale Entlastung. Sie helfen dabei, uns zu erinnern, dass Glück, Verbundenheit und Kraft in der Tiefe nicht durch fortwährende Optimierung entstehen. Sondern durch Haltung, Wärme und bewussten Umgang mit sich selbst und anderen. So wird Liebe in den Alltag zurückgeholt – dorthin, wo sie gerade jetzt am dringendsten gebraucht wird, um das Leben bewusster und menschlicher zu gestalten.


CityGlow-Tipp

👉 Passend zum Thema Mindset, Achtsamkeit und innere Stärke empfehlen wir den Artikel Mind & Motivation von Céline Fischer auf CityGlow.de:
https://cityglow.de/mind-motivation-by-celine-fischer/

Entdecke dort weitere Impulse für mentale Balance, Motivation und persönliche Resilienz.

Tabea Rienas ist Coach, Trainerin und Gründerin von LICHTAUF go.learn.grow. Mit Feingefühl, Klarheit und persönlicher Tiefe begleitet sie Menschen auf ihrem Weg zu mehr Selbstbewusstsein, innerer Stärke und bewusster Lebensführung. In ihren Kolumnen verbindet sie gesellschaftliche Beobachtungen mit persönlichen Erfahrungen und lädt dazu ein, Menschlichkeit, Achtsamkeit und Verantwortung im Alltag neu zu entdecken – und damit die leise Macht, die in der Liebe liegt.

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