Jetzt online lesen: Ausgabe 04.2025

Volkan Baydar im neuen NICA Club: Get on up!
Zeigten sich in Bestform (v.l.): Patrick Pagels, Gitarre, Volkan Baydar, Gesang, (dahinter, nicht zu sehen) Heinz Lichius, Drums, Tadeusz Jakubowski, Saxofon und Felix Behrendt, Bass © Cetin Yaman
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Volkan Baydar im neuen NICA Club: Get on up!

von CityGlow

ORANGE BLUE-Sänger in perfekter Balance zwischen Soul, Funk und Jazz

Da hat sich aber jemand wirklich etwas vorgenommen: der im November vergangenen Jahres neu eröffnete NICA Jazz Club will durchschnittlich in der Woche bis zu fünf Konzerte anbieten – und das in Zeiten, in denen eher das Aussterben von Clubs die Schlagzeilen dominieren… Aber: man muss sagen, bisher klappt das Ganze sehr gut, das Konzept der Künstlerische Leiterin Fee Schlennstedt scheint aufzugehen, die bisherigen Konzerte waren alle überdurchschnittlich gut besucht. Stolze 300 Sitzplätze sind auf der 400 Quadratmeter großen Fläche am Alten Wall in der Hamburger City angebracht, dennoch geht die intime Atmosphäre nicht verloren.

Ihr Urteil war einstimmig: das Konzert von Volkan Baydar & Co. war top! Beniaton Weiss, Lisa Tilicke und Susanne Bollmann feierten den sympathischen Sänger nach dem Auftritt © Cetin Yaman

1A-Besetzung: Hamburger Jazz-Größen auf der Bühne

Ausverkauft war auch der Auftritt von Volkan Baydar mit einigen ausgesuchten hochklassigen Hamburger Jazz-Musikern. Der Sänger des Pop-Duos Orange Blue mit dem Millionen-Hit „She’s Got That Light“ komponiert und textet zwar selbst viel, aber an dem Abend ging es an Cover-Versionen berühmter Hits. Die Aufführung eines Pop-/Soul-Sängers in einem Jazz-Club wurde durch die Besetzung mit Patrick Pagels, Gitarre, Heinz Lichius, Drums, Tadeusz Jakubowski, Saxofon und Felix Behrendt, Bass, voll und ganz gerechtfertigt.

„Billie Jean is not my son…“ – Zurück in die glorreichen 80er

Die erste Überraschung des Abends kommt auch schon mit dem ersten Song. Als Baydar einen Titel ankündigt, den er vor 15 Jahren für Orange Blue geschrieben hat, denken alle an seinen anfangs erwähnten Gassenhauer. Doch stattdessen intoniert er nach einem Instrumental der Band seine Kopmposition „What a beautiful day“ – auch sehr schön! Es folgt ein Gruß aus den Sixties mit der von Ringo Starr geschriebenen – und gesungenen – Beatles-Nummer „With a little help from my friends“, Volkan orientiert sich da aber deutlich eher an der sehr souligen Cover-Version von Joe Cocker und demonstriert sein ebenfalls sehr kraftvolles Stimmorgan. Bei „ Billie Jean“ von Michael Jackson darf Tadeusz Jakubowski das erste Mal sein erstklassiges Talent am Saxophon präsentieren.

Eine exzellente Wahl: Patrick Pagels an der Gitarre © Cetin Yaman

Zur Auflockerung: lustige Anekdoten aus dem Leben von Volkan

Nettes Geplauder zwischendurch ist bei Volkan immer inklusive, so erzählt er von einer lustig-interessanten Geschichte als ihm einmal während seiner Jahre in Los Angeles Stevie Wonder auf seinen Anrufbeantworter sprach. Die erhoffte Zusammenarbeit im Studio kam nie zustande, inspirierte den Hamburger Jung aber immerhin zu einem Song: „You leave“. Wenig später folgt mit „Overjoyed“ auch ein Stevie Wonder-Hit aus den späten 80er Jahren; begleitet nur von Gitarrist Paul Pagel, da ist schon mächtig viel Soul in der Stimme und wenn man die Augen zumacht, kann man tatsächlich meinen, den großen Stevie singen zu hören – oder zumindest seine Nachricht auf dem Anrufbeantworter von Volkan… Klassiker aus den verschiedensten Bereichen kommen als nächstes dran: Pop („I still haven’t found what I’m looking for“, U2), Musical-Klassiker („Somewhere over the rainbow“) und dann auch endlich – unvermeidlich und worauf viele selbstredend gewartet haben – sein Orange Blue-Megahit „She’s got that light“, allerdings, so wie es sich in einem Jazz Club gehört, in einer Blue Note-Version.

Funky Party geht los

Während die meisten im Saal noch ganz beseelt in der Stimmung der Ballade verweilen, zünden Volkan und seine Jungs auf der Bühne die nächste Stufe, es wird funky! Es geht zwar mit einer eher etwas cooleren Version von Prince’s „Kiss“ los, – man beachte: Volkan kann auch Kopfstimme! – Kontrabassist Felix Behrendt leitet dann aber die etwas heftigere Phase des Abends ein. Da merken alle, dass in dem gefühlvoll singendem Volkan Baydar ebenso ein ziemliches Funk-Tier steckt. „Get on up!“ heißt der gesungene Befehl in „Sex Machine“ von James Brown und die Band weiß das gekonnt hot umzusetzen. Drummer Heinz Lichius darf sich da auch mal in einem Solo austoben, dafür gibt es viel Applaus. Getoppt wird es direkt danach von dem Disco-Funk-Klassiker „Play that funky music, white boy“. Hier wird spätestens jeddem Besucher klar, warum Volkan ein knallig-orangefarbenes Hemd an dem Abend an hat. Es ist nicht, beziehungsweise nicht nur, die Assoziation zu seiner Band Orange Blue und auch ganz bestimmt keine Sympathiekundgebung an Donald Trump, sondern die Reminiszenz an die bevorzugte Farbe von Funk-Superstars der 70er Jahre. Bootsie Collins und Consorten liebten Hemden in tiefem Orange, so auch Volkan an dem Abend.

Zum Finale wird’s ruhiger

Bevor der neu eröffnete Club am Schluss des Abends durch zu explosive Sounds noch abgefackelt wird, geht es ein paar Stufen in den Temperaturen runter. Zur Abkühlung ist da bestens „Summertime“ von George Gershwin geeignet, geschickt geht es dann

nahtlos über in „Ain’t no sunshine“ von Bill Withers. Bemerkenswert: die Anzahl der spielenden Instrumente auf der Bühne wird erhöht, ohne dass jemand hinzukommt. Funktionieren tut das durch die beeindruckende Mund-Wah-Wah-Gitarre von Volkan. Als er dann noch die Hände hinzunimmt, kommen verblüffend Trompeten-ähnliche Klänge von der Bühne, ohne dass weder eine Trompete noch ein Trompeter anwesend wären. Famos!

Hier gibt es mehr Infos über den Club: www.nica-jazzclub.de

  • Die Stimme von Orange Blue-Sänger Volkan Baydar faszinierte alle, natürlich hatte er auch seinen Hit „She's got that light“ im Gepäck © Cetin Yaman
  • Fee Schlennstedt, Geschäftsführende Gesellschafterin und Künstlerische Leiterin des NICA Jazz Clubs hat – nach den ersten erfolgreichen Monaten zu beurteilen – in Hamburg eine Marktlücke für Musikfans besetzt © Cetin Yaman
  • Sie verstehen ihr Handwerk: routinierte Jazz-Musiker aus Hamburg mit Sänger Volkan Baydar © Cetin Yaman
  • Managerin Fee kündigte auch schon die nächsten Konzerte im NICA Jazz Club an © Cetin Yaman

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