Ein Mann mit Mission: Es lebe die deutsch-tadschikische Freundschaft!
Honorarkonsul Kourosh Pourkian beim INTERVIEW LUNCH im Restaurant Teheran
CITY GLOW-Reporter Cetin Yaman traf sich zum INTERVIEW LUNCH mal wieder mit einem Vertreter des Konsularischen Korps Hamburg. Mit Honorarkonsul Kourosh Pourkian ging es ins Restaurant Teheran (Hamburg-City, Adenauerallee 70), wo es angeregt um Tadschikistan, das zentralasiatische Land, das Pourkian vertritt, und dessen Beziehung zur Hansestadt Hamburg ging. Dabei wurde gleich klar, dass in des Honorarkonsuls Brust zwei Herzen schlagen: eines für Tadschikistan und eines – mindestens genauso stark – für Hamburg. Leidenschaftlich und mit viel Engagement hielt er ein Plädoyer für eine Vertiefung der Freundschaft zwischen diesen beiden – voneinander ziemlich weit entfernten – Orten. Bei delikatem Essen, das auch den vegetarischen Gaumen des Berichterstatters bestens geeignet war, wurde ein sehr interessantes und langes Gespräch geführt. Dies wollten wir unseren Lesern in der vollen Länge nicht vorenthalten und haben es deswegen in zwei Teile aufgeteilt. Im vorliegenden ersten Teil geht es hauptsächlich um die Aufgaben eines Honorarkonsuls von Tadschikistan in Hamburg und um das Thema Kulinarik. Der zweite Teil, der wenig später erscheinen wird, befasst sich dann mit Wirtschaft, Politik und Tourismus.

CG: Fangen wir doch gleich mal mit Ihrer persönlichen Historie in Hamburg an, Herr Kourosh Pourkian, Honorarkonsul von Tadschikistan in Hamburg. Sie leben ja schon sehr lange in der Hansestadt, aber vielleicht können Sie sich ja für uns an Ihre Anfangszeit in dieser Stadt erinnern. Wie waren denn ganz zu Beginn Ihre allgemeinen Eindrücke von Hamburg so gewesen, als Sie das erste Mal hierherkamen? Wie haben Sie das empfunden, wurden Ihre Vorstellungen von Deutschland bestätigt oder war das ganz anders als Sie es erwartet hatten?
KP: Ursprünglich sollte Hamburg für mich nur eine kurze Zwischenstation sein. Nach meinem Zivildienst wollte ich einige Monate bei meiner Familie hier verbringen, um dann gemeinsam weiter nach Kanada zu reisen. Doch das Leben hatte andere Pläne für mich. Schon nach kurzer Zeit wurde aus der Durchreise eine Liebe auf den ersten Blick: Ich habe mich in diese wunderschöne Stadt, diese Perle der Welt, verliebt. Hamburg zog mich sofort in seinen Bann – mit seiner einzigartigen Mischung aus Kultur, Natur und Internationalität. Die vielen grünen Parks, die Alster, auf der ich meine Segel- und Motorbootscheine machte, und die vielfältige Gastronomie, die kulinarische Abenteuer aus aller Welt bietet, faszinierten mich. Mit intensiven Deutschkursen bereitete ich mich auf mein Studium vor, und plötzlich war der Weg klar: Hamburg war nicht nur ein Ort auf der Landkarte, sondern der Ort, an dem ich meine Zukunft aufbauen wollte. Heute bin ich glücklich und stolz, dass Hamburg zu meiner Heimat geworden ist.
CG: Das norddeutsche Klima ist ja etwas gewöhnungsbedürftig – vor allem in den Sommern beklagen dies einige – und Sie kommen aus eindeutig wärmeren Gefilden. War das anfangs ein größeres Problem für Sie?
KP: Tatsächlich hatte ich von Anfang an kein Problem mit dem Hamburger Wetter. Im Gegenteil – ich habe schnell die Schönheit der norddeutschen Jahreszeiten schätzen gelernt. Besonders die Übergangszeiten haben es mir angetan: Der Frühling, wenn die Natur langsam aus dem Winterschlaf erwacht, die ersten Knospen sprießen und die Stadt in einem frischen Grün erstrahlt. Und dann der Herbst, wenn das Laub in leuchtenden Farben erglüht und die Alster in ein warmes, goldenes Licht getaucht wird. Diese Momente haben etwas Beruhigendes, fast Magisches an sich, das ich sehr genieße.
Majestätische Bäume und weitläufige Wiesen – genau richtig für Honorarkonsul Pourkian

CG: Kommen wir aber nun zu der Stadt an sich, zunächst mal aus der Perspektive des städtelandschaftlichen Aspekts. Welche Plätze in Hamburg gefallen Ihnen besonders gut?
KP: Hamburg hat so viele wunderbare Orte, die mich immer wieder aufs Neue faszinieren. Die Alster gehört definitiv dazu – an einem sonnigen Tag fühlt es sich dort fast wie im Urlaub an. Ob beim Segeln, Spazieren oder einfach auf einer der vielen Bänke sitzend, der Blick über das Wasser vermittelt ein Gefühl von Ruhe und Weite, das ich sehr schätze. Ein weiterer Lieblingsort ist das Planetarium im Hamburger Stadtpark. Die Kombination aus den beeindruckenden Shows im Planetarium und der grünen, fast verwunschenen Umgebung des Parks ist einfach magisch. Die majestätischen Bäume und die weitläufigen Wiesen laden dazu ein, durchzuatmen und abzuschalten. Ein ganz besonderer Ort für mich ist der Garten von Loki Schmidt. Die Vielfalt an Pflanzen, insbesondere die internationalen Gewächse, die dort zu finden sind, zeigen, wie vielfältig und weltoffen Hamburg ist. In diesem Kontext träume ich manchmal davon, dass eines Tages auch ein kleiner, orientalisch gestalteter Park im tadschikischen Stil Teil dieser grünen Oasen Hamburgs wird. Schließlich ist Hamburg eine Stadt, die ihre Internationalität lebt und in vielen Facetten zeigt. Ein tadschikischer Garten könnte ein weiteres Symbol dafür sein und diese Weltoffenheit auf eine bezaubernde Art und Weise unterstreichen.

CG: Widmen wir uns nun den unterschiedlichen Orten wie Veranstaltungsstätten für kulturelle Events und ähnlichen Institutionen zu. Wo gehen Sie in Hamburg besonders gern hin, wenn Sie ein schönes kulturelles Erlebnis haben möchten?
KP: Wenn es um kulturelle Erlebnisse geht, ist Hamburg ein wahrer Schatz. Besonders die Elbphilharmonie fasziniert mich immer wieder. Schon das Gebäude selbst ist ein architektonisches Meisterwerk, aber das eigentliche Erlebnis beginnt, sobald man die Konzertsäle betritt. Dort zusammenzukommen und Künstler aus aller Welt zu erleben – sei es klassische Musik, Jazz oder moderne Aufführungen – entführt einen in eine ganz eigene Welt und bringt die Kulturen der Welt nach Hamburg. Ein persönliches Ziel von mir ist es, Orchester aus Tadschikistan auf dieser beeindruckenden Bühne auftreten zu lassen.


CG: Das hört sich nach einem spannenden Ziel an. Was finden Sie noch toll an Hamburgs Kulturangeboten?
KP: Hamburg ist insgesamt ein kulturelles Juwel, und die Museen dieser Stadt – von den Deichtorhallen bis zum Museum für Kunst und Gewerbe – bieten uns die Möglichkeit, die Vielfalt der Welt zu erleben. Ein weiterer besonderer Herzenswunsch von mir ist es, eine Ausstellung tadschikischer Kulturschätze hier in Hamburg zu realisieren, die bereits im Pariser Guimet-Museum unter dem Titel ‘Tadschikistan – das Land der goldenen Flüsse’ großen Erfolg hatte. Diese Ausstellung, die über 210 Exponate umfasst und die Dreitausendjährige Geschichte und das kulturelle Erbe Tadschikistans widerspiegelt, könnte einen einzigartigen Beitrag zum kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Tadschikistan leisten. Die Exponate sind sorgfältig verpackt und bereit für den Transport nach Hamburg. Alles, was nun noch fehlt, ist ein geeignetes Museum, das bereit ist, diese einmalige Sammlung zu präsentieren und die kulturellen Bande zwischen unseren beiden Ländern zu stärken. Daher möchte ich Museen in Hamburg herzlich dazu einladen, auf mich zuzukommen, um gemeinsam dieses faszinierende Projekt zu verwirklichen und Tadschikistans Kultur für die Hamburger Bevölkerung erlebbar zu machen. Dies wäre eine wunderbare Gelegenheit, auch die von Bundeskanzler a.D. Scholz betonte Bedeutung der Partnerschaft mit Zentralasien auf kultureller Ebene zu vertiefen.


Anders, aber doch irgendwie gleich: Tadschikistan und Hamburg
CG: Nun bleiben wir doch gleich mal bei dem Land, über das Sie nun schon einiges erzählt haben: Sie sind Honorarkonsul des zentralasiatischen Staats Tadschikistan. Was würden Sie so allgemein sagen: welche sind die größten Unterschiede, die Sie in der Kultur zwischen Tadschikistan und Deutschland sehen?
KP: Tadschikistan und Deutschland sind zwei Länder mit faszinierenden Kulturen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten, aber bei genauerem Hinsehen bemerkenswerte Gemeinsamkeiten bieten, die kulturelle Brücken schlagen können. In Tadschikistan ist der Stolz auf das über mehrere Tausend Jahre alte kulturelle Erbe allgegenwärtig und wird intensiv gepflegt. Dieses Erbe, das weit zurückreicht, schenkt den Menschen Identität, Wurzeln und Halt. Besonders beeindruckend sind die Initiativen des tadschikischen Präsidenten Emomali Rahmon, der die Bedeutung der Kultur immer wieder hervorhebt – beispielsweise durch die Wiederbelebung des Mehrgon-Festes zur Herbst-Tag-und-Nachtgleiche, einer Feier der Ernte und Freundschaft. Dieses Fest konnten wir in diesem Jahr auch in Hamburg feiern, gemeinsam mit dem tadschikischen Botschafter S.E. Dr. Imomudin Sattorov, auf Initiative des Hauses der Kulturen der Welt. Solche Ereignisse zeigen, wie lebendig und präsent die tadschikische Kultur im Alltag ist und wie sehr sie die Menschen verbindet. In Deutschland begegnet man Kultur in vielerlei Formen: von klassischer Musik bis hin zu moderner Kunst – sie wird gelebt, geschätzt und macht einen großen Teil des gesellschaftlichen Lebens aus. Doch wo Kultur in Deutschland oft individuelle Interessen und Perspektiven fördert, erfüllt sie in Tadschikistan eine tief verwurzelte soziale Funktion: Sie stiftet ein Gemeinschaftsgefühl, das aus dem Stolz auf gemeinsame Geschichte und Traditionen wächst.


CG: Was für Möglichkeiten einer Annäherung zwischen beiden Ländern sehen Sie in Ihrer Rolle als Honorarkonsul?
KP: Die Idee, kulturelle Verbindungen zwischen Tadschikistan und Deutschland zu schaffen, ist äußerst reizvoll. Deutschland mit seiner weltoffenen Kultur und Tadschikistan mit seinem reichen Erbe ergänzen sich wunderbar. Dies bietet eine starke Basis, um kulturelle Brücken zu bauen und damit auch wirtschaftliche und touristische Kooperationen zu fördern. Solche kulturellen Begegnungen – sei es durch gemeinsame Feierlichkeiten, Kunstausstellungen oder Konzerte – könnten sowohl das Bewusstsein für die Vielfalt Tadschikistans in Deutschland stärken als auch einen Austausch ermöglichen, von dem beide Länder profitieren.
CG: Tadschikistan und Iran stehen sich sehr nahe, in ihren Kulturen gibt es viele Überschneidungen. Da haben Sie als gebürtiger Iraner es deswegen sicherlich leicht, Tadschikistan zu vertreten, da es Ihnen alles andere als fremd ist. Wo und wie viele kulturelle Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Tadschikistan und dem Iran?
KP: Tadschikistan und Iran teilen tatsächlich eine tiefe kulturelle Verbundenheit, die auf eine gemeinsame Geschichte und Sprache zurückgeht und in unzähligen Traditionen sichtbar wird. Diese Verbindungen machen es mir als Deutscher mit iranischen Wurzeln tatsächlich sehr vertraut und zugleich besonders erfüllend, Tadschikistan zu vertreten – es ist, als würde ich zwei Schwestern sehen, die aus demselben kulturellen Stoff gewoben sind, aber jeweils ihre eigenen Nuancen mitbringen. Die Sprache, das Tadschikische, gehört zur Familie der Farsi-Sprachen und unterscheidet sich vom in Iran gesprochenen Farsi nur geringfügig, fast wie ein Dialekt. Diese sprachliche Verwandtschaft schafft eine natürliche Brücke zwischen beiden Ländern und zeigt sich in ähnlichen Ausdrücken, Redewendungen und literarischen Werken, die in beiden Kulturen tief verankert sind.
CG: Und dann gibt es ja auch noch das weltweit bekannte Nowruz-Fest…
KP: Genau, dies ist ein besonderes gemeinsames Fest, das diese Verbindung auf lebendige Weise feiert, es ist ein Frühlings- und Neujahrsfest, das sowohl im Iran als auch in Tadschikistan eine zentrale Rolle spielt. Nowruz wird seit Tausenden von Jahren gefeiert und symbolisiert nicht nur den Neuanfang, sondern auch die Beständigkeit und den Zusammenhalt beider Nationen. Ein schönes Beispiel dafür, wie groß der Einfluss dieses Festes auch über die Landesgrenzen hinaus ist, zeigt sich hier in Hamburg, wo rund 250.000 Menschen aus aller Welt jährlich gemeinsam Nowruz feiern. Hamburg beherbergt damit die größte Nowruz-Gemeinde in der Europäischen Union, was das Fest zu einem echten Brückenbau zwischen den Kulturen macht.
Das Leben als Konsul in Hamburg
CG: Ihr Verantwortungsbereich ist Hamburg und Schleswig-Holstein, wie viele Tadschiken leben in diesen beiden Bundesländern?
KP: In Hamburg und Schleswig-Holstein lebt eine kleine, aber sehr engagierte Gemeinschaft von Tadschiken, die aus etwa 160 Menschen pro Bundesland besteht (Stand 28.02.2023, Ausländerzentralregister, Deutscher Bundestag, 20. Wahlperiode). Obwohl diese Zahl auf den ersten Blick bescheiden wirken mag, spiegelt die Gemeinschaft eine beeindruckende Vielfalt wider. In Hamburg etwa sind viele Tadschiken in Bereichen wie Bildung, Wissenschaft, Kunst und Kultur aktiv – sie bringen mit ihren individuellen Hintergründen und beruflichen Werdegängen eine interessante Dynamik in die Stadt. Einige studieren an den Hochschulen oder sind in sozialen und kulturellen Projekten engagiert, bei denen sie den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Tadschikistan fördern. Andere wiederum sind Unternehmer und tragen zur wirtschaftlichen Vielfalt bei.

CG: Wie sieht es im nördlichen Nachbarbundesland von Hamburg aus?
KP: In Schleswig-Holstein wiederum sind Tadschiken stark in handwerklichen und technischen Berufen vertreten, und einige von ihnen arbeiten in der Landwirtschaft und im Umweltschutz – Felder, die eine starke Verbindung zur Natur haben und in Tadschikistan ebenfalls eine besondere Rolle spielen. Hier zeigt sich, dass die Gemeinschaft nicht nur eine Brücke zwischen Kulturen schlägt, sondern auch dazu beiträgt, das berufliche und kulturelle Leben in beiden Bundesländern zu bereichern.
CG: Dass Sie Ihre Arbeit als Honorarkonsul mit viel Leidenschaft und Engagement betreiben, wurde auch schon von der Öffentlichkeit erkannt.
KP: Das freut mich natürlich sehr, ich bin stolz darauf, dass ich 2017 vom Diplomatischen Magazin als ‘Konsul des Jahres’ ausgezeichnet wurde. Diese Auszeichnung war eine wunderbare Anerkennung meiner Arbeit und Ansporn zugleich, weiterhin mit Begeisterung und Engagement die Brücke zwischen Tadschikistan und Deutschland zu stärken.
CG: Das Honorarkonsulat von Tadschikistan ist an einem wirklich sehr schönen Standort, direkt an der Alster, platziert. Sagt das etwas über die Bedeutung von Hamburg für Tadschikistan aus?
KP: Die Lage des tadschikischen Honorarkonsulats im Herzen von Hamburg, direkt an der Alster, ist tatsächlich symbolträchtig. Tadschikistan liegt im Herzen Zentralasiens, und hier im Herzen Hamburgs möchten wir den Menschen Tadschikistan ein Stück näherbringen. Dank der schönen Lage an der Alster werden nicht nur Einheimische, sondern auch viele Touristen auf unser Konsulat aufmerksam. Wir planen, die Präsenz Tadschikistans in Hamburg noch weiter auszubauen: Ein tadschikischer Garten mit einem traditionellen Tee-Pavillon oder ein Buddy Bär aus Tadschikistan könnten das Bild abrunden und einen unverwechselbaren Fingerabdruck unseres Landes hier hinterlassen.

CG: Manche Konsulate in Hamburg sind sehr aktiv und haben fast jeden Monat eine Veranstaltung in Ihren Räumen. Wie halten Sie es damit?
KP: Unsere Veranstaltungen in honorarkonsularischer Vertretung sind für uns wertvolle Gelegenheiten, die reiche Kultur und Traditionen Tadschikistans den Menschen in Hamburg näherzubringen – und zugleich immer wieder Brücken zwischen beiden Ländern zu schlagen. Ein Höhepunkt ist für uns die jährliche Teilnahme an der Langen Nacht der Konsulate, für die wir der Senatskanzlei sehr dankbar sind. Sie gibt auch kleineren Ländern wie Tadschikistan eine Bühne und öffnet unsere Türen einem breiten Publikum. Hier können die Besucher die faszinierende Geschichte und die lebendige Gegenwart Tadschikistans hautnah erleben. Besonders wichtig sind für uns auch die erwähnten Nowruz-Feierlichkeiten, des Weiteren Konzerte, Modenschauen und weitere Events mit vielen Informationen zum aufstrebenden Land. Ebenso bedeutend sind Empfänge zu besonderen Anlässen, wie dem Jubiläum der Einheit Tadschikistans, dem Unabhängigkeitstag oder Mehregan – Feste, die uns die Möglichkeit geben, die einzigartigen Traditionen und die herzliche Gastfreundschaft Tadschikistans zu zeigen.
CG: Welche Pläne haben Sie dahingehend für die Zukunft?
KP: Wir planen, diesen kulturellen Austausch weiter zu vertiefen: Eine Ausstellung, die die kulturelle Vielfalt und den einzigartigen Zusammenhalt des tadschikischen Volkes zeigt, soll bald die Menschen in Hamburg begeistern. Zudem möchten wir die Themen Wasserwirtschaft und Energie ins Gespräch bringen – Bereiche, in denen Tadschikistan mit innovativen Ansätzen eine Vorreiterrolle spielt und für die es in unserer Zeit globale Aufmerksamkeit verdient.

Essen aus Tadschikistan – lecker und noch zu entdecken
CG: Kommen wir zu guter Letzt zur Kulinarik. Das Essen in Tadschikistan ist zentralasiatisch geprägt, in Deutschland ist es noch nicht so wahnsinnig bekannt. Was muss man denn als Norddeutscher so grundsätzlich über die tadschikische Küche wissen? Ist es zum Beispiel eine Küche, die viel mit scharfen Gewürzen hantiert?
KP: Die tadschikische Küche ist eine Einladung zum Genießen und Entdecken. Sie verbindet die Aromen der Seidenstraße mit einer ganz eigenen, herzlichen Gastfreundschaft. Traditionell beginnt das Mahl mit einer Süßspeise und einem dampfenden Tee, ein sanfter Einstieg in die Vielfalt der Geschmackserlebnisse. Darauf folgt meist eine kräftige Suppe, die den Gaumen auf das Hauptgericht vorbereitet: Zartes Schaf- oder Hammelfleisch, oft über offenem Feuer gegart, sodass der Duft von Gewürzen die Luft erfüllt. Besonders spannend für Weinkenner: Tadschikistan, ähnlich wie Italien und die Türkei, liegt in einem der besten Breitengrade für Weinbau. Die Weinberge erstrecken sich über 38.000 Hektar, und die Ernte bringt jährlich Tonnen von saftigen Trauben hervor. Die Weine hier – fruchtig, würzig, und überraschend vielfältig – sind eine echte Entdeckung, die perfekt zu den deftigen Gerichten passt. Schon im 20. Jahrhundert erkannte der Hamburger Forscher Willy Rickmers das Potenzial der Region und begann, in der Nähe Samarkands Wein herzustellen.
CG: Welches ist ihr persönliches tadschikisches Lieblingsgericht?
KP: Mein persönlicher Favorit in der tadschikischen Küche ist zweifellos Plov – das Herzstück des Landes, ein Gericht, das einfach nach Heimat schmeckt. Traditionell wird es aus duftendem Reis, zartem Hammelfleisch und geraspelten gelben Steckrüben zubereitet, die zusammen in einem großen Wok unter freiem Himmel gebraten werden. Der Prozess ist fast so beeindruckend wie das Essen selbst: Die Aromen mischen sich langsam, während das Fleisch butterweich wird und der Reis die Gewürze aufsaugt – ein köstliches Zusammenspiel von Geschmack und Textur. Plov ist Gemeinschaft, Tradition und ein warmes Willkommen, welches man auf jedem Teller spürt. Ich kann es jedem nur empfehlen, einmal das Original in Tadschikistan zu probieren, denn der Geschmack bleibt einem unvergesslich in Erinnerung.
CG: Gibt es bei Ihnen zuhause in Hamburg auch gelegentlich tadschikisches Essen oder immer nur bei Restaurant-Besuchen?
KP: Meine Familie und ich lieben die tadschikische Küche – die Aromen, die uns direkt ins Herz Tadschikistans versetzen. Zuhause wagen wir uns gelegentlich an ein paar Klassiker, aber nichts kommt an das Erlebnis heran, die Gerichte in ihrer ursprünglichen Umgebung zu genießen. Für den echten, unverfälschten Geschmack fahren wir daher gerne mal nach Berlin oder – noch besser – direkt nach Tadschikistan. Dort schmeckt es einfach anders: Der Duft frischer Kräuter, das knisternde Feuer unter dem großen Wok, das zarte Fleisch und die Gastfreundschaft der Menschen – das alles macht die tadschikische Küche zu einem unvergesslichen Erlebnis.
CG: Wie ist Ihre Meinung zu dem Essen, das heute hier im Restaurant Teheran zum INTERVIEW LUNCH serviert wurde?
KP: Seit der Eröffnung des Restaurants Teheran im Jahr 1996 ist es für mich wie ein kleines Stück Heimat mitten in Hamburg. Hierher bringe ich gerne meine Gäste aus Tadschikistan, die sich sofort an die Aromen und Düfte unserer Küche erinnert fühlen. Besonders die Kabab-Gerichte sind ein Genuss – sie tragen den Geschmack meiner Kindheit, der Erinnerungen an die liebevollen Kochkünste meiner Großmutter und Mutter wachruft.
CG: Diesen Eindruck kann ich nur bestätigen. Auch für mich als Vegetarier wurde ein sehr leckeres Menü aufgetischt. Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und Glück in Ihrem Vorhaben, das faszinierende zentralasiatische Land Tadschikistan in Deutschland noch bekannter zu machen.
Anmerkung: dies ist der erste Teil des Interviews mit Honorarkonsul Kourosh Pourkian. Im zweiten Teil – das bald folgen wird – geht es dann um Politik, Wirtschaft und Tourismus von Tadschikistan.
Das ist Kourosh Pourkian
Geboren 1952 als Sohn des iranischen Notars und Schriftstellers Human Pourkian, kam Kourosh Pourkian 1974 nach Deutschland und absolvierte sein Betriebswirtschaftsstudium mit Schwerpunkten Wirtschaftsinformatik, Industrie und Unternehmensforschung in Hamburg. Er ist CEO der Pourkian Group sowie Strategie-Manager und Vorsitzender des Gesellschafterbeirats der BAADER Group mit Hauptsitz in Lübeck. Im September 2013 wurde Kourosh Pourkian zum Honorarkonsul der Republik Tadschikistan für die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein ernannt, das einzige Honorarkonsulat Tadschikistans in Europa. Honorarkonsul Kourosh Pourkian ist verheiratet mit Honorarkonsulin Petra Baader und Vater dreier Kinder.
Neben seiner beruflichen Rolle ist Pourkian ein tief verwurzelter Hamburger Bürger, der sich seit Jahrzehnten sozial und kulturell engagiert. Er unterstützt Initiativen wie Bürger helfen Bürgern und die Kulturbrücke Hamburg, um das gesellschaftliche Miteinander in seiner Stadt zu fördern. Wirtschaftliche Impulse gibt er als Gründungsmitglied des Wirtschaftsforum Hamburg und Ehrenpräsident des Bund der Selbständigen, wobei ihm die Förderung des Wirtschaftsstandorts Hamburg besonders am Herzen liegt.
Mit seinen persischen Wurzeln sieht Pourkian es als Lebensaufgabe, Kulturen einander näherzubringen. 2010 gründete er die Hafis-Gesellschaft, heute bekannt als NOWRUZ-Forum, einen Verein für den interkulturellen Dialog zwischen Orient und Okzident.
Text von Cetin Yaman
BU Titelbild: Ein interessantes Gespräch erfordert ein mindestens ebenso interessantes Essen. Beim Interview Lunch im Restaurant Teheran war dies für Honorarkonsul Kourosh Pourkian und CITY GLOW-Reporter Cetin Yaman ganz klar der Fall © Cetin Yaman/YPA








