Trotz teils eigenwilligem Ruf gewinnt Linden langsam immer mehr Menschen für sich

Bunt, Bunter, Linden

Michael Panusch

15. Februar 2023

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Wenn man sich einmal die Aufteilung von Hannover anschaut, fällt etwas sofort ins Auge: Es gibt die Nordstadt, es gibt die Südstadt, es gibt die Oststadt. Nur eine Weststadt gibt es nicht. An der Stelle, wo sie sein müsste, liegt der wohl bunteste Stadtteil Hannovers: Linden. Linden teilt sich noch einmal in Linden-Nord, Linden-Süd, Linden-Mitte und Linden-Limmer auf. Unter Hannoveranern werden diese Stadtteile aber stets zusammengefasst. Vor allem auch wegen der Nähe zur Universität und der Hochschule Hannover ist der Stadtteil der zweiteinwohnerreichste. Mit etwa 43.000 Einwohnern wird Linden nur noch von der List mit etwa 47.000 Einwohnern übertrumpft. Doch was macht Linden so besonders?

Verschiedene Kulturen bringen Abwechslung

Ganz einfach: Linden wird vor allem durch die Menschen so besonders. Ab 1885 war der Stadtteil noch eine eigene Stadt und zählte als Industrievorort von Hannover. Seit 1920 ist die Multikulti-Hochburg fester Bestandteil der Landeshauptstadt. Schon damals lebten viele Menschen mit Migrationshintergrund hier. Das änderte sich bis heute nicht. Die verschiedenen Kulturen kommen an jeder Ecke zur Geltung. Die spanische Gemeinde in Linden-Süd bildet das Spiegelbild zur türkischen Gruppe in Linden-Nord. Allerdings wohnen in Linden viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern. Der Stadtteil ist ein Paradebeispiel für Integration. Egal, wo du herkommst oder warum du in Deutschland bist, in Linden bist du willkommen und wirst mit offenen Armen empfangen. In Linden kann jeder Mensch sein, wie er will.

Schöne Abende in Linden

Außerdem ist der Stadtteil auch für sein Nachtleben und schöne Abende bekannt. An der Ihme kann man malerische Sommernächte erleben. Die Limmerstraße gehört bei der jüngeren Generation wohl zur bekanntesten Meile in ganz Hannover. Sie ist für ihre vielen Kioske bekannt. Auf ihr treffen sich unzählige Studenten zum „Kioskhopping“. Das Kulturzentrum Faust bietet die Möglichkeit, feiern zu gehen. Auch bei Veranstaltungen zählt in Linden die Vielfalt. Man kann ins Theater gehen oder Livemusik genießen. Sogar ein eigenes Kino befindet sich noch auf der Limmerstraße. Das Capitol am Schwarzen Bären zählt zu den beliebtesten Veranstaltungsorten für die unterschiedlichsten Künstlern und Bands. Alleine dieses Jahr sind Größen wie MoTrip, Shootingstar Nina Chuba oder auch internationale Künstler wie Lukas Graham dort zu hören. In früheren Zeiten waren übrigens auch ein gewisser Robbie Williams oder die Backstreet Boys dort zu Gast. Der Jazzclub Hannover in Linden ist ebenfalls international bekannt. Michael Gehrke war bis zu seinem Tod Vorsitzender des Jazzclubs. 1978 wurde er Ehrenbürger von New Orleans. Die Stadt gilt als Geburtsstadt des Jazz. Auch der Club erhielt daraufhin eine Ehrenbürgerschaft. Linden ist so sogar international teilweise bekannt. Viele kleine Cafés geben Linden ein eigenes Flair.

Was man in Linden gesehen haben sollte

In Linden befinden sich außerdem etliche Sehenswürdigkeit. An erster Stelle ist da das geheime Wahrzeichen des Viertels zu nennen: Die drei warmen Brüder. Sie gehören zum Heizkraftwerk Linden, welches von enercity betrieben wird. Abends werden sie beleuchtet. Ein Bild, was jeder Hannoveraner einmal gesehen haben muss. Das Fährmannsfest Hannover ist ein weiteres Highlight in Linden. An einem Augustwochenende findet dann ein dreitägiges Musikfest statt. Jährlich kommen etwa 10.000 Besucher zu dem Festival, das auch liebevoll „Das kleine Woodstock an der Leine“ genannt wird. Das Ihme-Zentrum nimmt eher eine besondere Rolle bei den Sehenswürdigkeiten ein.

Zwischen Luxus und Armut

Schon als das Ihme-Zentrum im Oktober 1974 eröffnet wurde, hatte es Akzeptanzprobleme bei vielen Bewohnern von Linden. Es handelt sich um einen Gebäudekomplex in Linden-Mitte, der seine Bezeichnung aufgrund seiner Lage am gleichnamigen Fluss erhielt. Das Zentrum ist ein großes Wohn-, Büro- und ehemaliges Einkaufszentrum. Die Idee war, die Arbeit mit dem sonstigen alltäglichen Leben zu verbinden und alles dafür an einem Ort zu haben. Am Anfang boomte das Zentrum. Schon vor der Grundsteinlegung 1971 sollen fast die Hälfte der Wohnungen verkauft worden sein. Im Laufe der Jahre zerfiel das Ihme-Zentrum nach und nach und ist sehr heruntergekommen. Die Menschen wollten nicht dort leben, wo sie auch arbeiten. Auch die Einkaufspassage verschwand und ist dort heute nicht mehr vorhanden. Trotzdem biete es vielen Menschen ein Dach über dem Kopf. Die Loftwohnungen sind auf der anderen Seite aber auch mit die beliebtesten und teuersten in ganz Hannover. Das ist einer der Gründe, warum es heute noch erhalten wird. Ob es jemals wieder einen positiven Kontext erhält, scheint unwahrscheinlich. Trotzdem ist und bleibt Linden der bunte und lebendige Stadtteil, und genau das macht es aus. Wer noch nie dort war, sollte sich am besten selbst überzeugen.

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Michael Panusch

Als leidenschaftlicher Storyteller und urbaner Enthusiast hat Michael Panusch schon immer den Finger am Puls der Stadt gehabt. Als treibende Kraft hinter dem Cityglow Magazine versucht er, die ungesehenen Ecken, die unerzählten Geschichten und die dynamische Atmosphäre von unseren Metropolen zu beleuchten. Mit seinem scharfen Blick für Details und seiner Vorliebe für die Avantgarde spiegeln Michaels Artikel nicht nur seine Liebe zu urbanen Landschaften wieder, sondern bieten auch eine neue Perspektive auf das Stadtleben.

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