August – Zwischen Sonnenbrand und Spätsommersehnsucht
Der August ist der Samstagabend des Sommers. Noch ist alles möglich, aber man spürt schon: Der Kater kommt näher. Es ist der Monat, in dem die Eisdielen noch Hochbetrieb haben, aber die ersten Supermärkte schon Lebkuchen einräumen. In dem wir in Badelatschen zum See stapfen, während uns der erste Gedanke an „Übergangsjacken“ erschreckt. Und in dem wir uns – mit einem leicht melancholischen Blick aufs Kalenderblatt – fragen: War das jetzt schon alles?
Der August ist wie der letzte Drink vor der Sperrstunde
Ich mag den August. Er ist so herrlich widersprüchlich. Warm, ja – manchmal sogar zu warm. Klebrig, ja – aber auch weich, golden, langsam. Die Menschen sind ein bisschen erschöpft vom Dauergrillen, vom „lass uns noch schnell was aus dem Sommer machen“, vom ständigen Eincremen und Abkühlen. Der August bringt uns zum Durchatmen – nicht, weil der Trubel vorbei ist, sondern weil wir ihn endlich spüren: den leisen Übergang vom Hochsommer zur Spätsommerzeit. Ich erinnere mich an einen Augustabend, da war ich alleine unterwegs – was ich selten bin, aber manchmal sehr brauche. Ich hatte mir ein Rad geschnappt, bin einfach losgefahren, vorbei an Feldern und durch kleine Alleen, wo das Sonnenlicht wie Honig zwischen den Blättern hing. Ich hatte keine Musik auf den Ohren, keine To-do-Liste im Kopf, nur diese ganz stille Freude, dass es warm war, dass ich atmete, dass alles – für einen Moment – ganz leicht war. Ich hielt irgendwann an, setzte mich ins Gras und beobachtete, wie sich eine Katze durch die Wiese schlich. Kein Ziel, kein Zweck. Nur Sein. Und ich dachte: Genau das ist August.
Sommerferien, die nie enden sollten – und doch immer zu früh vorbei sind
Wenn Sie Kinder haben – oder selbst jemals eins waren –, dann wissen Sie: August bedeutet Ferienhalbzeit oder schon fast -ende. Die Hochphase des Müßiggangs, das Herzstück aller schulischen Sommerträume. Und doch schleicht sich spätestens ab Mitte August dieses unheilvolle Gefühl ein: Die Luft ist raus. Die ersten Mütter stehen vor Papierabteilungen und diskutieren über Collegeblöcke. Kinder klammern sich verzweifelt an die letzten Freibadtage. Und irgendwo schreit immer ein Vater vor einem leeren Schulbuchregal: „Hättet ihr das nicht früher sagen können?!“ Ich war als Kind immer Team „Schulmaterial am letzten Ferientag kaufen“. Der Nervenkitzel! Der Adrenalinkick an der Kasse! Die unausgesprochene Hoffnung, dass es vielleicht doch keine Schule mehr geben würde, wenn einfach kein Heft A4 kariert mit Rand mehr aufzutreiben wäre. Spoiler: Es gab sie immer. Die Schule. Und die karierte Hölle kam mit ihr.
Der August riecht nach Sonnencreme und Veränderung
Was mir am August so gut gefällt, ist dieser unterschwellige Wandel. Die Luft verändert sich. Sie wird schwerer, satter, irgendwie weicher. Die Nächte kommen wieder ein kleines bisschen früher, und mit ihnen die ersten Grillen, die nicht mehr Party machen, sondern melancholisch zirpen, als würden sie schon an den September denken. Der August ist der Monat, in dem man plötzlich wieder Lust bekommt auf Ofengemüse, obwohl man doch noch mitten im Tomate-Mozzarella-Modus war. In dem man zum ersten Mal denkt: Bald ist wieder Kuscheldecke. Und gleichzeitig in Flip-Flops zur Eisdiele läuft. Ich liebe diesen Widerspruch. Und ich liebe es, dass der August uns so schamlos zeigt, dass alles vergänglich ist – und gerade deshalb so schön.
Und dann sind da diese Spätsommerlieben
Vielleicht liegt es an der Sonne, vielleicht am leicht vergoldeten Licht – aber der August ist auch der Monat der kleinen, flüchtigen Sommerlieben. Ich hatte mal so eine. Nennen wir ihn Paul. Paul war eigentlich gar nicht mein Typ. Zu groß, zu viele Flausen im Kopf, immer ein bisschen zu laut und ständig barfuß. Aber er konnte lachen – also richtig lachen, so von tief innen, dass man sofort mitlachen musste. Wir trafen uns an einem dieser Augusttage, an denen alles nach Sonnenuntergang roch. Er hatte eine Ukulele dabei (ich weiß, ich weiß – Klischee!), und ich dachte: Wenn er jetzt auch noch singt, bin ich raus. Tat er. Und ich blieb. Es war eine dieser Sommerverbindungen, von denen man weiß, dass sie ein Ablaufdatum haben – und genau das macht sie so besonders. Kein Drama, kein „Was wird daraus?“, nur Sonnenuntergänge, Rotwein aus Plastikbechern und die stille Verabredung, im September nicht mehr zu schreiben.
Haben wir auch nicht. Aber der August hat uns. Und das reicht.
August ist Erntezeit – im Leben wie im Garten
Die Natur gibt im August nochmal alles. Tomaten schmecken nach Sonne, Zucchini wachsen wie verrückt, und plötzlich kennt man wieder Menschen, die einen mit Kirschen, Gurken oder Kräutern versorgen, „weil sie sonst schlecht werden“. Es ist die Zeit, in der man sich fragt: Was ist eigentlich aus meinen Vorsätzen geworden? Noch keine Sommerfigur? Egal. Noch nicht im Urlaub gewesen? Auch egal. Im August darf man sich zurücklehnen und sagen: Ich habe genug gemacht. Ich bin genug. Und wenn nicht? Dann machen Sie’s wie ich: Eine große Schüssel Wassermelone, nackte Füße im Gras, und einfach mal gar nichts tun.
Der August ist der Herzschlag des Sommers
Er ist nicht mehr so laut wie der Juli, nicht mehr so euphorisch wie der Juni. Aber er trägt das, was der Sommer am besten kann: Wärme, Tiefe, dieses flirrende Gefühl von Jetzt. Wenn Sie also das nächste Mal draußen sitzen, die Sonne langsam untergeht und der Wind ein bisschen nach September riecht – dann schließen Sie die Augen und sagen leise: Danke, August. Denn du bist nicht perfekt. Aber du bist wunderschön. Und du gehst immer ein bisschen zu schnell.