Rolf Eisenmenger und Prof. Volker Römermann im Expertentalk.

Prof. Römermann: Herr Eisenmenger die Politik reagiert ja mit einschneidenden Maßnahmen. Man versucht die Pandemie irgendwie in den Griff zu kriegen. Gesundheit an erster Stelle – Wirtschaft an Letzter, hätte ich fast gesagt. Jedenfalls hat man manchmal den Eindruck. Wie ergeht es Ihnen denn? Sie haben einen Laden und durften zeitweilig nicht öffnen. Ich hoffe Sie sind unter 800 qm, dann darf man ja wieder öffnen. Scheinbar ist die Pandemie nur relevant für Geschäfte über 800 qm Größe. Es ist eine schwierige Situation mit stetig wechselnden Maßnahmen und Auflagen.

Die deutsche Wirtschaft und im Besonderen der Mittelstand leiden unter den Folgeerscheinungen der Corona-Krise. Massive Beschränkungen und die starke Reglementierungen des gesellschaftlichen Lebens stellen den Wirtschaftsmotor unseres Landes vor die größte Herausforderung der Nachkriegszeit. Vor diesem Hintergrund trafen sich zwei Experten. Jeder ein etablierter Geschäftsmann. Seit Jahrzehnten in der jeweiligen Branche aktiv und erfolgreich.

Auf der einen Seite eine echte Persönlichkeit Hannovers, eine Größe in der Modeszene, Rolf Eisenmenger, der Inhaber des Herrenausstatters LO & GO, und auf der Anderen ein echter Fachmann im Wirtschaftsrecht und Vorstand der Römermann Rechtsanwälte AG, Prof. Volker Römermann.

Rolf Eisenmenger: Wir kommen klar: “Schwierig!”. Wir sind in der Zeit vom 17. März bis Montag, den 20.04, das Ladenlokal komplett geschlossen zu lassen. Das bedeutet für uns. Wir sind in der für uns wichtigsten Zeit des Jahres gewesen. Nämlich der März und der April. Wir sind im Herrenausstatter-Business. Eines unserer Schwerpunkte in diesen Zeiträumen ist das Ausstatten des Bräutigams für seine Hochzeit. Wir machen im März/April das Geschäft für das ganze Jahr. Wir erwirtschaften Deckungsbeiträge, die uns auch im November/Dezember helfen. Wir haben jetzt aktuell unseren Höchststand in den Lagern. Wir arbeiten in einer Branche in der wir im Januar/Februar/März komplett ausgeliefert mit Ware, die wir dann bis in den September hinein verkaufen. Wir haben jetzt den Höchststand in unseren Lagern. Gleichzeitig haben wir jetzt den höchsten Liquiditätsbedarf da nun Rechnungen bezahlt werden müssen. Wenn wir diese Rechnungen nicht bezahlen können, kommt es zu Dominoeffekten.

Prof. Römermann: Wie sieht es denn überhaupt mit Hochzeiten aus? Man hört im Allgemeinen nur von Absagen. Ich war selbst bei Hochzeiten eingeladen, welche nun gecancelt worden sind – Ohne Gäste natürlich auch nicht besonders attraktiv.

Rolf Eisenmenger: Während der Zeit der Schließung hatten wir Kontakt zu über 500 Bräutigamen, Bräuten und Verwandten. Die zum Teil Geschichten erzählten, welche man nur als abenteuerlich bezeichnen kann. Wo man noch versucht hat umzuplanen. Rund 80 Prozent aller Hochzeiten, die jetzt stattfinden sollten, sind abgesagt. Entweder komplett verschoben oder nur die standesamtliche Hochzeit wird umgesetzt. Teilweise bis in das Jahr 2021 verschoben. Wir haben die Hoffnung, dass nicht alle die Hochzeit stornieren, sondern diese verschieben und später nachholen. Also haben wir die Hoffnung, das die Umsätze, die uns jetzt fehlen wieder auf uns zu kommen in der nahen Zukunft der nächsten 8 bis 12 Monate. Das gibt uns Zuversicht und Hoffnung.

Prof. Römermann: Nun bei Ausstattern von Hochzeiten hoffen wir natürlich, das diese Zeit versetzt stattfinden können – oder die Menschen jetzt doppelt so viele Menschen heiraten wie vorher.

Rolf Eisenmenger: Nun gut dies wird vermutlich nicht geschehen.

Prof. Römermann: Bleiben jedoch die Veranstalter anderer Events und Bereiche, die nicht auf eine Verschiebung bzw. spätere Umsetzung hoffen können. Wenn der Sommer rum ist, ist er rum. Keine Möglichkeit einer Wiederholung!

Rolf Eisenmenger: Plus die Waren, die wir jetzt gerade haben, die jetzt dem aktuellen Stand der Mode und Geschmack entspricht, die ist im nächsten Jahr überhaupt nicht mehr aktuell. Die aktuell gefragten Farbe und Schnitte, die in unseren Warenlagern liegen, werden in Zukunft nicht mehr gefragt sein oder zumindest dem dann modischen Schnitt nicht entsprechen. Was zu Verlust in Einnahmen etc. führen kann.

Die Mode die wir aktuell haben, ist im hochmodischem Bereich, “verderblich”! Schnittmuster und Farben verlieren an Aktualität. Oder sind einfach nicht mehr am Puls der Zeit. Aber es kommt in der Textilbranche noch zu einem komplett anderen Problem:

Nehmen wir an. Wir sind jetzt komplett ausgeliefert bis in den Monat März. In den Monaten Mai und April wird normalerweise die Ware produziert, z. B. in Italien für uns, die dann im Juli/ August ausgeliefert wird. Nun warten wir auf die Liquidität und die Möglichkeit um die Stoffe für Juli ausliefern zu können. Diese Dinge haben wir bereits auf Lager. Auch die Rechnungen.

Prof. Römermann: Und wenn man produzieren kann, dann heißt es noch lange nicht es kann auch transportiert werden! Das ist das nächste Problem.

Rolf Eisenmenger: Genau, das kommt auch noch dazu. Aber das Hauptproblem ist: Die Ware ist da. Es kann nicht produziert werden. Uns fehlen mindestens zwei bis drei Monate, um den Auslieferungstermin, Juli & August, gewährleisten zu können.

Prof. Römermann: Wo kommen diese Stoffe her?

Rolf Eisenmenger: Die Stoffe kommen zumeist aus Italien. Wir arbeiten dort mit italienischen Webereien zusammen. Aber auch dort kann momentan keine Stoffe neu gewebt werden.

Prof. Römermann: Die Zusage der Politik: Das man einerseits mit Hilfszahlungen kommt und andererseits mit einer Bürgschaft, welche jetzt zu 100 Prozent der Darlehen abdeckt. Man sagt im Grunde: Wir finanzieren die Ausgaben. Was kommt davon bei Ihnen an?

Rolf Eisenmenger: Seit 17. März hatten wir geschlossen. Am 18. März gaben zwei bekannte Politiker in einer Pressekonferenz dem gesamten Mittelstand viel Zuversicht und Hoffnung. Es hieß: “Wir helfen euch schnell & unbürokratisch. Und wir helfen euch ausreichend.”

Dieser Satz war für mich glaubhaft. Jetzt haben wir Anträge gestellt – und es gibt angeblich eine Flut von Möglichkeiten. Es gibt Zuschüsse, Fördergelder etc von Stadt, Land oder Bund. Wir als Mittelständler können zum Teil kaum überblicken, welche Möglichkeiten wir wirklich hätten. Es sind seit Wochen Anträge gestellt und die einzige Reaktion ein Schreiben der N-Bank. Es ist keine Liquidität geflossen. Nicht ein Penny.

Prof. Römermann: Wobei ich sagen muss, die Mitarbeiter der N-Bank arbeiten, gefühlt Tag und Nacht, um die Anträge zu bearbeiten.

Rolf Eisenmenger: Das glaube ich sofort. Ich glaube die Politik war sicher der immensen Flut an Anträgen, die kommen würde nicht in vollem Umfang bewusst. Sonst hätte man zumindest das Wort “schnell” eingegrenzt.

Prof. Römermann: Wobei wirklich überraschen konnte das niemanden. Das, wenn Läden geschlossen sind, auf allgemeiner Verfügung aller Bundesländer, damit praktische ganze Branchen geschlossen worden. Da kann man nicht überrascht sein, wenn eine große Menge Unternehmen Hilfsanträge stellen. Aber, ich glaube auch, in vielen Bundesländern sind auch gleich die entsprechenden Server unter der Last der Anträge zusammen gebrochen.

Rolf Eisenmenger: Die möglichen Zuschüsse, bzw. die Anträge, gestalten sich so verwirrend, dass selbst Steuerberater ihre Mühen mit den entsprechenden Papieren haben. Ob etwas kommt und wann, kann niemand sagen.

Was wir noch machen: Anträge bei der KfW-Bank beantragen. Aber auch das ist eine Geschichte, wo ich Probleme habe, das politische Denken, was nachher zu Taten führen muss, zu verstehen: Die Aussagen zu den Haftungen und den Laufzeiten für zinslose Darlehen ändern sich ständig. Tilgungszeiten werden nicht richtig kommuniziert. Meine Hausbank hat mir erklärt, erst seit 15.4. können diese Anträge gestellt werden. Am 16.4. mussten Dokumente erneut einreichen, da in den ersten Anträgen noch Sachen gefehlt haben. Gleichzeitig besteht erst seit 27.4. die technische Grundvoraussetzung um die Anträge überhaupt weiterzuleiten und zu bearbeiten.

Prof. Römermann: Nun muss man realistisch sagen, große Teile der deutschen Wirtschaft sind betroffen, manche sprechen gar von 82 Prozent, sind negativ betroffen von den Folgen der Corona-Krise. Da ist vielleicht auch nicht zu erwarten, das die Politik so viel Geld ausschüttet, das alle Kosten aller Unternehmen übernommen werden.

Rolf Eisenmenger: Das kann natürlich nicht funktionieren. Es kann Zuschüsse, Kredite usw. geben, aber das der deutsche Staat “den gesamten Schaden” bezahlt, ist für mich nicht vorstellbar.

Prof. Römermann: Und gleichzeitig finde ich es gut, das im Vorhinein geprüft wird. Natürlich gibt es Läden, die vor der Krise gut liefen, aber es gibt auch Beispiele in denen bereits schlecht laufende Geschäfte versuchen Hilfen mitzunehmen. Wo praktisch wie ein Schwarzes Loch – Geld ins Nichts geworfen wird.

Rolf Eisenmenger: Natürlich sind Prüfungen notwendig, aber vielleicht gibt es Möglichkeiten, das Ganze zu vereinfachen. Wir alle reichen unsere Steuererklärungen beim Finanzamt ein. Wenn ich dann anhand meiner Identifikationsnummer beispielsweise eine Unbedenklichkeitserklärung ausgestellt bekommen könnte, nach einer ersten groben Prüfung, dann sollte es doch möglich sein, etwas schneller zu helfen. Wenn jemand 10, 20 Jahre seine Steuern pünktlich gezahlt hat, dann darf man davon ausgehen, dass das ehrbare Kaufleute sind!

 

 

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