Kommentar von Elena Adam über gendergerechte Sprache

CityGlow

12. August 2021

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Liebe Leserinnen* und Leser*, sehr geehrte Korinthenkacker:innen

Jetzt erst einmal tief durchatmen. Es ist möglich, gendergerechte Sprache gelassen zu diskutieren und dabei nicht emotional zu werden. Es ist sogar erlaubt, dazu überhaupt keine Meinung zu haben und andere Themen wichtiger zu finden. Den Konflikt im Nahen Osten zum Beispiel, oder die Tatsache, dass noch immer zwei Milliarden Menschen auf der Welt unter Mangelernährung leiden.

Nun geht es in der Diskussion um eine Problematik aber nicht darum, eine schlimmere zu finden. Aktuell wird wieder viel über das Gendersternchen, den Doppelpunkt oder die kurze Pause im gesprochenen Wort geredet und das zeigt einfach nur die Bemühung, alle Geschlechter linguistisch einzubeziehen.

Ich persönlich habe mich als Frau mit dem generischen Maskulinum nie ausgegrenzt gefühlt, habe im Berufsleben keine Benachteiligung erfahren und fühle mich generell nicht diskriminiert. Mir ist allerdings auch klar, dass es Menschen gibt, die andere Erfahrungen gemacht haben. Mir ist auch klar, dass es sich bei diesen Menschen nicht ausnahmslos um Frauen handelt.

Als Menschen haben wir die Fähigkeit, emphatisch zu sein. Wir können uns in andere hineinversetzten und nachfühlen, wie es ihnen wohl in einer bestimmten Situation geht. Wenden wir dieses Empathievermögen in der Diskussion um die gendergerechte Sprache an, wird schnell klar worum es eigentlich geht: Den Versuch, Wertschätzung zu zeigen. Nicht mehr und nicht weniger.

Während meiner Journalistenausbildung bei einer überregionalen deutschen Tageszeitung wurden sämtliche Genderdebatten noch weggelächelt, als Unfug abgetan oder gar als Angriff auf die deutsche Sprache bewertet – das ist jetzt fünf Jahre her. Heute hat eben diese Tageszeitung das Gendersternchen zumindest schon für eines ihrer Online-Magazine eingeführt. Es ist möglich, seine Meinung zu ändern.

Ich selber habe die gendergerechte Schreibweise lange Zeit abgelehnt. Weil ich, ausgebildet und geprägt durch alte männliche Redakteure, die Fahne der Verständlichkeit der Sprache hochgehalten habe. Heute denke ich, dass sich Verständlichkeit und Gerechtigkeit nicht ausschließen.

Entscheidend für diesen Sinneswandel war übrigens ein Vortrag über gendergerechte Sprache. Die vortragende Person bezeichnete sich selber als Divers, war optisch weder typisch männlich noch typisch weiblich gekleidet und berichtete von ihren Gefühlen im Zusammenhang mit unserer Sprache und wie viel besser es sich für Menschen wie sie anfühlen würde, würden wir linguistisch nur ein wenig Rücksicht nehmen. Dieser Mensch war mir auf Anhieb so sympathisch, dass ich beschloss, mir mehr Mühe zu geben. Wenn ich dazu beitragen kann, dass sich meine Mitmenschen besser, wertvoller und gesehener fühlen, indem ich nur ein einziges Sternchen schreibe, dann ist es mir das wert, alte Überzeugungen aufzugeben.

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