Der Mordverdacht

by | 12. Oct 2018 | #Glowculture

Ein neues Buch untersucht noch einmal den Prozess gegen die Krebsärztin Mechthild Bach

Es war einer der spektakulärsten Gerichtsprozesse, den die hannoversche Justiz seit Jahrzehnten gesehen hat: Der Fall der Internistin Mechthild Bach. Von der AOK wird sie 2003 angezeigt und beschuldigt drei  Krebspatienten mit Morphium und Beruhigungsmitteln in den Tod geschickt zu haben.

Mechthild Bach kämpft lange Zeit mit Vorverurteilungen und aggressiven Gutachtern. Zeitungen und Magazine brandmarken sie als „Todesengel“ und „Skandalärztin“. Die Bezirksregierung verhängt ein Berufsverbot, das nie aufgehoben wurde. 2004 wird sie verhaftet und nach zwei Wochen gegen eine Kaution wieder freigelassen. Der Haftbefehl gegen sie wird nie aufgehoben, sondern nur außer Vollzug gesetzt. Ein Gutachter lässt sich über Jahre Zeit, seine Expertisen abzugeben. Erst 2008 beginnt der Prozess, er platzt nach wenigen Monaten; 2009 steht sie erneut vor Gericht, sechs Jahre nach der Anzeige. Aus der Anklage wegen Totschlags in acht Fällen sind 13 Fälle geworden.
 

Zu einem Urteil kommt es nicht mehr. Als das Gericht schließlich nach acht Jahren mitteilt, dass auch eine Mordanklage nicht mehr ausgeschlossen ist und der Ärztin damit jede Hoffnung auf einen Freispruch nimmt, wählt Mechthild Bach 2011 den Freitod. 500 Trauernde, darunter viele frühere Patienten, geben ihrem Sarg auf dem Weg zum Friedhof das letzte Geleit.

Die beiden Kleefelder Autoren Gabi Stief und Hans-Peter Wiechers haben jetzt im „Zu Klampen Verlag“ ein Buch veröffentlicht, das die Geschichte der Ärztin nach einmal zum Thema macht. Die Autoren haben über Monate recherchiert, haben mit Freunden, Mitarbeitern, mit Ärzten und Juristen gesprochen. Sie erzählen eine Geschichte vom Versagen der Justiz und von einer Medizin, die für ein Sterben in Würde keinen Ort hatte. Das Buch „Der Mordverdacht – hat die Justiz die Krebsärztin Mechthild Bach in den Tod getrieben?“ Ist in allen hannoverschen Buchhandlungen zum Preis von 14 Euro zu haben.

Autor: Hans-Peter Wiechers

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